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Immobilienproduktivität: Der Einflussvon Büroimmobilien auf Nutzerzufriedenheit und ProduktivitätEine empirische Studie am Beispiel ausgewählter Bürogebäude der TU DarmstadtDirk KrupperProf. Dr. Andreas PfnürInstitut für BetriebswirtschaftslehreFachgebiet Immobilienwirtschaftund g.deArbeitspapiere zur immobilienwirtschaftlichen Forschung und Praxis,Band Nr. 25, September 2011

Zitierempfehlung:Dirk Krupper (2011): Immobilienproduktivität:Immobilienproduktivität Der Einfluss von Büroimmobilien aufNutzerzufriedenheit und Produktivität. Eine empirische Studie am Beispiel ausgewählterBürogebäude der TU Darmstadt. In: Andreas Pfnür (Hrsg.), Arbeitspapiere zurimmobilienwirtschaftlichen Forschung und Praxis, Band Nr. 25.Autor:Dirk KrupperImpressum (v.i.S.d.P.):Prof. Dr. Andreas PfnürFachgebiet Immobilienwirtschaft und BaubetriebswirtschaftslehreFachbereich Rechts- und WirtschaftswissenschaftenTechnische Universität DarmstadtHochschulstr. 164289 DarmstadtTelefonTelefaxE-MailHomepageISSN Nr. 49 (0) 6151 / 16 - 6522 49 (0) 6151 / 16 - .immobilien-forschung.de1862-2291September 2011

InhaltsverzeichnisINHALTSVERZEICHNISIIIMANAGEMENT SUMMARY11. EINFÜHRUNG1.1.Problemstellung und Zielsetzung1.2.Vorgehensweise223ERGEBNISSE DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG ZUR NUTZERZUFRIEDENHEIT MIT FOKUS AUF DASBÜROLAYOUT52.1.Ausgewählte Ergebnisse zur Zufriedenheit mit der Büroumgebung52.1.1. Allgemeine Zufriedenheit mit der Büroumgebung62.1.2. Zufriedenheit mit den Platzverhältnissen im Büro82.1.3. Zufriedenheit mit der Kommunikation Face to Face92.1.4. Zufriedenheit mit dem Raumklima122.1.5. Zufriedenheit mit der Luft am Arbeitsplatz162.1.6. Zufriedenheit mit den Tageslichtverhältnissen am Arbeitsplatz182.1.7. Zufriedenheit mit der Raumbeleuchtung im Büro202.1.8. Zufriedenheit mit der Aussicht am Arbeitsplatz212.1.9. Zufriedenheit mit dem Geräuschpegel am Arbeitsplatz222.1.10. Selbsteinschätzung zur Produktivität242.3.ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE FÜR VERSCHIEDENE EICHNIS30InhaltsverzeichnisIII

Management SummaryDie Zufriedenheit der Büronutzer und die Beeinflussung der Produktivität sind Kernfragen einer jedenEntscheidung für die Wahl des Bürolayouts. Mit Hilfe einer empirischen Untersuchung wurde dieseFrage dahingehend untersucht, ob es wesentliche Unterschiede in der Wahrnehmung und Bewertungder gängigen Büroformen aus Sicht der Nutzer gibt und welche Vor- und Nachteile sich im Einzelnenaufzeigen lassen. Hierzu wurden mehr als 600 Fragebögen ausgewertet und hinsichtlich der generellenZufriedenheit als auch einzelner Facetten der Bürobedingungen ausgewertet und analysiert.Es lässt sich feststellen, dass das klassische Einzelbüro insgesamt die besten Bedingungen fürBüronutzer bietet. In der Einschätzung schneidet das Mehrpersonenbüro sogar besser ab als dasmoderne Kombibüro, obwohl im direkten Vergleich im Mehrpersonenbüro durchschnittlich mehrPersonen auf relativ weniger Raum untergebracht sind. Die schlechteste Alternative stellt in derUntersuchung das Großraumbüro dar.Damit dominieren die räumlich geschlossenen Büroformen (Einzel- und Mehrpersonenbüro) dieräumlich offenen bzw. teilweise offenen Layouts (Kombi- und Großraumbüro) in Bezug auf dieNutzerzufriedenheit und im Ergebnis auch in Bezug auf die Produktivität. Auf Basis derUntersuchungsergebnisse lassen sich Differenzen bei der Selbsteinschätzung der Produktivität von biszu 20% aufzeigen. Im Detail bewerteten die Büronutzer, welche sowohl der Verwaltung als auch derwissenschaftlichen Forschung hinsichtlich ihrer Tätigkeitsschwerpunkte zuzuordnen sind, diegeschlossenen Büroformen positiver bezüglich der Wahrnehmung von:- allgemeiner Zufriedenheit- Zufriedenheit mit dem Winterklima- Zufriedenheit mit der Lärmsituation- Zufriedenheit mit der Luft- Zufriedenheit mit den Lichtbedingungenund sogar die Zufriedenheit mit der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Insbesondereletztgenannte Einschätzung der Nutzer überrascht, weil die Förderung der Kommunikationinsbesondere den räumlich offenen Layouts zugesprochen wird.Die richtige Wahl der Büroform für die Mitarbeiter hat nachweislich einen entscheidenden Einfluss aufdie Nutzerzufriedenheit und die Produktivität.Management Summary1

