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Die richtige Ernährungbei RheumaRheumatische ErkrankungenInformationen und Tipps für den Alltag

Rheumatische Erkrankungen

Die richtige Ernährungbei RheumaInformationen und Tipps für den Alltag

HerausgeberDeutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.Maximilianstr. 14, 53111 BonnAutorProf. Dr. med. Gernot KeyßerRedaktion und ProjektabwicklungAnnette Schiffer, Sabine NeumannFachliche BeratungChristel Kalesse †ProjektabwicklungSabine NeumannGestaltungKonzeptQuartier GmbH, FürthDruckDruckerei EngelhardtÜberarbeitete Auflage –30.000 Exemplare, 2018Drucknummer A25/BV/11/18Bild- und RezeptnachweisiStock: baloon111, ChesiireCat, dolgachov, eyewave, gpointstudio,kajakiki, kazmulka, Lisovskaya, losinstantes, martinedoucet,mphillips007, piotr malczyk, shironosov, stock colors, svariophoto,vgajic, YinYang, zeleno, Zinkevychadobe.stock.com: timolinaKirsten Kofahl, becel, Hamburg; Informationsgemeinschaft Olivenöl,München; Kellogg’s, Frankfurt am Main; Köllnflockenwerke, Elmshorn;Maggi Kochstudio, Frankfurt am Main; Nordmilch, Bremen; fotoliaMit freundlicher Unterstützung derBei allen Bezeichnungen, die sich auf Personen beziehen, haben wir aus Gründen der leichteren Lesbarkeit die männliche Form gewählt. Mit der gewählten Formulierung sprechen wir aber ausdrücklich alleGeschlechter an.

Liebe Leserinnen und Leser,„Ernährung“, dieses Wort gehört zu den beliebten Suchbegriffen auf Google.Tendenz steigend. Das hohe Interesse der Menschen an diesem Themabefriedigt das Fernsehen mit unzählige Kochformaten, die Industrie liefert Nahrungsergänzungsmittel dazu und die Marketingabteilungen derLebensmittelhersteller erfinden das Wort „Superfood“. So wird die Ernährung Schritt für Schritt zum Heilsbringer für ein langes Leben gemacht.Und nicht nur Menschen mit Übergewicht sondern auch Schmerzpatienten, die unter Entzündungsschüben leiden, greifen verständlicherweisegern nach jedem Strohhalm, der helfen kann. Auch wenn am Ende oft nurdas Portemonnaie erleichtert wird und nicht der schmerzgeplagte Körper.Wir fragen uns: Kann eine Ernährungsumstellung die Rheumaerkrankungbeeinflussen? Die Antwort ist: Die richtige Ernährung ist eine wichtige Ergänzung der medikamentösen Therapie rheumatischer Erkrankungen.Auch die mit rheumatischen Leiden einhergehenden Begleiterkrankungen lassen sich durch Ernährungstherapie positiv beeinflussen. Woraufzu achten ist und welche Empfehlungen wissenschaftlich gesichert sind,erfährt man in der vorliegenden komplett überarbeiteten Broschüre, dieder renommierte Autor Prof. Dr. Gernot Keyßer für die Rheuma-Liga verfasst hat.Die Lektüre dient als erste Orientierung. Bei Lebensmittelunverträglichkeiten, starkem Über- oder Untergewicht, Osteoporose oder Osteoporosegefährdung durch langjährige Kortisoneinnahme ist es wichtig, dieindividuelle Beratung durch erfahrene Ernährungsberater zu nutzen.Spezielle Informationen werden auch zum Beispiel während eines RehaAufenthaltes angeboten. Ebenso lohnt eine Nachfrage bei der örtlichenRheuma-Liga oder beim Rheumatologen.Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, dass sie viele neue Anregungen für ihren eigenen Speiseplan entdecken. Guten Appetit!IhreRotraut Schmale-GredePräsidentin der Deutschen Rheuma-LigaBundesverband e. V.Die richtige Ernährung bei Rheuma5

