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Effektiv LernenSo geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneErfahren Sie mehr über die Voraussetzungen für effektives Lernen, moderne Lernmethodenund wie man sich fürs Lernen motivieren kann, so dass selbst ein Misserfolg einen nicht ausder Bahn werfen kann. Viel Spaß beim Lesen!Berlin - 2014

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneInhalt1.Einleitung . 22.Die Psychologie des Lernens – Wie funktioniert Lernen? . 23.Mentale Voraussetzungen – Bin ich zum Lernen geeignet? . 54.Physische Voraussetzungen beim Lernen – Schaffen sie ihre persönliche Lernumgebung . 75.Lernmethoden – Lernen lernen. 106.Der Umgang mit Misserfolgen . 201www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und Erwachsene1. Einleitung„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir s nicht wagen, ist es schwer.“(Seneca)Da es im Studium – und insbesondere im Fernstudium – darum geht, sich Wisseneigenverantwortlich anzueignen, ist es essentiell, sich schon zu Beginn des Studiums Gedanken überdie Art der Wissensaneignung zu machen.In Schulen und den meisten Berufsschulen nehmen Lehrer ihre Schüler an die Hand und führen sieSchritt für Schritt durch den gesamten Stoff. Sie haben sich bereits vor dem Schuljahr eineninhaltlichen und zeitlichen Plan erstellt, anhand dessen sie „ihre“ Schüler auf die bevorstehendenPrüfungen vorbereiten. Sie legen Inhalte fest, wählen Materialien aus, verteilen (Haus-)Aufgaben,Projekte, Gruppenarbeiten, halten Zwischentests zur Überprüfung des aktuellen Leistungsstands undgreifen gegebenenfalls korrigierend ein, indem sie den Unterrichtsstoff justieren.Demgegenüber funktioniert ein Studium an einer deutschen Hochschule nicht so „komfortabel“. Hierwird man nicht an die Hand genommen und durch den Stoff geführt. Das Studium dient demwissenschaftlichen Arbeiten und Denken. Der Begriff „Studium“ stammt vom lateinischen „studere“,was so viel heißt wie sich bemühen, nach etwas streben, sich mit etwas beschäftigen. An derwörtlichen Übersetzung erkennt man bereits: Hier geht es darum, selbst aktiv zu sein! Es geht in allerRegel nicht darum, stumpfsinnig Wissen auswendig zu lernen, das in Prüfungen eins zu eins abgefragtwird. Das Studium soll dazu befähigen, selbständig, problembewusst und lösungsorientiert zudenken.Das Fernstudium bildet dabei eine besondere Art des Studierens. Schon aus der Organisation unddem Aufbau des Studiums ergibt sich, dass es keine oder kaum Anwesenheit gibt, Vorlesungen garnicht oder in Form von Online-Videos bereitgestellt werden. Interaktiver Unterricht findet seltenstatt. Stattdessen liegt es in der Hand des Studenten, sich den zur Verfügung gestellten Stoffselbständig und möglichst effektiv anzueignen. Für die meisten ist dies eine Herausforderung, derersie sich zum ersten Mal gegenüberstehen. Es ist nicht leicht über die gesamte Dauer eines Studiumshinweg sich selbst diszipliniert zu organisieren. Der folgende Artikel soll eine praktische Hilfestellunggeben und verdeutlichen, worauf es beim selbstverantwortlichen Lernen ankommt.TIPP: Machen sie sich früh mit den organisatorischen Strukturen eines (Fern-)Studiums vertrautund sensibilisieren sie sich dafür, ihr Studium diszipliniert und aktiv zu beschreiten.2. Die Psychologie des Lernens – Wie funktioniert Lernen?„Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“(Galileo Galilei)2www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und Erwachsenea) Die Funktionsweise des Gehirns – LernkanäleDas menschliche Gehirn ist ein Wunderwerk und zu Außerordentlichem im Stande. Dennoch ist seineKapazität und seine Funktionalität begrenzt. Die Neurowissenschaft jedoch bringt Erkenntnisse überdie Funktionen des Gehirns hervor, die auch beim Lernen eine Rolle spielen und anhand dererLernmethoden entwickelt werden, die die Effektivität des Lernens enorm steigern können.