Transcription

1Aus der Medizinischen Poliklinik des Klinikums Innenstadt derLudwig-Maximilians-Universität MünchenDirektor: Prof. Dr. med. Detlef SchlöndorffDer Einfluss von Bekleidung unter der Messmanschette aufdas Ergebnis der sphygmomanometrischen undoszillometrischen BlutdruckmessungDissertationzum Erwerb des Doktorgrades der Medizinan der Medizinischen Fakultät derLudwig-Maximilians-Universität zu Münchenvorgelegt vonMax Emanuel LieblausStarnberg2007

2Mit Genehmigung der Medizinischen Fakultätder Universität MünchenBerichterstatter:Prof. Dr. med. J. BognerMitberichterstatter:Prof. Dr. Dr. h.c. K. MeßmerPriv. Doz. Dr. M. WeisMitbetreuung durch denpromovierten Mitarbeiter:-Dekan:Prof. Dr. med. D. ReinhardtTag der mündlichen Prüfung:01.02.2007

3Inhaltsverzeichnis1Einleitung. 51.1Technik der Blutdruckmessung. 51.1.1 Historisches. 61.1.2 Funktionsprinzip der sphygmomanometrischenMessung . 71.1.3 Funktionsprinzip der oszillometrischen Messung. 91.1.4 Definition der Messgröße und Messgenauigkeit. 111.22Zielsetzung der Arbeit.12Material und Methoden.142.1Material.142.1.1 Probanden.142.1.2 Messgeräte.162.2Methoden.172.2.1 Versuchsaufbau.172.2.2 Verblindung .182.2.3 Statistische Methoden.213Ergebnisse.223.1Deskriptive Auswertung.223.1.1 Anamnestische Erhebungsmerkmale.223.1.2 Messdaten.2243.2Analysierende Statistik.263.3Subgruppenanalyse nach gemessenem Blutdruck.303.4Subgruppenanalyse nach Bekleidungsdicke.30Diskussion.344.1Publikationen zum Thema .344.2Diskussion der Methoden .394.2.1 Sphygmomanometrische Messung ambekleideten Arm .394.2.2 Oszillometrische Messung am bekleideten Arm.404.2.3 Relevanz der Subgruppenanalysen.41

44.3Bedeutung der Ergebnisse .425Zusammenfassung .446Abbildungsverzeichnis.467Tabellenverzeichnis 4Danksagung.55Lebenslauf.56

kungenSchlaganfall,Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit einschließlich des Myokardinfarktesund Niereninsuffizienz sind für etwa die Hälfte der Todesfälle in EuropeanSocietyofHypertension Working Group on Blood Pressure Monitoring 2003). Dabei istder Bluthochdruck einer der therapeutisch am besten lich1995).DieDefinitiondesBluthochdrucks, seiner Diagnostik und Therapie sind Gegenstand zahlloserPublikationen (August 2003; Guidelines Committee 2003; Haller et al. 2004;Prospective Studies Collaboration 2002).Die Messung des Blutdrucks ist nicht nur im Zusammenhang desBluthochdrucks von Relevanz. Da die Blutdruckmessung einen Vitalparameterbestimmt, stellt sie eine essentielle Handlung der ärztlichen Untersuchung dar.Ähnlich der Palpation des Radialispulses wird der Blutdruckmessung hörigenallermedizinischer Berufe wird sie zur alltäglichen Kontrolle der Kreislauffunktioneingesetzt. Unter Patienten sind automatische Blutdruckmessgeräte inzwischenweit verbreitet, und die ambulante Selbstmessung ist eine Säule derHochdruckdiagnostik geworden (Haller et al. sondereAufmerksamkeit. Erkenntnisse auf diesem Gebiet nützen Arzt und Patient.1.1Die Technik der r) und seit einigen Jahren in verstärktem Maße die automatische