6Die richtige Ernährung bei Rheuma

Vorwort51Kann man durch gute Ernährung einer rheumatischen Erkrankung vorbeugen?81.11.21.31.4Rheuma ist nicht gleich Rheuma – und Diät nicht gleich Diät!Möglichkeiten und Grenzen der DiätGicht-Arthritis – ein Sonderfall in der RheumatologieOsteoporose – ein Kapitel für sich91112142Kann ich meine rheumatische Erkrankung durchErnährungsumstellung günstig beeinflussen?162.22.32.42.52.6Gibt es Ernährungs- oder Lebensweisen, die das Risikofür eine rheumatische Erkrankung erhöhen?Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte – leichter gesagt als getanGibt es Nahrungsmittel mit antirheumatischer Wirkung?Welche Nahrungsmittel schaden dem Körper?Fasten – pro und contraDie Spätfolgen rheumatischer Erkrankungen – so beugen Sie vor1718182021223Rheuma zehrt an der Substanz – Wie gleiche ich den Mangel aus?243.13.23.33.43.5Nahrungsergänzungsstoffe – die Qual der WahlVitaminpräparateMineralstoffeEiweiß- und KnorpelschutzpräparateProbiotika25262728284Genuss ohne Reue – Rezepte für den Alltag mit Rheuma305Tipps zum Shoppen und Kochen425.15.25.3Beim EinkaufenIn der KücheWenn Gäste kommen434446Im Einsatz für rheumakranke Menschen48Anschriften der Deutschen Rheuma-Liga50Informationsmaterial der Deutschen Rheuma-Liga522.1Die richtige Ernährung bei Rheuma7

1 Kann man durch gute Ernährungeiner rheumatischen Erkrankungvorbeugen?8Die richtige Ernährung bei Rheuma

1.1 Rheuma ist nicht gleich Rheuma –und Diät nicht gleich Diät!Die Begriffe „Rheumatismus“ und „Diät“ stammen bei de aus der Medizin des alten Griechenlands. „Rheumatismus“ bedeutet so viel wie „das Fließende“, alsoeinen Schmerz, der durch „verdorbene Körpersäfte”in die Gelenke, die Muskulatur oder die Wirbelsäule„fließt”. In der modernen Medizin spricht man stattdessen von einem „rheumatischen Formenkreis”, zu demeine große Zahl verschiedener Krankheitsbilder gezählt wird. Diese Erkrankungen gehen fast immer mitSchmerzen in Gelenken, Wirbelsäule oder Weichteileneinher.Krankheiten des rheumatischen Formenkreises lassensich in zwei große Gebiete einteilen: Die nicht-entzünd lichen Krankheitsbilder, die vor allem durch Abnutzungentstehen. Ursache sind die natürlichen Alterungsvorgänge, aber auch Überlastungen durch Übergewichtoder Schäden durch Unfälle. Abnutzungserscheinungen am Gelenk werden Arthrosen genannt, bei Veränderungen an der Wirbelsäule spricht man z. B. vonSpondylose. Ein weiteres wichtiges Leiden aus dieserGruppe ist die Osteoporose, bei der es zum allmähli chen Verlust von Knochenmasse und zu vermehrterKnochenbrüchigkeit kommt.Entzündlich-rheumatischen Erkrankungen liegt dagegen eine krankhaft gesteigerte Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems zugrunde. Diese kannentweder auf den Bewegungsapparat beschränkt sein –wie bei einer Gelenkentzündung (Arthritis) – oder sichim gesamten Körper ausbreiten. Das Spektrum dieserGruppe umfasst neben relativ harmlosen eine Reihevon lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die häufigsteentzündlich-rheumatische Erkrankung ist das „Gelenkrheuma“, früher chronische Polyarthritis, heute rheumatoide Arthritis genannt. Bei dieser Erkrankung füh ren schmerzhafte Gelenkschwellungen zur Zerstörungvon Gelenkknorpel und -knochen. Spondyloarthritiden,wie die Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) sind Entzündungen, welche bevorzugt dieWirbelsäule, gelegentlich auch die Gelenke befallenkönnen.Die richtige Ernährung bei RheumaDie meisten rheumatischen Leiden sind chronisch, d. h.sie begleiten die Betroffenen ein Leben lang. Eine Sonderstellung innerhalb der rheumatischen Krankheitsbilder nimmt die Gelenkentzündung bei Gicht ein. Hierhandelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, die –eine Ausnahme in der Rheumatologie – durch geeignete Maßnahmen im Frühstadium heilbar ist.Da in späteren Jahrhunderten zwischen Gicht und anderen rheumatischen Erkrankungen nicht unterschieden wurde, standen Diätvorschriften lange Zeit imMittelpunkt der Behandlung rheumatischer Krankheiten. Schon die Ärzte des alten Griechenlands wussten,dass die Gicht-Arthritis durch übermäßigen Genussvon Fleisch und Alkohol ausgelöst werden konnte (sie- he Seite 12).Diät heißt LebensweiseDer griechische Begriff „Diät“ bedeutet „Lebensweise“und schließt daher nicht, wie heute oft angenommen,lediglich Ernährungsfragen ein. Auch die Art, wie wiruns bewegen, wie wir schlafen oder wie wir mit Genussmitteln wie Nikotin und Alkohol umgehen, gehörtin die Planung einer „Diät“.Der Trend zu natürlichen Heilverfahren und der Wunschvieler Patienten, einen eigenen Beitrag zur Eindämmung ihrer Krankheit zu leisten, hat in der Rheumatologie das Interesse an möglichen therapeutischenWirkungen der Ernährungsweise geweckt. Außerdemhat gerade in den letzten Jahren die Mikrobiom-Forschung dazu beigetragen, gezielt nach Zusammenhän gen zwischen Ernährung und chronischer Krankheitzu suchen. Als Mikrobiom wird die Gesamtheit der imund am Körper lebenden Mikroorganismen be zeichnet.Vor allem der Darm enthält große Mengen von Darm bakterien und Pilzen, die einerseits zahlreiche nützliche, sogar lebensnotwendige Funktionen ausüben,andererseits möglicherweise zur Krankheitsentstehung beitragen können. Da sich Menschen mit unterschiedlicher Ernährungsweise auch im Mikrobiom9