Über die Sinnesorgane nehmen wir Informationen auf, die im Gehirn verarbeitet und gespeichertwerden. Je nach Qualität der Informationen speichern wir diese im Kurz-, Ultakurz- oder imLangzeitgedächtnis ab. Wie lange wir eine Information speichern hängt nicht nur von derenWichtigkeit für uns ab, sondern zunächst davon, wie die Information überhaupt erst ins Gehirngelangt ist. Bei der Wahrscheinlichkeit des Behaltens von Informationen unterscheidet man grob:Informationsaufnahmeselbst machennacherzählen / erklärenhören sehensehenhörenWahrscheinlichkeit des Behaltens- 90%- 70 %- 50 %- 30 %- 20 %Hieraus ergeben sich zunächst zwei wichtige Folgerungen fürs Lernen.1. Aktive Informationsaufnahme (z.B. nacherzählen) ist effektiver als passive (z.B. sehen).2. Je mehr Kanäle bei der Informationsaufnahme gleichzeitig angesprochen werden, desto eher wirddiese Information behalten. Wer jemandem anderen etwas erklären will, muss dies zuvor selberverstanden, also z.B. gelesen oder gehört haben. Wer etwas ausprobiert oder anwendet, verknüpftmit der eigentlichen Information bereits den gesamten Geschehensablauf, weshalb das Ergebnis imGehirn fester verankert wird, als hätte er dasselbe Ergebnis lediglich bei jemandem anderenbeobachtet.b) LerntypEntsprechend der Lernkanäle unterscheidet man auch den Lerntyp. Grundsätzlich unterscheidet manzwischen dem visuellen Typ, dem auditiven Typ und dem haptischen Typ.Lerntypvisueller Typauditiver Typhaptischer TypDefinitionGesehenes wird gut behalten, da die optische Information vom Gehirnbesonders gut umgesetzt wirdGehörtes wird gut behalten, da die akustische Information vom Gehirnbesonders gut umgesetzt wirdEs werden besonders gut diejenigen Informationen behalten, die durch eineInteraktion aufgenommen werden, also z.B. dadurch, dass man eineAufgabe selber löst, jemandem etwas erklärt usw.3www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneWährend also einer besser behalten kann, was er hört, fällt es einem anderen leichter, ein Schaubildwiederzugeben. Um für sich die beste Lernmethode zu finden, ist es wichtig, herauszufinden, wieintensiv man auf welche Reize reagiert. Fällt es ihnen also leichter den Stoff zu behalten, wenn sieeinem Dozenten zuhören, oder ein Audiobuch hören oder wenn sie alleine für sich denentsprechenden Abschnitt in einem Lehrbuch lesen? Oder ergibt sich der Stoff für sie leichter, wennsie ihn übersichtlich anhand eines Schaubildes betrachten?c) Lernkurve/Vergessenskurve – Warum vergessen wir?Die Lernkurve gibt den Lernerfolg im Verhältnis zur aufgewandten Zeit an. Eine Fähigkeit nimmt zu,wenn man sie immer wieder anwendet bzw. Wissen festigt sich, wenn man dieses kontinuierlichvermehrt. Was beim ersten Mal noch schwer erscheint, wirkt beim hundertsten Mal routiniert. DerEinstieg in ein neues Themengebiet ist oft recht mühselig, besteht erst mal ein gewisses Grundwissenund Grundverständnis zu dem Thema, lässt es sich durch konkreteres Fachwissen leichter anfüllen.Lernerfolg stellt sich also erst mit der Zeit ein.Die Vergessenskurve hingegen gibt den Grad des Vergessens in Abhängigkeit der Zeit an.Wenden wir eine einmal entstandene Fähigkeit nicht mehr an, entwickelt sie sich zurück. Was fürden Muskelaufbau gilt, gilt auch und gerade für das Lernen. Wissen muss angewendet werden, imIdealfall sogar vermehren, sonst nimmt es ab. Unser Gehirn wird im Alltag