6Oszillometrie eingesetzt. Weniger praktische Bedeutung besitzen die mittelslichtplethysmographischer Fingervolumenbestimmung (Brem et al. 2004;Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks e.V. 1997). ImFolgenden sollen die Funktionsweisen der Sphygmomanometrie und derOszillometrie nach einem Exkurs in die Geschichte der Blutdruckmessung kurzdargestellt werden. Anschließend wird auf die Definition der Messgröße unddie Genauigkeit der Messmethoden im Kontext der physiologischenVariabilität des Blutdrucks eingegangen.1.1.1 HistorischesAls historischer Vorläufer der Blutdruckmessung ist die Pulsmessunganzusehen. Aus der Zeit der Pharaonen in Ägypten und aus der Kaiserzeit inChina sind schriftliche Quellen über die Pulsmessung erhalten (Naqvi et al.1998). Im antiken Rom verfasste der aus Griechenland stammende ClaudiusGalenius, bekannt als Galen, zahlreiche Werke über die Messung des Pulsesund die Unterscheidung seiner verschiedenen Qualitäten (Galenius; Sternbachet al. 2001; Roguin 2006). Die Entdeckung des Kreislaufs durch Harvey imJahre 1628 und Fortschritte in der Erforschung von Anatomie und Physiologiedes Menschen ermöglichten schließlich die Entwicklung der Blutdruckmessung(O’Brien et al. 1991).Die erste bekannte Blutdruckmessung führte der britische PfarrerStephen Hales, der als einer der Begründer der modernen Physiologiebetrachtet wird, im 18. Jahrhundert an einem Pferd durch.1 Er beschreibt, eineGlasröhre in eine freipräparierte Arterie eines Pferdes eingeführt zu haben und1O’Brien et al. zitieren Stephen Hales’ Aufzeichnungen über die erste Blutdruckmessung:„having laid open the left crural artery about three inches from the belly, I inserted in to it abrass pipe whose bore was one sixth of an inch in diameter. I fixed a glass tube of nearly thesame diameter which was nine feet in length: then untying the ligature of the artery, the bloodrose in the tube 8 feet 3 inches perpendicular above the level of the left ventricle of the heart,but it did not attain to its full height at once; it rushed up about half way in an instant, andafterwards gradually each pulse, 12, 8, 6, 4, 2 and some time 1 inch: when it was at its fullheight, it would rise and fall after each pulse.“

7beobachtet nachfolgend den Anstieg der Blutsäule und ein pulssynchronesOszillieren auf einem Niveau über dem Herzen des Tieres (O’Brien et al.1991).Die intra-arterielle Messung des Blutdrucks wird bis heute durchgeführt,allerdings meist unter intensivmedizinischen Bedingungen. Sie ist als invasiveMethode nicht für alltägliche diagnostische Zwecke tauglich. Daher entwickelteEnde des 19. Jahrhunderts der italienische Kinderarzt Scipione Riva-Rocci eineindirekte, nicht-invasive Messmethode (Riva-Rocci 1896). Eine aufblasbareManschette komprimiert den Oberarm und somit die Arteria brachialis. DerDruck in der Manschette wird gesenkt und zeitgleich die Arterie palpiert. BeiPalpation des ersten Pulses entspricht der per Manometer gemesseneManschettendruck dem systolischen Blutdruckwert (Raftery 1991). Bis ätzendesKreislaufzustandes angewandt.Die Bedeutung der Entdeckung dieser nichtinvasiven Methode kannkaum hoch genug eingeschätzt werden. Anfang des 20. Jahrhunderts ergänzteder Russe Korotkoff die Untersuchung durch die Einführung der Auskultationder Arterie unterhalb der Manschette (Korotkoff 1905; Cunningham 2003).Dies ist bis heute die Standardmethode für die indirekte Blutdruckmessung(Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks e.V. 2001; Raftery1991).1.1.2 Funktionsprinzip der sphygmomanometrischen anometrieverstehen zu können, ist es von entscheidender Bedeutung, die Entstehung undÜbertragung des akustischen Signals beim Messvorgang zu kennen. Die durchStrömungsturbulenzen in der Arteria brachialis und Vibrationen desumliegenden Gewebes entstehenden Geräusche treten auf, wenn anschettederManschettendruck unter den systolischen Blutdruck sinkt. Von diesem