1. EinführungDie Auswahl einer spezifischen Büroform im Rahmen der Konzeption von Büroflächen, derenRealisierung und Nutzung orientiert sich im Allgemeinen an den organisatorischen Anforderungen derInstitutionen und Unternehmen sowie an den räumlichen und finanziellen Kapazitäten selbiger. Umdie Konsequenzen dieser Auswahl im Rahmen dieses Entscheidungsprozesses zu unterstützen, wird imvorliegenden Arbeitspapier eine Analyse der Wahrnehmung durch den Büronutzer hinsichtlich derZufriedenheit und der Einflussnahme auf die Produktivität im Vergleich zur Büroform aufgezeigt.Mit einer kurzen Einleitung wird die aktuelle Diskussion um die Entwicklung neuer Bürokonzepteumrissen. Anschließend erfolgt eine Umschreibung der Vorgehensweise zur empirischenUntersuchung, deren Ergebnisse unter den verschiedenen Facetten der Zufriedenheit mit derBüroumgebung detailliert diskutiert werden. Dazu werden sämtliche Untersuchungsgegenstände denvorliegenden Layouts Einzel-, Mehrpersonen-, Kombi- und Großraumbüro gegenübergestellt. Ergänztwird diese Diskussion um eine zusammenfassende Einschätzung bezüglich der Facetten als solche undden Vergleich zwischen den Bürolayouts sowie deren Einordnung und Eignung.1.1. Problemstellung und ZielsetzungMit der zunehmenden Mobilisierung und Informationsverarbeitungsdichte, durch geänderteAnforderungen im täglichen Arbeitsprozess aber auch durch die Entwicklung in derInformationstechnologie und die Globalisierung, werden insbesondere in der jüngeren Zeit diebestehenden Büroformen bezüglich ihrer Aktualität hinterfragt.1 Im Versuch sich dem angesprochenenWandel anzupassen, werden neue "Bürophilosophien" konzipiert und im Kontext derNutzerzufriedenheit diskutiert. Die gängigen Ein- und Mehrpersonenbüros, welche allgemein in einerZellenform mit Wänden und Türen ausgeführt sind, werden in ihrer Funktionalität insbesondere vordem Hintergrund der geänderten Anforderungen an das Büro von heute geprüft und in Kombinationmit den Aspekten des Großraumbüros, also einem offenen Raum ohne Wänden, zu einem alternativenLayout des Büros geformt.2 Im Ergebnis werden dadurch sowohl die typischen Arbeitsbereiche als auchKommunikationszonen geschaffen, wodurch Einzel- als auch Gruppenarbeit in einem Bürolayoutzusammengefasst werden sollen. Für diese Mischform hat sich der Begriff des Kombibüros etabliert.3Durch den Versuch auf die geänderten Ansprüche hinsichtlich Flexibilität für Team- und Projektarbeitim täglichen Arbeitsprozess zu reagieren, haben sich hier sogar weitere Kombinationsmöglichkeitenvon physischer Büroform einerseits und einer nichtterritorialen Nutzungskonzeption4 andererseitsergeben, wie z.B. "Business Club", "Business Lounge" o.ä.5 Da es sich bei diesen Layouts nicht umeigenständige Büroformen, sondern vielmehr um Variationen in der Konzeption handelt6, welchezudem im Vergleich nicht etabliert sind, wird ihnen im Folgenden keine weitere Beachtung geschenkt.Die vorliegende Arbeit setzt sich hinsichtlich dieses angestrebten Wandels in der Bürokonzeption mitder Frage auseinander, inwieweit die gängigen Bürolayouts in ihrer Eignung durch den Büronutzer,also den Empfänger und Nutznießer der Konzeption, wahrgenommen und bewertet werden. Vor1Vgl. zu dieser Entwicklung Spath/Kern (2003), S. 126, zu den geänderten Anforderungen an die Arbeit sieheauch Brade (1998), S. 99 f.2Zu den verschiedenen Büroformen und deren Charakteristiken siehe Danielsson/ Brodin (2008), S. 642. In derLiteratur wird mitunter eine Differenzierung zwischen Großraumbüro und Gruppenbüro vorgenommen. Vgl.Spath/ Kern, S. 131 f.3Vgl. Spath/ Kern, S. 1314Dem Büronutzer wird damit prinzipiell kein fester Arbeitsplatz zugewiesen.5Vgl. Muschiol (2007), S. 42 f.6Vgl. Spath/ Kern, S. 1272Einführung