mit Reizen undInformationen regelrecht überflutet, von denen die allermeisten keine größere Bedeutung haben.Deshalb landen die meisten dieser Informationen auch nur im Ultrakurzzeitgedächtnis und sindbereits nach kurzer Zeit nicht mehr abrufbar. So heißt es, dass man nach etwa einer Stunde bereitsungefähr die Hälfte des Gelernten wieder vergessen hat, nach einem Tag bereits Zweidrittel undnach einer Woche rund 75-80%.Es reicht also nicht aus, ein Kapitel gelernt und sich den Inhalt angeeignet zu haben. Wenn diePrüfung, in der genau das Wissen abgefragt wird, erst in einigen Monaten stattfindet, ist die Gefahrgroß, dass es lückenhaft geworden ist. Deshalb ist es wichtig, das Gelernte durch Wiederholung undAnwendung im Gehirn zu festigen und kontinuierlich zu lernen.d) Die Eigenschaft des zu lernenden Stoffes - Ganz schön schwere Kost?Den meisten Menschen fällt es leichter sich Stoff zu merken, der rational leicht erklärbar, intuitivverständlich, und visuell vorstellbar ist. Wohingegen abstrakte Dinge oft schwieriger zu verstehenund zu behalten sind. Stoff mit großem Praxisbezug bleibt eher haften als reine Theorie.Analysieren sie daher den zu lernenden Stoff und verschaffen sie sich einen Überblick darüber, mitwelcher Art von Wissen bzw. Lernstoff sie es zu tun haben. Dadurch lässt sich besser planen, wiemit dem Stoff umzugehen ist.TIPP: Nutzen sie möglichst mehrere Kanäle, um Wissen aufzunehmen. Je aktiver sie mit dem Stoffumgehen, desto besser bleibt er im Gedächtnis haften.Analysieren sie ihren eigenen Lerntyp und passen sie ihre Lernstrategie hieran an – nichtumgekehrt.4www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneHalten sie sich vor Augen, dass „aller Anfang schwer ist“. Wenn die Grundlagen sitzen, fällt dasDetailwissen verhältnismäßig leicht.3. Mentale Voraussetzungen – Bin ich zum Lernen geeignet?„Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen.“(George Bernard Shaw)a) Ziele und ErwartungenBei jedem neuen Thema, das sie lernen wollen, fragen sie sich zuerst, welche Erwartungen sie an dasThema haben und zu welchem Ziel sie das Durcharbeiten des Themas führen soll. Das hilft ihnen, sicheinen Überblick zu verschaffen. Geht es nur darum die Klausur in dem Thema irgendwie zu bestehen?Interessiert sie das Thema besonders?Handelt es sich um ein Grundlagenthema, dem man besonders viel Aufmerksamkeitschenkensollte, weil spätere Themen hierauf aufbauen?Ist es ein Schwerpunktthema, das sie sich womöglich selbst ausgesucht haben?Besteht ein Praxisbezug zu ihrer sonstigen Arbeit?Allein sich vorab ein paar Minuten Gedanken über das Thema zu machen und sich Fragen zu stellenüber die mit dem Thema verbundenen Ziele und Erwartungen, führen dazu, dass man sichunterbewusst analytisch mit dem Thema auseinander setzt, bevor es ins Detailwissen geht. Es hilftweiterhin, sich den Sinn und die Tragweite des Themas zu erschließen und zu verdeutlichen, wasdazu führen kann, dass man intensiver in das Thema einsteigt und länger „am Ball“ bleibt.b) Selbsteinschätzung / Selbstanalyse – Kann ich das?So wie sie ein neues Thema gedanklich hinterfragen, sollten sie auch sich selbst hinterfragen. Siehaben bereits erkannt, dass das neue Thema besonders komplex ist oder dass sie noch gar keinVorwissen hierzu haben? Benutzen sie diese Erkenntnisse und stellen sie eine Verbindung her zudem, was sie leisten können. Sie steigen in ein völlig neues Thema ein ohne Vorkenntnisse, dann planen sie hierfür mehrZeit ein, als für ein Thema, dass sie aus der Vergangenheit bereits in und auswendig kennen.Handelt es sich um ein Thema mit großen technischen und mathematischen Inhalten