8Zeitpunkt an strömt zeitweise Blut durch die zuvor vollständig komprimierteArterie. Die Geräusche verstummen, wenn der Manschettendruck auch den inder Diastole herrschenden Druck nicht mehr übersteigt. Es werden keinehörbaren Geräusche mehr in die Ellenbeuge fortgeleitet (Raftery 1991).Über die Entstehung der Korotkoff-Geräusche existieren verschiedeneHypothesen. Die Entstehung der Geräusche durch Strömungsturbulenzen giltals wahrscheinlich. Alternativ werden Bewegungen der Arterienwand alsUrsache diskutiert, ebenso das Phänomen der Kavitation. Darunter verstehtman die Entstehung von Gasblasen bei plötzlichem Druckverlust im Gefäß undderen Platzen bei Druckanstieg (Korotkoff 1905; Cunningham 2003; Venet etal. 2000).Die Korotkoff-Geräusche werden in fünf Phasen eingeteilt, von denenPhase I (K1) dem Beginn der Geräusche entspricht. In diesem Momententspricht der gemessene Wert dem systolischen Blutdruckwert. In Phase II(K2) und III (K3) verändert sich der Geräuschcharakter zu einem längeren undweicher klingenderen, schließlich zu einem lauteren Ton. In der Phase IV (K4)werden die Geräusche leiser und dumpfer (englisch „muffling“ genannt) undverschwinden in Phase V (K5) schließlich ganz. Die Empfehlung für dieZuordnung des diastolischen Blutdrucks ist inzwischen einheitlich K5, demErlöschen des Geräusches. Für Schwangere und Patienten mit arteriovenösenFisteln oder Aorteninsuffizienz wird K4 empfohlen, falls K5 nicht auftritt, dieGeräusche also bis in sehr tiefe Messwertbereiche hörbar bleiben. (O’Sullivanet al. 2002; Pickering et al. 2005)Ein an die Manschette angeschlossenes Druckmessgerät (Manometer)zeigt die Druckveränderungen im Verlauf an. Die früher weit essenweitestgehendteurerdurchAneroidmanometer ersetzt. Aneroid leitet sich aus dem Griechischen ab undbedeutet „ohne Flüssigkeit“. Die aufblasbare Manschette steht in Verbindungmit einem pneumatischen System, das entsprechend der Druckänderung eineSpiralfeder bewegt. Diese bewegt den Zeiger der Messwerteskala, sodass ein

9korrekt geeichtes Gerät den Manschettendruck anzeigt. Abweichungen sind beigeeichten Sphygmomanometern gering, jedoch wird die Messgenauigkeit leichtdurch Erschütterungen beeinträchtigt (Raftery 1991).1.1.3 Funktionsprinzip der oszillometrischen MessungGrundlegend wurde das Prinzip der oszillometrischen ionnachKorotkofffürBlutdruckmessgeräte entdeckt (Naqvi et al. 1998; O’Brien et al. 1993). Docherst in jüngerer Zeit gelingt es mit Hilfe digitaler Technik, akkurat messendeund störungsarme Geräte herzustellen. Die Oszillometrie leitet sich von denSchwingungen (Oszillationen) ab, die bei aufgeblasener Armmanschette durchdie Pulsationen der komprimierten Arteria brachialis verursacht werden und ankungenverursachen. Schematisch besteht ein Oszillometer aus einer aufblasbarenManschette mit einem angeschlossenen pneumatischen System für diekontrollierte Inflation und Deflation. Ein integrierter Sensor nimmt dasMesssignal auf und gibt den Manschettendruck an eine Umwandler/VerstärkerEinheit weiter. Hier wird eine dem konstanten Manschettenbasisdruckentsprechende Basisspannung und eine den Manschettendruckoszillationenentsprechende Wechselspannung generiert. Aus diesen Informationen und ihrerVeränderung im Verlaufe der Messung berechnet die zentrale Recheneinheitden systolischen, den diastolischen und je nach Gerätetypus auch den mittlerenBlutdruckwert (Abb. 1).Während der kontinuierlichen Senkung des Manschettenbasisdrucksnimmt die Amplitude der Manschettendruckoszillationen plötzlich um einVielfaches zu. Der Druck zu diesem Zeitpunkt lässt sich dem systolischenBlutdruck zuordnen. Beim weiteren Absenken des Manschettendrucks steigtdie Amplitude der Oszillationen bis zu einem maximalen Wert weiter an undbeginnt dann wieder zu sinken. An einem Punkt, der dem diastolischen Druck