diesem Hintergrund ist eine Analyse der Nutzerzufriedenheit und der Einflussnahme auf dieProduktivität durch die Umgebungsbedingungen im Büro zu bestimmen, auf deren Basis eineGegenüberstellung zusammen mit einer Wertung erfolgen kann.1.2. VorgehensweiseAls Ausgangsbasis der methodischen Überlegungen dient das Rahmenmodell der sogenannten BuildingPerformance Evaluation (BPE), welches als Prozessmodell die Immobilie in den einzelnenLebensphasen darstellt.7 Im Fokus der Betrachtung steht dabei die Passung zwischen erwarteter undtatsächlicher Qualität der Immobilie, welche durch die Erfüllung der Nutzerbedarfe erklärt wird. Derinnere Kreis des Modells stellt den Immobilienlebenszyklus als Phasen dar und der äußere Kreis dieAktionsmomente, in denen die Anforderungen an die Immobilie entsprechend der zugrunde liegendenPhase identifiziert, gemessen und entsprechend gestaltet oder angepasst werden nReviewAbbildung 1: Building Performance Evaluation Framework (Quelle: Preiser/ Schramm (2005), S. 17)Den Kern des Modells und damit der Überlegungen insgesamt stellen die Kriterien dar, diegeforderte Qualität definieren. Die Bestimmung der Kriterien stellt die größte Problematik fürEvaluation dar. Sie sind aus den Anforderungen des Nutzers abzuleiten und dazu müssenorganisatorischen, ökonomischen und ökologischen Prozesse erhoben werden, auf deren BasisBedürfnisse bzw. Wertvorstellungen ermittelt werden.9diediediedieDie während der Nutzungsphase implementierte Post Occupancy Evaluation (POE) ist ein bedeutenderTeilprozess innerhalb der BPE, denn die Phase der Nutzung überwiegt die anderen Phasen hinsichtlichder Dauer. Die POE zeichnet sich insbesondere durch den Zeitpunkt der Evaluation aus, denn denNutzern ist ein Vergleich zwischen den geforderten Kriterien, den theoretisch entwickelten Ansätzender Umsetzung und den tatsächlichen Gegebenheiten möglich.10 Dabei dient die POE nicht unbedingt7Vgl. zum Modell und dessen Erläuterungen Preiser/ Schramm (2005), S. 16 ff.Vgl. Preiser/ Vischer (2005b), S. 89Vgl. Preiser/ Vischer (2005b), S. 910Vgl. Bordass/ Leaman (2005), S. 72 ff. An dieser Stelle wird neben einem historischen Überblick zur POE auchein Einblick in die Umsetzung verschiedener Techniken und Methoden gegeben.8Einführung3