undliegen ihnen diese Bereiche so gar nicht? Dann überlegen sie bereits, wie sie diese Defiziteausgleichen können.5www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneWenn sie auf diese Weise an ein Thema herangehen, sind sie unterbewusst bereist auf etwaigeSchwierigkeiten vorbereitet, können vorbeugen und entsprechend planen, Frustration wird sie imbesten Fall verschonen, weil sie von ihr nicht kalt erwischt werden.Eine ehrliche Selbsteinschätzung und Analyse der eigenen Fähigkeiten bezogen auf das neue Themasind der Grundstein einer gelungenen Lern-Planung.c) Motivation – Das Zünglein an der Waage„Die beste Motivation ist das eigene Wollen.“ (Olaf Dohmen)Welches Ziel verfolgen sie mit dem Studium? Welche Erwartungen haben sie hieran?Studieren sie, weil man es von ihnen erwartet,ihr Vorgesetzter dies von ihnen wünscht,sie ihre Karriere beschleunigen wollen,sind es finanzielle odergesellschaftliche Gründewollen oder brauchen sie den Abschluss als formelle Voraussetzung im Job oderhaben sie den Wunsch, sich in ihrem Fachgebiet qualitativ hochwertigeres Wissenanzueignenist es ihr Ehrgeiz, der sie dazu ermutigt, das Studium als Bester abzuschließen?Die Qualität der Energie, die sie in das Studium und somit in das Lernen der einzelnen Inhalte steckenund somit wiederum der Erfolg des gesamten Studiums, ist in höchstem Maße von ihrer Motivationabhängig. Unterschätzen sie dabei nicht die Rolle ihres Unterbewusstseins. Je mehr sie brennen, jemehr Begeisterung sie für das Studium an den Tag legen, desto leichter wird es ihnen fallen.Intrinsische und extrinsische Motivation – Woher kommt meine Motivation?Man unterscheidet zwei Arten der Motivation, die intrinsische und die extrinsische Motivation.Intrinsische Motivation liegt vor, wenn man etwas um seiner selbst willen macht, einfach weil manSpaß daran hat, weil es Befriedigung bereitet, Anerkennung bringt oder einfach nur guttut.Extrinsische Motivation hingegen liegt vor, wenn man etwas macht, weil man sich davon einenVorteil verspricht oder um einen Nachteil zu vermeiden.Machen wir uns nichts vor, ein Selbststudium, wie es ein Fernstudium zu großen Teilen ist, ist nichteinfach zu managen. Neben den logistischen, zeitlichen und organisatorischen Dingen ist esbesonders schwierig, über die gesamte Dauer des Studiums möglichst konstant motiviert zu bleiben,nicht einzuknicken oder gar aufzugeben. Intrinsische Motivation wirkt sich hier am stärksten aus. Jestärker der eigene Wille etwas zu erreichen ausgeprägt ist, desto geringer ist die Gefahr, dass wir dasZiel aus den Augen, also die Motivation verlieren. Zusätzlich kann uns extrinsische Motivationhelfen. Je mehr Motivation uns von außen puscht, zum Beispiel durch gute Prüfungsleistungen,Anerkennung von Kollegen, Vorgesetzten und Freunden, desto mehr sind wir bereit dranzubleiben.Wenn die Motivation ausbleibt, oder: Wie motiviert man sich selber?6www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneWas aber ist, wenn die Motivation abflacht, sie vielleicht sogar dem Frust weicht, der Ehrgeizschwindet und sich Selbstzweifel breit machen?Dann gilt es mehr denn je zu verhindern, dass man in Lethargie verfällt und sich stattdessen selbstmotiviert. Hier muss nochmals erwähnt werden, wie wichtig die Rolle des Unterbewusstseins ist.Malen sie sich die Zeit nach erfolgreichem Studienabschluss aus. Sie werden dann endlich die ersehnte Beförderung antreten können,mehr Geld verdienen,mehr Anerkennung erhalten,sie können nun endlich den beruflichen Weg einschlagen, von dem sie so lange geträumthaben.die Abenden und Wochenenden, an denen sie bislang immer lernen müssen, stehen