10Abbildung 1: Oszillometrisches Messprinzip (nach: Wonka, 1996)zu Abb.1:pa – arterieller Druck. pm – Manschettendruck. pmb – Manschettenbasisdruckdpm – Manschettenwechseldruck (Manschettendruckoszillationen)ub – Basisspannung. du – WechselspannungPsys,dia,m – Ausgabe: errechnete Blutdruckwerte

11zugeordnet wird, kommt es zu einem abrupten Abfall der Amplitude. (Raftery1991; Wonka 1996)1.1.4 Definition der Messgröße und MessgenauigkeitDie beschriebenen Verfahren zur Blutdruckmessung orientieren sich chtungderBlutdruckmessung vom physiologischen Standpunkt aus ergibt als zu messendeGröße die laterale Kraft auf die Gefäßwand in dem Moment, in dem der linkeVentrikel ein Blutvolumen gegen das gefüllte Gefäßsystem pumpt. Durchindirekte Blutdruckmessung kann die Messgröße nur näherungsweise igtwerdenmüssen.Interindividuell verschiedene Einflussfaktoren für die Messung mit derOberarmmanschette sind unter Anderem der Armdurchmesser, pathologischeVeränderungen der Gefäße wie durch Atherosklerose (Pseudohypertension, d.h.falsch hoch gemessene Blutdruckwerte bei Steifheit der Arterienwand) oder dieZusammensetzung und Dichte des Armgewebes (Belmin et al. 1995;Guidelines Committe 2003; Messerli et al. 1985; Raftery 1991). Man kanndeshalb auf indirektem Wege selten genau die intraarteriell messbarenVergleichswerte erreichen.Jedoch misst auch eine intraarterielle Messung nicht exakt diegewünschte Messgröße, da hier nicht die laterale Kraft, sondern der im Gefäßvorwärts gerichtete Druckpuls gegen eine in die Arterie eingebrachteWassersäule gemessen wird. Dennoch ist die intraarterielle Messung genauerals die indirekten Methoden und deshalb am ehesten dazu geeignet, diegewünschte Messgröße zu bestimmen (Raftery 1991).Der Blutdruck unterliegt zudem einer allgemeinen physiologischenVariabilität. Somit ist eine exakte Reproduzierbarkeit von Messwerten nichtmöglich. Ursache ist die von Puls zu Puls regulierte Herzaktion und dieVeränderlichkeit des Widerstands im Gefäßsystems (Raftery 1991; Wonka1996).