nur dem Festhalten des Erfüllungsgrades unter Aufzeigen von Problemen oder Fehlern, sondern siebietet aufgrund der Dauer der Nutzungsphase auch die Möglichkeit zur Anpassung und Optimierung.11Zur empirischen Prüfung der vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Gebäudemerkmalen und qualitäten wurde eine schriftliche Befragung von Büronutzern an der Technischen UniversitätDarmstadt durchgeführt. Modelltheoretisch lässt sich diese Erhebung als oben erläuterte PostOccupancy Evaluation einordnen.12 Die Untersuchung erstreckte sich über insgesamt 11 Gebäude desImmobilienbestandes der Hochschule mit Hauptnutzung Büro, wobei sowohl die Verwaltung als auchFach- und Studienbereiche integriert wurden. Die Anzahl aller Mitarbeiter, welche im Rahmen derErhebung angeschrieben wurden, betrug zum Zeitpunkt der Erhebung insgesamt 1528. Die Anzahl derausgefüllten und zurückgegebenen Fragebögen beläuft sich auf 637. Die Rücklaufquote entsprichtdamit rd. 41,7% und deutet grundsätzlich auf eine entsprechende Relevanz der Thematik bei denNutzern der Büroimmobilien hin.Der Aufbau des Fragebogens orientiert sich an der Untersuchung vielschichtiger Zusammenhänge imWechselspiel zwischen Nutzer und Gebäude. So wurden unter anderem verschiedene Aspekte derZufriedenheit mit einzelnen Facetten des Gebäudes bzw. der Nutzungsqualität erhoben.13 Diese stellenauch den Kern der hier folgenden Auswertungen dar. Ebenso wurde die vorhandene Form desBürolayout abgefragt, um die bisherigen Erkenntnisse zur Zufriedenheit in ihrer differenzierten Formin Abhängigkeit der gewählten Büroform zu diskutieren.Nicht gegenständlich in der folgenden Auswertung aber ebenfalls Inhalt des Fragebogens sind dieeinzelnen Aspekte, welche die jeweiligen Zufriedenheiten determinieren. Ergänzt werden dieseInformationen um tätigkeitsrelevante Charakteristika der jeweiligen Nutzer, da durch die Datenanalyseauch die bereits aufgeführte Fragestellung nach unterschiedlichen Wertvorstellungen und Bedürfnissengeklärt werden soll, inwieweit die unterschiedlichen Job-Profile und Job-Anforderungen einenEinfluss auf die Wahrnehmung und Bewertung der Verhältnisse am Arbeitsplatz generieren.14Zur Auswertung der in den nachfolgenden Abschnitten dargestellten Zusammenhänge wird aufstrukturprüfende Verfahren zurückgegriffen. Der Fragebogen wurde fast ausschließlich mit LikertSkalen aufgebaut, um die Einschätzungen der Befragten zu erheben. Die Fragen nach derZufriedenheit und der Einschätzungen des Erscheinungsbildes entsprechen aufgrund der aufsteigendenRangreihung (z.B. "völlig unzufrieden" bis völlig zufrieden") einer Ordinalskala, weshalb hierfürentsprechend geeignete Verfahren Anwendung finden.1511Vgl. Preiser/ Schramm (2005), S. 19Darstellungen diverser POE finden sich unter anderem in Brill (1984); Kelter (2003); Preiser/ Vischer (2005).Jede der Untersuchungen stellt dabei ausgewählte Kriterien mit unterschiedlichen Schwerpunkten zur Qualitätder Immobilie in den Vordergrund.13Vgl. zu den Qualitätsaspekten siehe u.a. Walden (2005), S. 123; Mallory-Hill et al. (2005), S. 16014Vgl. Preiser/Vischer (2005b), S. 1115Vgl. zu den verschiedenen Skalen u.a. Bamberg/Baur/Krapp (2009), S. 7; für die anzuwendenden Verfahrensiehe ebenda oder beispielsweise auch Backhaus et al. (2006), S. 229124Einführung

2. Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf dasBürolayout2.1. Ausgewählte Ergebnisse zur Zufriedenheit mit der BüroumgebungIm folgenden Abschnitt werden erste Erkenntnisse zur Wahrnehmung der Zufriedenheit der befragtenBüronutzer dargestellt und in einem weiteren Schritt den zugrunde liegenden Büroformen in derjeweiligen Ausprägung gegenübergestellt. Primäre Zielsetzung ist der Erkenntnisgewinn, inwieweit dasvorhandene Bürolayout einen Einfluss auf die Zufriedenheit mit der Büroumgebung dardabweichungAllgemeine Zufriedenheit mitBüroumgebung6214,991761,311Zufriedenheit mitPlatzverhältnissen im Büro6255,131761,419Zufriedenheit mit Face toFace Kommunikation6245,001761,174Zufriedenheit mitSommerklima6223,281761,564Zufriedenheit Winterklima6214,651761,551Zufriedenheit Luft amArbeitsplatz6274,581761,412Zufriedenheit mit Tageslicht6215,341761,395Zufriedenheit mitRaumbeleuchtung6215,201761,289Zufriedenheit mit Aussicht6215,181761,591Zufriedenheit mitLärmsituation6274,201761,475Abbildung 2: Aussagen zu Zufriedenheit mit der Büroumgebung und ausgewählten EinzelfacettenAusgehend von einer 7-stufigen Skala mit den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten auf die Frage nachden Ausprägungen mit den genannten Zufriedenheiten enzufriedenund einer Bewertung der Antworten mit links beginnend von 1 für "völlig unzufrieden" bis 7 für "völligzufrieden" lässt sich anhand der Ergebnisse in Abbildung 2 festhalten, dass bis auf die Zufriedenheitmit den klimatischen Bedingungen im Sommer die Befragten im Mittel mindestens neutral (4,0) mitTendenz zu "ziemlich zufrieden" geantwortet haben. Als erste Indikation kann demnach einegrundsätzlich positive Einschätzung der Büroumgebung durch die Befragten konstatiert werden. Fürdie Einschätzung des Raumklimas im Sommer dagegen stellt sich über die Summe im Mittel eineTendenz zu "ziemlich unzufrieden" (3,28) dar. Allerdings lässt sich feststellen, dass für alle Items eineSpannweite von 6 ausgewiesen wird, wodurch klar zu erkennen ist, dass zu allen Fragen jede dermöglichen Ausprägungen in der Einschätzung der Nutzer wiedergegeben wurde und damit eineErgebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf das Bürolayout5

Differenzierung in der Wahrnehmung der verschiedenen Facetten innerhalb der Antwortenvorzufinden ist.Um die aggregierten Ergebnisse über alle Antworten zu spezifizieren, werden im Folgenden dieentsprechenden Ausprägungen der Skalen den Büroformen gegenübergestellt, um nähere Erkenntnissehinsichtlich der eingangs geführten Diskussion zu erzielen. Zuvor wird jedoch ein Überblick über dievorhandenen Büroformen und deren Belegung gegeben.2.1.1. Allgemeine Zufriedenheit mit der umme1,956143,621Abbildung 3: Aussagen zur Frage: Wie viele Personen haben ebenfalls einen Arbeitsplatz in Ihrem Büro?Die in Abbildung 2 dargestellten Ergebnisse beziehen sich im Mittel auf die "ebenfalls im Büroarbeitenden Personen", wobei auffällig ist, dass in Einzelbüros teilweise offensichtlich mehr als einePerson zu arbeiten scheint, da im Mittel eine Ausprägung größer null ausgewiesen wird. Denkbar sindhier temporäre oder permanente räumliche Engpässe mit entsprechender "Überbelegung", die zudiesem Mittelwert geführt haben. Ebenso auffällig ist der Fakt, dass Kombi- und Großraumbüro relativwenig vertreten sind. Insbesondere die Nutzer von Kombibüros, welche in den so genanntenArbeitskojen nicht auf ihr Einzelbüro verzichten sollen, geben an, im Mittel zusätzlich mit 1,45Personen zusammenzuarbeiten, wobei prinzipiell auch Doppel-Kombibüros darstellbar sind.16 Selbstunter diesen Umständen dürfte der Mittelwert aber nicht größer als 1 (anstelle der 1,45) sein. DieNutzer von Mehrpersonenbüros arbeiten durchschnittlich mit 2 weiteren Personen zusammen,wodurch für die TU Darmstadt generell nicht von der klassischen Einzel- und Doppelbelegungauszugehen ist.166Zum Kombibüro und dessen Beschreibung siehe bspw. Spath/ Kern (2003), S. 131Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf das Bürolayout