nunwieder fürFreizeit, Freunde und Familie zur Verfügung.Doch das allerwichtigste: Sie haben es sich selbst gezeigt! Sie haben sich bewiesen, dass sie eskönnen, wenn sie nur wollen, wenn sie nur dran bleiben. Dieses erhabene Gefühl von Stolz wirdihnen niemand nehmen können. Stellen sie sich bereits jetzt vor, wie es sich anfühlen wird, wenn sieerfolgreich bestanden haben, und das trotz aller Widrigkeiten, trotz der Doppelbelastung durch Jobund Studium. Sie haben Opfer gebracht in Form von Freizeit, Wochenenden und der aufgewandtenEnergie. Und nun werden sie dafür königlich entlohnt mit einem Gefühl von Stolz. Und das zurecht!TIPP: Bleiben sie motiviert. Wenn es sein muss, wenden sie bei sich selber Tricks an, um sich zumotivieren, wenn es gerade mal nicht so gut läuft.Vermeiden sie überzogene Erwartungen, indem sie selbstkritisch die Situation abwägen und sichrealistische Ziele setzen.4. Physische Voraussetzungen beim Lernen – Schaffen sieihre persönliche Lernumgebung„Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene.“ (Carl Hilty)a) Die LernumgebungUm die Zeit, die man zum Lernen aufbringt möglichst effizient zu nutzen, ist es wichtig, sich eineUmgebung zu schaffen, in der die Gefahr abgelenkt zu werden so gering wie möglich ist. Geradewenn man abends nach Feierabend lernen will, schiebt man die vielen kleinen Dinge, die es noch zuerledigen gibt, voran. Haushalt, Einkäufe, Telefon, Internet, das abendliche Fernsehprogramm,Freunde. Legen sie für sich fest, wann sie sich welcher Beschäftigung widmen und halten sie sichnach Möglichkeit daran. Wenn sie lernen, dann lernen sie, sonst nichts.Der geeignete Ort zum Lernen7www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneÜberlegen sie sich auch, wo sie wohl am ungestörtesten lernen können: Ist das Wohnzimmer wirklich der geeignete Ort?Haben sie die Möglichkeit, sich in ihrem Home-Office einzurichten, ohne permanent gestörtzu werden?Oder ist der Gang in die örtliche Bibliothek doch der lohnenswertere Weg?Lernpsychologisch sinnvoll ist es, immer denselben Ort zu wählen, sich diesen so herzurichten, dassman direkt starten kann ohne sich lange einzurichten und die Umgebung anzupassen, z.B. indemman das Handy ausschaltet, den WG-Mitbewohnern zu verstehen gibt, dass man in dieser Zeit nichtgestört werden will und andere Dinge.Die geeignete Zeit zum LernenGenauso wichtig wie der richtige Ort ist auch die richtige Zeit zum Lernen. Bekanntermaßen sind wiram Vormittag aufnahmefähiger und produktiver als am Nachmittag. Allgemein ist es abends oftschwer, die letzten vom Tag übrig gebliebenen Ressourcen aufs Lernen zu fokussieren. Doch gibt esauch genügend Menschen, die in der Lage sind, ganze Nächte produktiv durchzuarbeiten. Auch kannman sich an Ort und Zeit gewöhnen. Wenn man Routine in eine Handlung hineinbringt, dauert es inder Regeln oft nur wenige Wochen, bis man sich daran gewöhnt hat und regelrecht eine neueGewohnheit entstanden ist.Finden sie für sich heraus, welcher Orts- und Zeit-Lerntyp sie sind und versuchen sie ihreLerneinheiten daran anzupassen. Es macht wenig Sinn, jeden Abend spät zu lernen, wenn sie amnächsten Morgen nichts davon behalten haben. Die Zeit könnten sie dann anders besser nutzen.Beachten sie auch, dass Lernen nicht gleich Lernen ist und aus unterschiedlichen Tätigkeiten besteht.Sich ein komplett neues Gebiet zu erschließen braucht mehr Aufmerksamkeit und Kraft, als zurWiederholung noch mal einen Text zu lesen. Eine Übung zu absolvieren fordert mehr Energie als dennächsten Stapel Karteikarten durchzublättern.b) Äußere Faktoren – Stress und Druck vermeidenDamit es gar nicht erst soweit