ochdruckdiagnostik oder bei stationären Patienten zur längerfristigenKreislaufkontrolle durchgeführt, so ist ein einzelner Wert nicht als diagnostischoder therapeutisch relevant einzustufen. Die Leitlinien der DeutschenHochdruckliga geben drei Säulen für Diagnostik und Therapiekontrolle derarteriellen Hypertonie vor: die an verschiedenen Tagen wiederholtenGelegenheitsmessungen durch den Arzt, regelmäßige Selbstmessung sowieambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung (Deutsche Liga zur Bekämpfung deshohen Blutdrucks e.V. 2001).Für Blutdruckmessungen im Rahmen von Studien ergeben sich spezielleAnforderungen an das Studiendesign, um den Einfluss der genannten Faktorenauf die Messgenauigkeit zu eliminieren oder möglichst gering zu halten(Pickering et al. 2005).1.2Zielsetzung der ArbeitBezüglich der Messtechnik gilt als Standard, die Oberarmmanschette desBlutdruckmessgerätes am unbekleideten Arm des Patienten anzulegen(Guidelines Committee 2003; Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohenBlutdrucks e.V. 2001; Reeves 1995). In der Praxis tritt jedoch häufig der Fallauf, dass der Blutdruck eines Patienten über der Kleidung gemessen werdenmuss, sei es im Notfall zur schnellen Kontrolle der Kreislaufstabilität, sei esunter Zeitdruck bei enger Bekleidung des Patienten, die ein „Hochkrempeln“des Ärmels erschwert oder verhindert. Auch religiöse Vorschriften, die eineVerhüllung des Armes vorschreiben, können ein Hindernis sein. HygienischeGründe oder Effizienz und Zeitersparnis könnten den Untersucher dazu zubewegen, auch ohne zwingende Notwendigkeit die Blutdruckmanschette überder Kleidung anzulegen. Dies geschieht jedoch ohne genauere Kenntnis desEinflusses, den die Bekleidung auf die Blutdruckmessung hat. Dass zu diesemThema bislang nur sehr wenig publiziert wurde, trägt zu Unsicherheit undgegensätzlichen Überzeugungen bei.

13Blutdruckmessungen am bekleideten Arm durchzuführen erscheinteinerseits in vielerlei Hinsicht effizienter. Ein relevanter Einfluss der Kleidungauf den Messwert würde andererseits die Qualität der Blutdruckmessungbeeinträchtigen. Ziel dieser Arbeit ist die vergleichende Beurteilung vonsphygmomanometrischen und oszillometrischen Blutdruckmessungen mit undohne Bekleidung unter der Messmanschette an einer gemischt hypertensivenund normotensiven Stichprobe.

142Material und Methoden2.1Material2.1.1 ProbandenEs wurden Messungen an 201 Probanden durchgeführt. Diese warenPatienten, Besucher und Personal der Station Med. IV der MedizinischenPoliklinik Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München sowieStudenten der Vorlesung „Medizinische Propädeutik“ im Sommersemester2003. Anamnestisch erhoben wurden persönliche Daten wie Name, Vorname,Geburtsdatum, Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht. Zudem wurden dieProbanden nach eingenommenen Medikamenten befragt, gesondert nacheventueller blutdrucksenkender Medikation (s. Abb.2).Einschlußkriterien waren:o das Alter der Probanden: über 16 Jahre,o Einverständniserklärung (informed consent): Inhalt und Ziel der Studiewurden erklärt, die Einwilligung in die Blutdruckmessungen eingeholt.Name und Vorname mussten nicht zwingend angegeben werden.Ausschlußkriterien waren:o eine bestehende Herzrhythmusstörung, da bei Arrhythmien dasoszillometrische Messgerät Fehlermeldungen produziert (Bosch undSohn GmbH u. Co.). Besonders bei Bradyarrhythmien ist auch in derSphygmomanometrie nur ein ungenauer Messwert zu erheben.o Einnahme von Mahlzeiten (Jansen et al. 1995), von koffeinhaltigenGetränken und Zigarettenrauchen (Frohlich 1995) vor den Messungen.o ein zu großer oder zu kleiner Armumfang für die verwendeteStandardmanschette (Bosch und Sohn GmbH u. Co.).

15Abbildung 2: ErhebungsmerkmaleDatenblattLfd. Nr. Untersuchungsdatum: . .2003Name: Vorname:Geb.-Datum: . . Alter: Geschlecht:Gewicht: kg Größe: cmHypertonie bekannt?O jaO neinMedikationO DiuretikumO ß-BlockerO Ca-AntagonistO ACE-HemmerO AT-Rez.-BlockerO AndereWelche ?Dicke SL: mm (1/2 der doppelten Dicke)RR (osz)SYS1. MessungO SL O NOSL2. MessungO SL O NOSLDIASRR (sphyg)1. MessungO SL O NOSL2. MessungO SL O NOSLOmOw