voneinander unterscheiden, wird zurzeit intensiv erforscht, ob Störungen des Mikrobioms rheumatischeErkrankungen unterhalten oder gar auslösen können.Möglicherweise werden daher Fragen der Ernährungbei Rheumakranken künftig eine stärkere Bedeutungerlangen.lung, dass mit der Einhaltung bestimmter Essgewohnheiten eine Stärkung der Abwehrkräfte und eine „Reinigung“ von krankheitsverursachenden Umweltgiftenverbunden sei. Nichteinhaltung der Ernährungsvorschriften sei dagegen Ursache einer Vielzahl chronischer Erkrankungen.Viele Menschen in unserem Alltag bekennen sich zuErnährungslehren, die auf bestimmten, oft philosophisch geprägten Vorstellungen vom Charakter unserer Nahrung und der Art ihrer Zubereitung beruhen.Neben dem seit Jahrzehnten ausgeübten Vegetarismus (Verzicht auf Fleisch und Fisch) und seiner extremeren Variante, der veganen Ernährung (Verzicht aufalle tierischen Produkte) haben in den letzten JahrenKostformen wie die Paläo-Diät (angelehnt an die Ernährung von Steinzeitmenschen), Vollwertkost oderTrennkost die Aufmerksamkeit der Medien auf sichgezogen. Ihre Verfechter vertreten häufig die Vorstel-Diese Auffassungen sind in der Regel nicht experimentell bewiesen. Auf der anderen Seite sprechen sowohlTierexperimente als auch Untersuchungen an Patien ten dafür, dass Nahrungsmittel den Verlauf einerrheumatischen Erkrankung beeinflussen könnten. Vorallem Fettverbindungen können entzündungshem mende oder entzündungsfördernde Wirkungen entfalten – dies wird im Folgenden weiter ausgeführt. Esexistieren somit auch wissenschaftlich überprüfbareAnsatzpunkte für eine Ernährungsbehandlung in derRheumatologie.10Die richtige Ernährung bei Rheuma