kommt, dass äußere Einflüsse wie Druck, Erwartungshaltungen usw.auf ihre Psyche einwirken, sollten sie möglichen Quellen früh entgegenwirken. Behalten sie die zurVerfügung stehende Zeit im Auge, um nicht unter Zeitdruck zu geraten. Wenn Kollegen, Vorgesetzte,Bekannte dazu neigen sie permanent zu fragen, wie es mit dem Studium läuft und sie das ebenfallsstresst, führen sie klare Regeln ein. Teilen sie höflich aber bestimmt mit, dass sie von sich aus zugegebener Zeit wissen lassen wie es läuft. Ihre Mitmenschen werden dafür sicherlich Verständnishaben.Aber auch von Seiten der Dozenten und Kommilitonen sollten sie sich nicht psychisch negativ unterDruck setzen lassen. Klären sie im Vorfeld die Anforderungen an eine Prüfung ab, um sichausreichend darauf vorbereiten zu können und nicht erst zwei Tage vorher beim Lehrendennachfragen. Insbesondere was Haus- und Ferienarbeiten und Projektarbeiten angeht, informieren siesich frühzeitig über alle Formanforderungen, holen sie sich rechtzeitig Feedback und klären sieFragen sobald sie entstehen. Dadurch verhindern sie, dass sie von Problemen, Fragen und anderen8www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneAnforderungen und Ungewissheiten überrollt werden und diese sich auf die Qualität ihrer Arbeitauswirken.c) Lernmaterial – Das ArbeitswerkzeugAbhängig von Hochschule, Studienfach und Dozenten gibt es heute ein riesiges Arsenal anInformationsquellen. Das klassische Lehrbuch deckt nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten ab. Immultimedialen Zeitalter werden Vorlesungen aufgezeichnet und sind im Internet jederzeit abrufbar.Hörbücher und Podcasts erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, weshalb das Angebot stetigzunimmt. Kommerzielle Repetitoren bieten privaten Nachhilfeunterricht an und Online-Kurse werdensowohl von Hochschul- als auch von zivilen Einrichtungen angeboten. Die bewehrten Karteikartenkann man zwar immer noch selber schreiben, oder mit einer App aufs Smartphone holen und nachgenerierten Zeitintervallen zur Wiederholung vorlegen lassen.Das Angebot ist nahezu unüberschaubar. Umso wichtiger, dass sie für sich frühzeitig herausfinden,welche Materialien und in welcher Form für sie am besten geeignet sind. Hier gilt die einfacheRegel: Probieren geht über Studieren. Das heißt: Schauen sie sich an, welche Möglichkeiten ihre Hochschule bietet und wie sie mit dendortigen Lernmaterialien und Zugangsquellen klarkommenNehmen sie sich die Zeit und suchen eine Bibliothek oder Buchhandlung auf und verschaffensie sich einen Überblick, welche Möglichkeiten es in gedruckter Form gibtLehrbücher sind oft umfangreich und gehen detailliert in die Tiefe eines ThemasSkripten hingegen sind kompakt und bieten sich daher für den Einstieg in ein Thema gut anIn manche Studiengänge gibt es auch Studienkommentare, die die Prüfungsschwerpunkte imBesonderen behandelnKlausuren zum Üben mit MusterantwortenFrage-Antwort-Bücher zum Abfragen und Überprüfen des gelernten WissensKarteikarten finden sich zu nahezu jedem Studiengang.Wiegen sie Vor- und Nachteile der einzelnen Utensilien und Literatur ab. Wählen sie auch zwischenZeit und Nutzen. So sind fertig bedruckte Karteikarten durchaus praktisch. Der Lerneffekt, die Kartenselber zu erstellen, ist jedoch ebenfalls von unsagbarem Vorteil. Denken sie auch an das oben bereitsErwähnte zu passivem und aktivem Lernen. Einem Hörbuch „lauschen“, spricht andere Kanäle an undhat andere Aussichten auf Erfolg, als selber Fragen zu verfassen, Skizzen anzulegen und Aufgaben zulösen. Finden sie die perfekte Mischung, die optimal auf ihren Lerntyp abgestimmt ist, so lernen