16Die Stichprobengröße wurde auf der Basis einer angestrebtenTestdifferenz von 4 mm Hg und einer möglichen Standardabweichung vonsystolisch maximal 20 mm Hg mit n 198 berechnet (Power Calculator, URL).2.1.2 MessgeräteFür die Messungen wurden zwei Blutdruckmessgeräte unterschiedlichenTyps verwendet. Ein geeichtes, konventionelles Aneroid-Sphygmomanometer(„ERKA Profi“, Kallmeyer Medizintechnik, Bad Tölz, s. Abb. 4) diente zurMessung nach der auskultatorischen Methode. Die Korotkoff-Geräuschewurden mit einem „MPP Economy“ Doppelschlauchstethoskop auskultiert.Die oszillometrischen Messungen wurden mit dem automatischen Gerät„boso-medicus prestige“ (Bosch und Sohn, Jungingen, s. Abb. 3) durchgeführt,das mit dem Qualitätssiegel für Messgenauigkeit der Deutschen Hochdruckligaausgezeichnet ist. Dieses Siegel wird nach den von der DeutschenHochdruckliga entwickelten Standards vergeben, die auf den folgendennationalen und internationalen Standards und Normen basieren (Deutsche Ligazur Bekämpfung des hohen Blutdrucks e.V. 2001; Tholl et al. 2004): KlinischerTest nach DIN 58130/EN 1060 (Bosch und Sohn GmbH u. Co.); AmericanNational Standard der AAMI (US Association for the Advancement of MedicalInstrumentation 1993); British Hypertension Society (BHS) protocol for theevaluation of blood pressure measuring devices (O’Brien et al. 2001; O’Brienet al. 2000; O’Brien et al. 1993). Die maximale Abweichung wird mit 3 mm Hgangegeben (Bosch und Sohn GmbH u. Co.). Die Dicke der Kleidung wurde miteiner Schieblehre bestimmt.

172.2MethodenDer Entwurf des Studiendesigns geschah in Zusammenarbeit mit HerrnProf. Dr. Heinrich Holzgreve und Herrn Dr. Alexander Crispin, MPH. HerrProf. Dr. Holzgreve gestaltete den Versuchsaufbau insbesondere hinsichtlichder Verblindung mit und begleitete die Auswertung bis zur Publikation undPräsentation der Ergebnisse. Herr Dr. Crispin begleitete die Studie alsstatistischer Berater.2.2.1 VersuchsaufbauUm den Einfluss von Bekleidung auf die Blutdruckmessung bestimmenzu können, mussten Messungen in bekleidetem und unbekleidetem Zustand durchzweiMesspersonen. Zunächst wurde sichergestellt, dass der Proband ruhig und mitauf dem Tisch abgestützten Armen Platz nahm, um einen Einfluss derKörperhaltung zu minimieren (Netea et al. 2003; Reeves 1995). DerBekleidungszustand wurde für jede Messung zugelost (Randomisierung), umeinen Einfluss der Reihenfolge auf die Messergebnisse auszuschließen. Danachwurde die Entkleidung des Arms oder der Arme durchgeführt. Die Manschettedes oszillometrischen Gerätes wurde am rechten Arm angelegt (Abb. 3), dieManschette des Sphygmomanometers und das Stethoskop am linken Arm(Abb. 4).Bei der bekleideten sphygmomanometrischen Messung wurde dieMembran des Stethoskops ebenso wie die Manschette über der Kleidungangebracht (Kantola et al. 2005). Aus Gründen der Verblindung geschah glicherBlutdruckdifferenzen zwischen rechtem und linkem Arm (Lane et al. rundSphygmomanometer angestrebt, die Messungen wurden jedoch gleichzeitig

