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ULF BOMANBJÖRN LJUNGJONAS THULINWORK-LIFE MANAGEMENTWIE DIE EUROPÄER BERUF UND PRIVATLEBEN BEWÄLTIGENBERICHT AN UNI 2010mit finanzieller Unterstützung der EU-Kommission

INHALTI NH A L T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2Z U S AM ME N F AS S U NG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3E I N LE I TUNG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4Z U FR IED E NH E IT IS T DI E GR U ND LA GE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5D I E D R E I R Ä U M E D E R Z U F R I E D E N H E I T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .5W O R K - L I F E - M A N A G E M E N T WI C H TI G F Ü R Z U F R I E D E N H E I T . . . . . . . . . . . . .6Z I E L E U N D I H R E U M S E T Z U N G . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .8W O R K- L IFE - B A L ANC E . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 2W O R K- L IFE - B A L ANC E: A US E U R OP ÄI SC H E R S I CH T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 4L I E B LI N G , B I S T D U Z U H A U S E ? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 7S TR A TE GI E N FÜ R WOR K - LI FE - MA N AG E M E N T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 0D A S E RF OLG S R E Z E P T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 4WI E S O L L T E N A R B E I T G E B E R V O R G E H E N ? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 6Ü BE R KAI RO S FU TUR E . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 8A N M E R K U NG E N . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 9 KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN2/29

ZUSAMMENFASSUNGEuropa steht sowohl einem zunehmenden weltweiten Wettbewerb als auch einem enormendemographischen Wandel gegenüber. Die europäischen Arbeitskräfte müssen effizienterund kompetenter werden, um mit dem Wettbewerb Schritt halten zu können, während dieBevölkerung altert und die zunehmende Zahl der Rentner von immer wenigerErwerbstätigen versorgt wird. Darüber hinaus erfolgt der Eintritt in den Arbeitsmarkt immerspäter, Familien werden später gegründet, und pro Familie werden weniger Kinder geboren.Zusammengenommen setzen diese Faktoren die Menschen am Arbeitsplatz zusätzlichunter Druck. Wir möchten gute berufliche Leistungen erbringen und gleichzeitig auch eingutes Leben führen können. Wie können wir diese Dualität bewältigen? Wie erreichen wirWork-Life-Management?Menschen, die mit ihrem Leben zufrieden sind und es geschafft haben, eine gute Work-LifeBalance zu erreichen, scheinen in drei Bereichen zufrieden zu sein, die wir als „Räume“bezeichnen: Der „Innere Raum” – der persönliche Bereich, der „Lebens-Raum“ – diePrivatsphäre, und der „Arbeits-Raum“ – der berufliche Bereich. Im „Inneren Raum” geht esdarum, mit sich selbst zufrieden zu sein, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und mit demLeben zurechtzukommen. Im „Lebens-Raum" geht es um eine vertrauliche und intimeBeziehung zu jemanden, auf den man sich verlassen kann und der einen unterstützt. Undim „Arbeits-Raum” geht es schließlich darum, am Arbeitsplatz Einfluss zu nehmen,Bestätigung zu erhalten und sich dort voll und ganz zu engagieren; außerdem geht es umVertrauen in die Vorgesetzten.Die Arbeitgeber könnten mindestens in zwei Räumen günstige Bedingungen fördern, indemsie eine offene und vertrauensvolle Betriebskultur schaffen, indem sie den FührungskräftenZeit für Zuwendung und Feedback für die Arbeitnehmer sowie für Überlegungen undGedanken am Arbeitsplatz und darüber hinaus geben. Die Arbeitgeber könnten auchsportliche Betätigung und Gesundheit unter ihren Arbeitnehmern fördern, wodurch sichdiese besser fühlen und bessere Leistungen erbringen würden.Ziele im Leben sind eine gute Sache, insbesondere, wenn man sie umsetzen kann. Wirhaben vier verschiedene Typen ehrgeiziger Menschen gefunden: die Leistungsträger, dieihre hohen Ziele in allen Lebensbereichen umsetzen können, die Überlasteten, die hoheZiele haben, sie aber nicht erreichen können, die Resignierten, die noch nicht einmalgeringe Ziele verwirklichen und schließlich die ‚Camper’, die zufrieden sind, wenn sie ihregeringen Ziele erreichen. Die Überlasteten und die Resignierten haben großeSchwierigkeiten, Work-Life-Balance zu erreichen. Sie fühlen sich sowohl im Berufs- als auchim Privatleben unzulänglich. Diese Menschen brauchen Hilfe, um mit ihren Situationenzurechtzukommen.Die Leistungsträger und die Camper scheinen mit der Work-Life-Balance gut klarzukommen.Es gibt natürlich Maßnahmen und Strategien, die auf politischer Ebene europaweit zurVerbesserung des Work-Life-Management umgesetzt werden können. Hierzu gehörenflexiblere Arbeitszeiten und neue Arbeitsweisen, d.h., es sollte dem Einzelnen überlassenwerden, wann und wo er arbeiten möchte, und die technischen Mittel sollten zur Verfügungstehen (IT, Telefon, usw.), um ihn dabei zu unterstützen. Diese Strategien müssen aufeuropäischer, nationaler und organisatorischer Ebene eingeführt werden.Zu weiteren Strategien gehören mehr Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder undabhängige Personen, längerer Elternurlaub mit besserer Bezahlung usw.; außerdemmüssen die Unternehmen dazu verpflichtet werden, für ihre ArbeitnehmerUnterstützungsmaßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance einzusetzen. DerStellenwert dieser Maßnahmen ist in ganz Europa von Land zu Land unterschiedlich.Die Gleichstellung der Geschlechter ist von großer Bedeutung. Männer und Frauen müssendie Belastungen des Berufs- und Privatlebens gemeinsam tragen. Sie müssen sichgegenseitig unterstützen, um mit dem Druck des modernen Lebens zurechtzukommen. KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN3/29