Abbildung 4: Allgemeine Zufriedenheit mit der Büroumgebung im Vergleich zur BüroformDie im Boxplot dargestellten Kästen stellen die Antworten vom 25%-Perzentil bis zum 75%-Perzentildar. Der mittlere, im Kasten fett dargestellte Strich beschreibt den Median (50%-Perzentil). Diedarunter und darüber auskragenden Linien stellen mit Ihrem Endpunkt jeweils den kleinsten (unten)oder größten (oben) Wert der Antworten auf der entsprechenden Skala dar. Eventuell zusätzlichdargestellte Punkte bzw. Sterne entsprechen Ausreißern oder Extremwerten, die mindestens eine 1,5fache Entfernung zum Kasten haben.17In der Grafik kann deutlich abgelesen werden, dass 75% der Befragten im Einzelbüro mit derBüroumgebung allgemein ziemlich zufrieden sind. Im Gegensatz dazu fällt die Einschätzung imMehrpersonenbüro schlechter aus, wobei 75% der Befragten mindestens eine neutrale Antwort auf dieFrage nach der Zufriedenheit gegeben haben. Erstaunlicherweise ist die Einschätzung dennoch besserals bei den Befragten, welche in einem Kombibüro arbeiten, obwohl letztgenannte mit wenigerPersonen im Büro arbeiten müssen. Die geringste Zufriedenheit geht mit dem Großraumbüro einher,für das keiner der Befragten eine sehr zufriedene Einschätzung oder besser abgegeben hat.Auf Basis eines Kruskal-Wallis-Tests wird zusätzlich die Hypothese geprüft, dass in derGrundgesamtheit die mittleren Ränge gleich seien.18 Der Test ergibt nachfolgendes Schaubild.17Die an diesen Extremwerten/ Ausreißern dargestellten Nummern entsprechen den Fallnummern desDatensatzes, welcher durch die Statistik-Software SPSS automatisch mit ausgewiesen wird. Inhaltlich lässt sichim vorliegenden Fall daraus keine Aussage ableiten.18Vgl. zum Verfahren Bortz/Lienert (2008), S. 157 ff.Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf das Bürolayout7

BüroformAllgemeine Zufriedenheit mit ne Zufriedenheit mitBüroumgebungMittlerer esamt62130,5033,000a. Kruskal-Wallis-Testb. Gruppenvariable: BüroformAbbildung 5: Ergebnis des Kruskal-Wallis-Test für allgemeine Zufriedenheit mit Büroumgebung, Gruppenvariable: BüroformDie Nullhypothese, wonach die mittleren Ränge über alle Büroformen gleich seien, kann mit einerIrrtumswahrscheinlichkeit von 0,0% abgelehnt werden. Es besteht demnach ein sehr signifikanterUnterschied zwischen den Layouts hinsichtlich der allgemeinen Zufriedenheit mit derBüroumgebung.192.1.2. Zufriedenheit mit den Platzverhältnissen im BüroDie Frage nach den Platzverhältnissen im Büro wurde von den Nutzern der verschiedenen Büroformenebenfalls differenziert beantwortet.Abbildung 6: Zufriedenheit mit den Platzverhältnissen im Vergleich zur BüroformUnter Hinzuziehen der entsprechenden durchschnittlichen Fläche pro Mitarbeiter, bezogen auf dieGröße des Büros, lassen sich auch hier Unterscheidungen erkennen, die durch die Büroform selbst undweniger durch die vorhandene Fläche geprägt sind.19Signifikanzniveaus kleiner 5% bzw. kleiner 0,05 können als Richtwert angesehen werden, ab dem dasVorhandensein eines Zusammenhangs angenommen werden kann. Vgl. Brosius (2011), S. 424 oder auch Bortz(2005), S. 1148Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf das Bürolayout