18durchgeführt, um mögliche Artefakte zu erkennen. Abbildung 5 zeigt dieVersuchsanordnung mit Messung in bekleidetem Zustand an beiden Armen.Nach der ersten Messung wurden die Daten der Probanden erhoben, umVerfälschungen der Ergebnisse durch eine zu schnelle Abfolge der Messungenzu verhindern. Nach der Anamnese wurde die zweite Messung im umgekehrtenBekleidungszustand durchgeführt. Anschließend wurde die Kleidungsdicke mitHilfe einer Schieblehre am Oberarm gemessen. Die sphygmomanometrischenMessungen wurden bei allen 201 Probanden von derselben Personvorgenommen. Dies ist bedeutsam, da die Intertester-Reliabilität insbesonderewegen unterschiedlicher Vorlieben bei der Bestimmung des diastolischenBlutdrucks gering ist (Reeves 1995).2.2.2 VerblindungDie Verblindung war wegen der Benutzung eines automatischenoszillometrischen Gerätes nur bei der Sphygmomanometrie notwendig. DerBediener des Aneroid-Manometers wurde vom Probanden durch ein auf einenRahmen gespanntes Tuch getrennt. Die Schläuche von Blutdruckmessgerät undStethoskop wurden durch einen Schlitz im Tuch auf die Seite des Probandengeführt, wie in Abbildung 6 zu sehen.Das Anbringen von Manschette und Stethoskop wurde durch denBediener des automatischen Gerätes vorgenommen. Dieser signalisierte stilldem Probanden, wann er Arm oder Arme zu entkleiden hatte. Dadurch konntedie Verblindung des Bedieners des Sphygmomanometers gegen denBekleidungszustand des Probanden und das oszillometrische Messergebnisgewährleistet werden.

19Abbildung 3: OszillometrischeMessung über dem ÄrmelAbbildung 4:Sphygmomanometrische Messungüber dem Ärmel

20Abbildung 5: VersuchsanordnungAbbildung 6: Verblindung

212.2.3 Statistische lenadäquaterMaßzahlen deskriptiv ausgewertet. Eine interferenzstatistische Untersuchungder Abweichungen zwischen Messungen am bekleideten und unbekleidetenArm erfolgte anhand von 95%- und 90%-Konfidenzintervallen für die renzendes90%-Konfidenzintervalls wurden zu den Grenzen eines a priori definiertenÄquivalenzbereichs von 4 mm Hg in Beziehung gesetzt. Dies entspricht derDurchführung eines zweiseitigen Äquivalenztests auf einem -Niveau von 5%.Durch die Methode nach Bland und Altman wurde die Konkordanz der beidenMessreihen auf eine Tendenz zur Über- oder Unterbefundung sowieinsbesondere auf einen in Abhängigkeit von der Höhe der Messwerteentstehenden proportionalen Fehler beurteilt (Bland et al. 1986; Bland et al.1999).Die statistischen Analysen wie auch die Graphiken wurden mit Hilfe desProgramms SPSS Version 11.5 (SPSS Inc., Chicago, Illinois, USA) erstellt.

223Ergebnisse3.1Deskriptive Auswertung3.1.1 Anamnestische ErhebungsmerkmaleDie in der Befragung der Probanden erhobenen Daten über Alter,Geschlecht, Gewicht, Größe, bestehender Hypertonie und Medikationcharakterisieren das Probandengut wie in Tabelle 1 dargestellt. DieAltersverteilung stellt Abbildung 7 genauer dar. Aus Gewicht und Größe wurdeder Körpermasseindex (Body Mass Index, BMI) berechnet. 11 Probandenhatten einen BMI über 30, bei 6 von diesen ließ sich ein Blutdruckwert vonSYS 140 mm Hg und/oder DIA 90 mm Hg messen. Von den 201Probanden gaben 47 an, an einer ärztlich diagnostizierten arteriellen Hypertoniezu leiden. Von diesen gaben 7 an, keine blutdrucksenkenden Medikamenteeinzunehmen. Abbildung 8 verdeutlicht, dass die bekannten Hypertoniker vorallem in der Alterklasse über 50 Jahre anzufinden waren.3.1.2 MessdatenDie Messdaten wurden in vier Kategorien ausgewertet. Dabei wurdenjeweils die Messungen am bekleideten (SL: sleeved measurement) undunbekleideten (NOSL: non-sleeved measurement) Arm verglichen:SPH SYS – Sphygmomanometer SystolenSPH DIA – Sphygmomanometer DiastolenOSC SYS – Oszillometer SystolenOSC DIA – Oszillometer DiastolenAbbildung 9 stellt jeweils die SL und NOSL Messungen dieser Kategoriengegenüber.