1.2 Möglichkeiten und Grenzen der DiätUm es gleich vorweg zu nehmen: Keine noch so durch dachte Ernährungsweise kann die medikamentöseoder chirurgische Behandlung rheumatischer Erkrankungen ersetzen. Es ist grundsätzlich falsch, schulund alternativmedizinische Verfahren im Sinne eines„Entweder – Oder“ gegeneinander auszuspielen.Diätverfahren sind ein Element in der Rheumatherapie, und ihre Bedeutung sollte weder über- noch unterschätzt werden. Eine Umstellung der Ernährungkann bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungendie Wirkung von Medikamenten und Operationen prinzipiell unterstützen. Richtig angewendet, können dasLebensgefühl verbessert, Gelenkschmerzen gelindertund der Verbrauch von Schmerzmedikamenten reduziert werden.Außerdem sind viele Ernährungsformen, die bei rheu matischen Erkrankungen empfohlen werden, auch fürdie Vermeidung anderer Gesundheitsgefahren wichtig.Dazu gehören vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen(siehe Kapitel 2.6). Manche der in diesem Heft vorge stellten Ernährungsweisen sind der Küche des Mittelmeerraumes entlehnt. Wer die Vorzüge der italienisch en oder griechischen Küche zu schätzen weiß, erkenntbald, dass man als Rheumatiker/Rheumatikerin auchFreude an gesunder Nahrung und ihren Zubereitungsformen haben kann.Einige Krankheitsbilder des rheumatischen Formenkreises sprechen besonders gut auf eine Diät an: Arthrosender „Last tragenden“ Gelenke, vor allem der Knie ge-Die richtige Ernährung bei Rheumalenke, wenn sie durch Übergewicht verursacht worden sind. Hier ist die Reduktionskost das wichtigsteElement in der Behandlung: Jedes Kilogramm Gewichtsabnahme bringt Entlastung für Knorpel undBänder. Auch die Gicht-Arthritis ist eindeutig durchErnährung beeinflussbar. In den Hungerzeiten nachdem zweiten Weltkrieg war die Gicht nahezu verschwunden. Erst als sich die Versorgung mit Fleischoder alkoholischen Getränken verbesserte, wurde dieses Krankheitsbild wieder häufiger.Nicht auf Basismedikamente verzichtenAuf der anderen Seite sind die Möglichkeiten, mit Ernährung eine entzündlich-rheumatische Erkrankunggrundlegend zu beeinflussen oder gar zu verhindern,sehr begrenzt (siehe Kapitel 2.1). Es wurde auch bisherkeine Diät beschrieben, die in der Lage gewesen wäre,die Entstehung von Schäden an Knorpel und Knochenzu verzögern, wie sie regelmäßig im Verlauf der rheu matoiden Arthritis oder anderer entzündlicher Gelenk erkrankungen auftreten. Die starke Entzündungshem mung, wie sie mit den heutigen Basis-Medikamentenerreicht wird, kann durch keine Ernährungsweise ersetzt werden.Zu guter Letzt sind Essen und Trinken mehr als bloßeNahrungsaufnahme. Wir verbinden damit Genuss, Ent spannung und Lebensfreude. Wer möchte von einerDiät leben, die zwar positiv auf die Gelenkerkrankungwirkt, aber einfach nicht schmeckt?11