9Abbildung 7: durchschnittliche Bürofläche pro Person je Büroform; Angaben zum Mittelwert in m²Grundsätzlich zeigt sich eine positive Beziehung zwischen der Fläche und der Zufriedenheit mit denPlatzverhältnissen. Die höchste Zufriedenheit genießen die Mitarbeiter in Einzelbüros. Die Nutzer vonGroßraumbüros schwanken in ihrer Einschätzung im Mittel eher um den neutralen Bereich zwischen"ziemlich unzufrieden" bis "ziemlich zufrieden", während die Antworten der Mitarbeiter imMehrpersonenbüro durchschnittlich einen Skalenpunkt besser ausfallen. Es ist jedoch auffällig, dassdie Relationen im Flächenverhältnis zwischen Mehrpersonen- und Großraumbüro lediglich um ca. 1m²variieren, während der Abstand zwischen Mehrpersonenbüro und Kombibüro mit ca. 3m² weitaushöher ausfällt. Eine zu erwartende markante Differenz in den mittleren Skaleneinschätzungenzwischen Kombi- und Mehrpersonenbüro lässt sich allerdings nicht erkennen.Der bereits oben durchgeführte Test zu den mittleren Rangwerten nach Kruskal-Wallis zeigt folgendesErgebnis:BüroformZufriedenheit mitPlatzverhältnissen im BüroNZufriedenheit mit Platzverhältnissenim BüroMittlerer ,55AsymptotischeSignifikanzGesamt62543,0883,000a. Kruskal-Wallis-Testb. Gruppenvariable: BüroformAbbildung 8: Ergebnis des Kruskal-Wallis-Test für Zufriedenheit mit Platzverhältnissen im Büro, Gruppenvariable: BüroformDie Zufriedenheiten mit den Platzverhältnissen unterscheiden sich demnach sehr signifikant in derGrundgesamtheit.2.1.3. Zufriedenheit mit der Kommunikation Face to FaceEin in der Fachliteratur im Zusammenhang mit dem Bürolayout diskutierter Aspekt ist die Möglichkeitzur formellen und informellen Kommunikation zwischen den Mitarbeitern. Dieser Aspekt wirdinsbesondere den Büroformen Kombi- und Großraumbüro als förderlich zugeschrieben, welcheaufgrund ihrer räumlichen Offenheit den Kommunikationsfluss fördern bzw. weniger behindern alsabgetrennte Zellenbüros.20 Die entsprechenden Einschätzungen der Nutzer, untergliedert nach denBürolayouts, zeigen allerdings keine Bestätigung für diesen Zusammenhang zwischen Kommunikationund räumlicher Offenheit wie Abbildung 9 zeigt.20Vgl. Kelter (2003), S. 34 ff.Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf das Bürolayout9

Abbildung 9: Zufriedenheit mit der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht im Vergleich zur BüroformAuch für dieses Item wird auf Basis eines Kruskal-Wallis-Tests zusätzlich die Hypothese geprüft, dass inder Grundgesamtheit die mittleren Ränge gleich seien. Der Test ergibt wiederum nachfolgendesSchaubild und bestätigt sehr signifikant die Unterschiede zwischen den Büroformen.BüroformZufriedenheit mit Face toFace KommunikationNZufriedenheit mit Face to FaceKommunikationMittlerer ,27AsymptotischeSignifikanzGesamt62429,9983,000a. Kruskal-Wallis-Testb. Gruppenvariable: BüroformAbbildung 10: Ergebnis des Kruskal-Wallis-Test für Zufriedenheit mit Face to Face Kommunikation, Gruppenvariable: BüroformTrotz der räumlichen Voraussetzungen für einen besseren Kommunikationsfluss bei Kombi- undGroßraumbüro, wie er in den theoretischen Überlegungen dargestellt wird, stellen sich sowohlMehrpersonen- als auch sogar Einzelpersonenbüros in der Wahrnehmung der Befragten alsvorteilhafter dar. Es lässt sich annehmen, dass die geforderte Kommunikation durchBesprechungsmöglichkeiten entweder unmittelbar am Arbeitsplatz oder durch Besprechungsräumeaufrechterhalten werden kann, wie nachfolgende Abbildung zeigt.10Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf das Bürolayout