23Tabelle 1: Charakteristika der Probandenn 201Alter – MW ( SD;SP)45.5 ( 23.7;16-92)Geschlecht – weiblich49.8%.BMI – MW (SP)23.4 (17-36)Diagnose „arterielle Hypertonie“47 (23.4%)ambulantstationärca. 70%ca. 30%MW – MittelwertSD – StandardabweichungSP – SpannweiteBMI – Body Mass Index (Körpermasseindex)Abbildung 7: 2595467637771878292

24Abbildung 8: Hypertonie in Abhängigkeit vom Alter20VorbestehendeHypertonie bekanntneinja1510Anzahl5016 24 30 39 47 57 63 69 77 84 9221 27 33 43 53 60 66 72 81 88Alter

25Abbildung 9: Alle Messungen im Vergleichzu Abb. 9:SPH – Sphygmomanometer. OSC – Oszillometer. SBP – Systolischer Blutdruck.DBP – Diastolischer Blutdruck. SL – Bekleideter Arm. NOSL – Unbekleideter Arm.Boxplots: Balken in Box Median. Box Quartile. Oberer Whisker höchster Wert(nicht Ausreißer). Unterer Whisker niedrigster Wert (nicht Ausreißer).Kreis Ausreißer (Entfernung zu Median eineinhalbfacher bis dreifacherInterquartilabstand). Stern Extremwert (Entfernung zum Median min. dreifacherInterquartilabstand)

26In jeder der vier Kategorien korrelierten die Messungen in hohem Maße.Die Korrelationskoeffizienten nach Pearson lagen zwischen 0.79 in SPH DIAund 0.90 in SPH SYS (0.89 in OSC SYS; 0.81 in OSC DIA). Die Korrelationenwaren sämtlich auf einem Niveau von 0.01 (zweiseitig) signifikant.Die Differenzen innerhalb jeder Kategorie zeigten sich annäherndnormalverteilt. Die Werteverteilung lässt sich durch die Standardabweichungenspezifizieren: sie betrugen 8.6 mm Hg in SPH SYS, 6.3 mm Hg in SPH DIA,9.3 mm Hg in OSC SYS und 6.5 mm Hg in OSC DIA.Die mittleren Differenzen zwischen SL und NOSL Messungen sind inTabelle 2 dargestellt, die dazugehörigen 95%-Vertrauensbereiche in Tabelle 3.Weder in SPH noch in OSC konnten signifikante Unterschiede festgestelltwerden.Die Messungen der Kategorie SL wurden über Ärmeln aus Baumwolle,Synthetikgewebe und dünner Wolle unter 2 mm durchgeführt. HandelsüblicheHemden sind für gewöhnlich nicht dicker als 1 mm. 77.1% der Ärmel hatteneine Dicke von unter 1 mm.3.2Analysierende StatistikZur Analyse der erhobenen Daten wurden die 90%-Vertrauensbereichefür die mittleren Differenzen berechnet und mit einem a priori definiertenÄquivalenzintervall von 4 mm Hg verglichen. Dies entspricht einemzweiseitigen Äquivalenztest mit einem -Niveau von 0.05. Die berechnetenIntervalle erfüllen sämtlich die Grenzen des Äquivalenzintervalls, wie inTabelle 4 ersichtlich ist. Es besteht somit kein signifikanter Unterschiedzwischen den Blutdruckmessungen am bekleideten und unbekleideten Arm.Um diese Ergebnisse noch genauer zu beschreiben, wurde untersucht,wie sich die mittleren Differenzen in Abhängigkeit vom Messniveau ver

Der Blutdruck unterliegt zudem einer allgemeinen physiologischen Variabilität. Somit ist eine exakte Reproduzierbarkeit von Messwerten nicht möglich. Ursache ist die von Puls zu Puls regulierte