1.3 Gicht-Arthritis – ein Sonderfall in derRheumatologie„Gicht“ und „Rheuma“ werden oft in einem Atemzuggenannt, obwohl die Gicht im eigentlichen Sinne keinerheumatische Erkrankung ist. Es handelt sich bei diesem Leiden um eine Stoffwechselerkrankung, bei deres zu einer erhöhten Konzentration von Harnsäure imBlut kommt. Dieses Abfallprodukt des Zellstoffwechsels kann von einigen Menschen nicht optimal überdie Nieren ausgeschieden werden. Daher kommt esbei einem Überangebot von Harnsäure zu Ablagerungen dieser Substanz in kristalliner Form in Gelenken,Nieren, aber auch Weichteilen. Ansammlungen vonHarnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit können zuGichtanfällen führen. Der Betroffene erlebt dies als eineheftige Arthritis, die überaus schmerzhaft ist und beichronischem Verlauf zu Gelenkschäden führen kann.Für die Behandlung der Gicht stehen heutzutage zwarwirksame Medikamente zur Verfügung – Betroffenekönnen die Erkrankung aber mit einer Umstellungihrer Ernährung günstig beeinflussen. Dazu sollte dervon Gicht betroffene Patient, jedoch auch gesundePersonen mit erhöhten Harnsäurewerten auf denPuringehalt der Nahrung achten. Purine sind die Ausgangssubstanzen für die Bildung von Harnsäure. Einegenauere Aufstellung purinarmer und purinreicherLebensmittel enthält die Tabelle auf Seite 13.Dabei gilt die Faustregel, dass Lebensmittel mit einemPuringehalt von mehr als 150 mg pro 100 g zu vermeiden, bzw. deutlich eingeschränkt aufzunehmen sind.Liegt der Harnsäuregehalt zwischen 50 und 150 mgpro 100 g, sollte eine Aufnahme von einer Mahlzeit proTag nicht überschritten werden. In der Liste sind vor allem tierische Produkte aufgelistet. Auch Hülsenfrüch-12te, Spargel oder Rosenkohl können größere MengenHarnsäure enthalten. Nach neuen Forschungsergebnis sen führt diese Harnsäure aber wesentliche seltenerzur Auslösung einer Gicht, so dass von diesen pflanz lichen Nahrungsmitteln nicht mehr abgeraten wird.Nicht nur die Aufnahme, sondern auch die behinderte Ausscheidung von Harnsäure über die Niere lässtden Harnsäurespiegel ansteigen. Daher können Nahrungsmittel, die selbst harnsäurearm sind, aber dieAusscheidung von Harnsäure behindern, Gichtanfällebegünstigen – auch diese sind in der Tabelle angeführt. Für den Gichtpatienten ist eine ausreichendeTrinkmenge wichtig: Trinken Sie dabei vor allem kalorienfreie Getränke wie klares Wasser, Tee oder Kaffee. Alkoholische Getränke sind zu meiden, da sie dieHarnsäureausscheidung über die Nieren behindern.Heilsame DiätEine sehr wichtige Maßnahme zur Vorbeugung vonGicht ist die Einhaltung eines normalen Körpergewichts. Bei Übergewichtigen kann die Abnahme von5 bis 10 kg bereits zu einer Senkung des Harnsäurespiegels im Blut führen. Unter Beachtung der obengenannten Empfehlungen ist die Gicht vermeidbar.Durch die Kombination von medikamentösen unddiätetischen Maßnahmen sowie eine Beeinflussungdes Lebenswandels gehört die Gicht in der Mehrzahlder Fälle zu den Erkrankungen, die heilbar sind, bzw.einen günstigen Verlauf nehmen können. Dies setzt jedoch die aktive und motivierte Mitarbeit des Patientenvoraus.Die richtige Ernährung bei Rheuma

Mittlerer Purin- und Harnsäuregehalt einiger rke37,2Hartkäse47,2Tomaten, Paprika4,210Kartoffeln6,315Eiernudeln 25Reis 662Erdnüsse29,470Weizen37,890Bratwurst4096Bier (auch chbrühe58,8140Fisch (gegart)63150Fleisch (Schwein, Rind, Kalb – mager, frisch)63150Hähnchenbrustfilet te Harnsäurepro 100 g (in mg)mittlerer Purin-GehaltPurinepro 100 g (in mg)purinarmLebensmittelNahrungsmittel, die in größeren Mengen Gichtanfälle, unabhängig vom Harnsäuregehalt begünstigen:Alkoholika (Schnaps), Bier, Softdrinks (Cola, Limonade), süße Fruchtsäfte, Früchte mit hohem Fruktosegehalt(v. a. Trockenfrüchte: Pflaumen, Aprikosen, Mango, Rosinen)(Quelle:www.internisten-im-netz.de, Dalbeth N et al. Ann Rheum Dis 2010; 69: 1738-43)Die richtige Ernährung bei Rheuma13