BüroformEinzelbüroneinMöglichkeitBesprechungen amArbeitsplatz zu führenAnzahl% innerhalb von BüroformjaAnzahl% innerhalb von BüroformGesamtAnzahl% innerhalb von ,0%100,0%100,0%100,0%Abbildung 11: Möglichkeiten zum Führen von Besprechungen am Arbeitsplatz im Vergleich zur BüroformInsbesondere die Nutzer von Einzelbüros können zu über 85% auf Besprechungsbereiche in ihremBüro zurückgreifen, ähnlich fast zwei Drittel der Mitarbeiter in Mehrpersonenbüros. Für diekommunikationsfördernden Bürolayouts geben die Befragten sogar eine Einschätzung unter 50% ab.BüroformEinzelbüronichtAnzahl% innerhalb von BüroformwenigAngebot anMöglichkeiten fürBesprechungenadäquatAnzahl% innerhalb von BüroformmittelmäßigAnzahl% innerhalb von BüroformziemlichAnzahl% innerhalb von BüroformsehrAnzahl% innerhalb von BüroformGesamtAnzahl% innerhalb von 0,0%100,0%Abbildung 12: Einschätzung der Befragten auf die Frage: Wie adäquat empfinden Sie das Angebot bezogen auf räumlicheMöglichkeiten für Besprechungen (Besprechungsbereiche bzw. -räume, Kommunikationszonen o.ä.)?Bezogen auf die Einschätzung nach ziemlich oder sehr adäquatem Angebot an räumlichenMöglichkeiten für Besprechungen geben ca. 49 % der Nutzer von Mehrpersonenbüros eine positiveAntwort; bei den Einzelbüronutzern sind es sogar fast 60%. Für die Einschätzung bei den anderenbeiden Büroformen sehen weniger als ein Fünftel das Angebot als adäquat an, obwohl derGrundgedanke beider Layouts die Schaffung von eben jenen Kommunikationsmöglichkeiten durchräumliche Offenheit oder Kommunikationszonen beinhaltet. Die Kommunikation Face to Face wirdanzunehmender Weise nicht zwingend durch räumlich abgetrennte Büros unterbunden odereingeschränkt, solange generell Möglichkeiten zur Besprechung vorhanden sind.Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf das Bürolayout11

BüroformEinzelbüronichtAnzahl% innerhalb von BüroformwenigNutzungGemeinschaftsräume fürGespräche mitKollegenAnzahl% innerhalb von BüroformmittelmäßigAnzahl% innerhalb von BüroformziemlichAnzahl% innerhalb von BüroformsehrAnzahl% innerhalb von BüroformGesamtAnzahl% innerhalb von 0%100,0%100,0%Abbildung 13: Einschätzung der Nutzer auf die Frage: Nutzen Sie Gemeinschaftsräume (Teeküche, Cafeteria, Pausenbereicheo.ä.) für Gespräche mit Kollegen?Auf die Frage, ob auch Gemeinschaftsräume als Kommunikationspunkte für Gespräche mit Kollegengenutzt werden, gaben fast 60% der Großraumbüronutzer eine Einschätzung von "ziemlich" oder"sehr" an, wohingegen nur 30% der Einzelbüronutzer diese Einschätzung teilen. Bezogen auf dieKommunikationsmöglichkeiten und der Anzahl der Kollegen im Büro wäre hier eine entgegen gesetzteAusprägung zu erwarten gewesen. Eine denkbare Erklärung kann sein, dass die Kommunikation mitDritten im Großraumbüro als störend wahrgenommen wird und deshalb durch dieGemeinschaftsräume eine räumliche Ausweichmöglichkeit zugunsten der arbeitenden Kollegen gesuchtwird.2.1.4. Zufriedenheit mit dem RaumklimaFür die Auswertung der raumklimatischen Bedingungen wurde eine Trennung der Items nach Sommerund Winter vorgenommen, um den jahreszeitlichen Ausprägungen und deren technischer Lösungengerecht zu werden. Die Ergebnisse sind in den nachfolgenden Abbildungen dargestellt und lassen imAnsatz eine Differenzierung zwischen den Büroformen zu.12Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Nutzerzufriedenheit mit Fokus auf das Bürolayout

Abbildung 14: Zufriedenheit mit dem Raumklima in der Sommerzeit im Vergleich zur BüroformGrundsätzlich ist für die Zufriedenheit aller Nutzer, egal welche Büroform als Klassifikation vorhandenist, eher eine Tendenz zu Unzufriedenheit zu beobachten. Die oben dargestellten Mittelwerte gabenhierzu bereits einen entsprechenden Hinweis, denn die Einschätzung zum Raumklima im Sommer istdie einzige Frage, welche von den Nutzern mit "ziemlich unzufrieden" wiedergegeben wurde. Auchhier sind die schlechtesten E

Zufriedenheit mit dem Raumklima 12 2.1.5. Zufriedenheit mit der Luft am Arbeitsplatz 16 2.1.6. Zufriedenheit mit den Tageslichtverhältnissen am Arbeitsplatz 18 2.1.7. Zufriedenheit mit der Raumbeleuchtung im Büro 20 2.1.8. Zufriedenheit mit der Aussicht am Arbeitsplatz 21 2.1.9. Zufriedenheit mit dem Geräuschpegel am Arbeitsplatz 22