sieeffizienter, also erfolgreicher bei gleichem Zeitaufwand.TIPP: Unterschätzen sie nicht, wie wichtig die richtige Lernumgebung ist. Lernen sie an einemruhigen Ort – möglichst immer am selben und zur selben Zeit.Vermeiden sie es, sich ablenken zu lassen.Investieren sie Zeit in eine gute Vorbereitung zum Lernen, indem sie sich mit sämtlichen zurVerfügung stehenden Materialien auseinander setzen und die für sie besten herausfinden.9www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und Erwachsene5. Lernmethoden – Lernen lernen„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“ (Laozi)Lernmethoden sind Hilfsmittel, dank derer man effizienter lernen kann. Die unterschiedlichenMethoden setzen unterschiedliche Eigenschaften des Anwenders (z.B. Vorwissen, Alter,Lernstoff/Fach etc.) voraus oder beziehen sich auf einzelne Teilbereiche des Lernens (z.B. Lernen mitKarteikarten, Wiederholen, Speed Reading etc.). Auch basieren sie oft auf unterschiedlichewissenschaftliche Aspekte, so genannte Gedächtnisprinzipien. Unser Gehirn funktioniert nach ganzbestimmten Prinzipien. Je besser man sich diese natürlichen Prinzipien zu Nutzen macht, destoeffizienter wird das Lernen. Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Methoden gleichwertig sind.Manche Methoden eignen sich für ein bestimmtes Fach oder einen bestimmten Lerntypen besser alsandere. Auch gibt es oft Variationen einiger Methoden. Entscheidend ist, dass sie alsselbstbestimmter, aktiver Projektleiter die für sich besten Methoden auswählen und kontinuierlichanwenden. Lernen lernen bedeutet auch, dass man sich anhand unterschiedlicher Lernstrategienaustestet, um zu erfahren, welche Methode einen weiter bringen wird.Wir stellen in diesem Kapitel die bekanntesten und – unserer Meinung nach – effizientestenMethoden vor, von denen wir überzeugt sind. Probieren sie sie aus und modifizieren sie sie nachihren Anforderungen.a) Mnemothechnik und Loci-MethodeDie Mnemothechnik wird oft der Verwendung von Eselsbrücken gleichgesetzt. Hierbei geht esdarum, mit Hilfe von Merksätzen, Reimen, Schemata oder Grafiken Merkhilfen zu kreieren.Beispiele:Um sich die Notennamen zu merken: Geh du alter Esel, Heu holen.Um sich die Reihenfolge der Planeten zu merken: Mein Vater erklärt mir jeden Samstag unserenNachthimmel.Hier sind es die Buchstaben des Alphabetes, die die Brücke zwischen Merksatz und zu lernendemStoff bildet. Genauso gut geht es auch mit Zahlen.Variation der Mnemotechnik, die Loci-Methode: Besonders effektiv wird es, wenn man sich zu einemSachverhalt ein Schaubild oder gar eine kurze Geschichte ausdenkt, in dem oder der die Eselsbrückedarin besteht, dass bestimmte Symbole, Zeichen oder Ereignisse im Kopf mit dem zu lernenden Stoffverknüpft werden.Nutzen und Anwendung: Diese Methode ist besonders hilfreich, wenn es darum geht, sich Stichworteund Reihenfolgen zu merken. Baut man die Methode auf Schaubilder und Kurzgeschichten aus,lassen sich sogar ganze Sachverhalte gut merken. Der Vorteil bei letztgenanntem ist, dass man sichbereits beim Ausdenken und Erstellen des Schaubildes oder der Geschichte, intensiv mit demLerninhalt auseinander setzt, was wie eine Wiederholung oder Vertiefung wirkt und so bereits denStoff im Gehirn verankert.10www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und ErwachseneKurz & Knapp:Brücke bauen Stoff auf der einen Seite, eine Abfolge auf der anderen, z.B.:a) Alphabetb) Zahlenfolgec) Geschehensablaufd) Kurzgeschichteb) SQ3R-MethodeDie SQ3R-Methode dient dem bestmöglichen Erfassen von einzelnen Texten sowie von ganzenBüchern. SQ3R ist die (in englischer Sprache abgekürzte) Reihenfolge, in