1.4 Osteoporose – ein Kapitel für sichOsteoporose bedeutet den allmählichen Verlust vonKnochenmasse. Schleichender Knochenabbau führtzu einer Ausdünnung der Röhrenknochen und der Kno chenbälkchen. Die Folge sind Knochenbrüche nachkleinsten Unfällen oder Rückenschmerzen, die durchEinbrüche der Wirbelkörper entstehen. Bei Frauennach den Wechseljahren ist dieser Abbauprozess besonders stark ausgeprägt.Ernährungsfragen sind für den Stoffwechsel des Knochens enorm wichtig. Kalzium ist einer der entscheidenden Bausteine der Knochensubstanz. Unser Körper ist ungefähr bis zum 26. Lebensjahr in der Lage,Knochenmasse aufzubauen – danach verliert der Knochen allmählich wieder an Festigkeit. Eine kalziumreiche Ernährung von Kindheit an schützt also im Altervor Osteoporose.Knochengewebe formt sich aber auch bei körperlicherBelastung, während Bewegungsmangel zum Verlustvon Knochenmasse führt. So entwickeln bettlägerigePatienten sehr rasch eine Osteoporose. Bei Raumfahrern führt der längere Aufenthalt in der Schwerelosigkeit ebenfalls zum rapiden Abbau von Knochen.Bewegung ist daher eine Voraussetzung für den Erhalt unserer Knochenfestigkeit.Ein oft vernachlässigtes Element für die Knochenbildung ist das Sonnenlicht. Unter Einwirkung ultravioletter Strahlung wird das knochenstärkende Vitamin Din der Haut gebildet. Viele ältere Menschen kommenzu selten an die frische Luft – oft, weil sie Schmerzenbeim Laufen haben, die durch die Osteoporose verursacht wurden. Bewegungs- und Lichtmangel setzen soeinen Teufelskreis in Gang, der dem Knochen schadet.Die Knochengesundheit wird auch von anderen Faktoren bestimmt: RaucherInnen haben deutlich häu-14figer Osteoporose als NichtraucherInnen, auch wennder Grund für diese Beobachtung noch nicht ermitteltwerden konnte. Außerdem schaden stark phosphatund oxalathaltige Lebensmittel den Knochen, weil sieKalzium binden und so dem Körper entziehen. Eine oftunterschätzte Phosphatquelle sind Colagetränke, dieobendrein Karies verursachen und durch ihren hohenZuckergehalt zur Überernährung beitragen. Fleischund Wurstprodukte sind ebenfalls phosphatreich. Undschließlich schwächt übermäßiger Alkoholkonsumnachweislich unser Skelett.Tipps für den Alltag Bei der Gestaltung einer Diät für Patientenmit rheumatischen Erkrankungen sollteman sich an wenige Grundsätze halten, diese dann aber konsequent befolgen. BlinderEifer schadet nur, und Diäten sind keine Allheilmittel. Dennoch können sinnvolle Regeln für die Ernährung und die Alltagsgstaltung unsere Lebensqualität verbessern. Übergewicht überlastet unsere Gelenke. Werstarkes Übergewicht reduziert, schont seinen Bewegungsapparat und beugt gleichzeitig Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen vor. Bewegungsmangel begünstigt die Osteoporose und fördert die Entstehung von Übergewicht. Es muss kein Fitnessclub sein: Spaziergänge, leichte Gymnastik, Rad fahren,Tanzen, Schwimmen, . wichtig ist: Anfangen! Rauchen und Alkohol schaden nicht nurHerz und Leber: Auch die Knochen brechenbei Alkoholikern und Rauchern schneller.Die richtige Ernährung bei Rheuma

Kinder im Wachstumsalter haben einen erhöhten Kalziumbedarf. Auch Schwangere benötigen mehr Kalzi um. Milch und Milchprodukte sind die wesentlichenKalziumquellen unserer Nahrung. Magermilch undMolke enthält genauso viel Kalzium wie Vollmilch.Wer keine Milch verträgt, kann seinen Kalziumbedarfauch aus kalziumreichen Mineralwässern und kalziumreichen Gemüsen decken (Broccoli, Lauch, Fenchel,Die richtige Ernährung bei RheumaGrünkohl). Die tägliche Kalziumzufuhr sollte aus derNahrung stammen. Die zusätzliche Einnahme in Tablettenform wird heute kritisch gesehen und sollte voneinem auf Knochenerkrankungen spezialisierten Arztangeordnet werden. Informationen über den Kalziumgehalt von Nahrungsmitteln sind bei der DeutschenGesellschaft für Ernährung erhältlich ( www.dge.de).15

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dass die Gicht-Arthritis durch übermäßigen Genuss von Fleisch und Alkohol ausgelöst werden konnte (sie- he Seite 12). Diät heißt Lebensweise Der griechische Begriff „Diät“ bedeutet „Lebensweise“ und schließt daher nicht, wie heute oft angenommen, lediglich Ernährungsfragen ein. Auch die Art, wie wir