der man tätig werden soll,um den geschriebenen Inhalt zu erfassen und zu verarbeiten:Survey Überblick. Zunächst soll man sich einen Gesamtüberblick über den Text, das Skript oder dasBuch verschaffen, indem man sich das Inhaltsverzeichnis anschaut, die Überschriften liest und sichden Aufbau und die Gliederung (Kapitel, Anhänge etc.) anschaut.Question Fragen. Nun soll der Bearbeiter selber Fragen erstellen zu dem zu bearbeitendenAbschnitt oder Kapitel. Das Formulieren von Fragen regt das Gehirn an, das bereits beim Formulierennach Antworten sucht. Es beginnt also bereits in diesem Schritt das selbständige aktive Arbeiten undDenken.Read Lesen. Im nächsten Schritt wird der zugrunde liegende Stoff abschnittweise so gelesen, dasser verstanden wird. Schwierige Passagen sollten dabei wiederholt gelesen werden. Sofern beimLesen Fragen entstehen, z.B. unklare Fremdwörter oder ähnliches, sollten diese sofort recherchiertund geklärt werden. Es bietet sich an bei diesem „Lese-Schritt“ mit farblichen Markierungen zuarbeiten, um Wichtiges hervorzuheben und ggf. bereits nach den im Vorschritt gestellten Fragen zuunterscheiden. Wichtige Kernaussagen, Zusammenhänge, Fachbegriffe oder Schlüsselworte solltenebenfalls durch Markierungen hervorgehoben werden, damit man sie später leichter wiederfindet.Recite Vortragen. Sobald man einen Abschnitt oder ein Kapitel gelesen und mit Markierungengearbeitet hat, sollte man das gerade Gelesene gedanklich wirken lassen, indem man für sichnochmal wiederholt, worum es ging, was die Kernaussagen waren und ggf. was das Ergebnis, dieLehre etc. des Kapitels war.Review Bewertung. Zum Schluss geht es darum, das gerade gelesene Kapitel/den Abschnitt auf diein Schritt zwei gestellten Fragen hin zu untersuchen. Idealerweise kann der Bearbeiter nun aus demKopf heraus, Antworten auf die von ihm formulierten Fragen geben. Hier macht es durchaus Sinn,auch die Antworten stichpunktartig aufzuschreiben. Das hat den Vorteil, dass man seine Gedankenwiederholt, sie verarbeitet und überdies am Ende ein eigenes kurzes Skript, eine kurze Inhaltsangabeoder gar Karteikarten-Material im Frage-Antwort-Stil entstehen.Nutzen und Anwendung: Zunächst erscheint diese Methode aufwendig, braucht es doch wesentlichmehr Zeit einen Abschnitt auf diese weise durchzuarbeiten als ihn einfach nur zu lesen. Durch die11www.fernstudieren.de kevin schroer

Effektives Lernen – So geht’s!Für Schüler, Studenten und Erwachseneeinzelnen Schritte jedoch, befasst sich der Bearbeiter gleich mehrmals und auf unterschiedlichenKanälen mit dem Stoff, so dass das Gelernte wesentlich tiefer im Gedächtnis haften bleibt.Kurz & Knapp:1. Überblick verschaffen2. Fragen formulieren3. Lesen Markieren4. Gedanklich den Inhalt vortragen5. Fragen beantwortenc) SpeedeeadingSpeedreading (Schnelllesen) ist genaugenommen keine eigene Lernmethode, es ist vielmehr einWerkzeug, das sie während ihres gesamten Studiums anwenden können. Hierbei geht es schlicht umZeitersparnis. Nehmen sie sich einen beliebigen Text vor. Der Großteil der in jedem Text enthaltenenWorte sind Füllworte und für das Verständnis der Kernaussagen überhaupt nicht von Belang. BeiBelletristik ist die Quote der Füllwörter natürlich höher als bei wissenschaftlichen Texten. Der Nutzender Speedreading-Methode ist jedoch stets derselbe.Natürlich liegen auch dem Speedreading grundlegende wissenschaftliche Aspekte des menschlichenKörpers zugrunde.Achten sie einmal darauf, wenn sie im Auto oder in der Bahn unterwegs sind. Ständig nehmen ihreAugen Texte wahr, Werbeslogan, Hinweisschilder, Informationen, un

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