EINLEITUNGIn den letzten Jahren ist eine zunehmend intensive Debatte über Work-Life-Balance geführtworden: über die Art und Weise, wie wir mit unserem täglichen Leben umgehen, wenn wirdas mittlere Lebensalter erreichen und mehr Verantwortung und Sorgen haben.Wie wir sehen werden, will die Generation, die sich heute in dieser Lebensphase befindet,das Beste aus allen Lebensbereichen machen. Erfolg im Beruf alleine reicht nicht mehr - wirmüssen auch gute Eltern und körperlich fit sein und interessante Hobbys haben. Die 30- bis50-Jährigen haben hohe Ziele in allen Lebensbereichen und streben nach einem ‚perfektenLeben' und dem idealen Bild des ‚Glücks’. Wir nennen diese Menschen die GenerationEhrgeiz.Viele der heute 30- bis 40-Jährigen ‚verlängern’ ihre Jugend und leben so, wie es früher imspäten Teenager-Alter üblich war. Diese Gruppe wird später sesshaft, bildet später Familieund bekommt später Kinder. Sie versuchen, Karriere und Familie in den kurzen Zeitraumzwischen 30 und 50 Jahren zu pressen. In dieser Zeit muss ein Gleichgewicht zwischendem beruflichen und privaten Leben hergestellt werden, was als Work-Life-Managementbezeichnet wird.Viele erreichen dieses Gleichgewicht und kommen mit dem Stress zurecht, während anderewiederum überfordert werden - sie werden ausgebrannt oder stressüberladen. Diezunehmende Zahl der Krankentage, häufig aufgrund psychosomatischer Faktoren, zeigendeutlich, dass wir trotz zunehmendem Wohlstand immer unzufriedener werden.Die 30- bis 50-Jährigen tragen die Gesamtverantwortung für die moderneWohlfahrtsgesellschaft. Sie bilden die Mehrheit der Arbeitskräfte in Unternehmen,Entscheidungsgremien und Organisationen und auch der Verbraucher. Ihr möglichesScheitern am Umgang mit dem Leben kann ernsthafte Folgen für die Gesellschaft haben.Wir möchten mehr darüber erfahren, was jeder Einzelne und die Arbeitgeber beitragenkönnen, um dieser Generation – und anderen – zu helfen, besser mit ihrem Lebenzurechtzukommen.Die aktuelle Debatte beschäftigt sich weitgehend mit der ‚Work-Life-Balance’. Hier bemühenwir uns um einen in die Tiefe gehenden Blick auf das Work-Life-Management, d.h., wie dieMenschen mit den heutigen Anforderungen zurechtkommen könnten.In diesem Bericht wollen wir verstehen und erläutern, welche Faktoren fürLebenszufriedenheit sorgen, trotz Stress und hoher Ziele, trotz zunehmenderAnforderungen am Arbeitsplatz und im Privatleben. Im Rahmen dieser Studie soll deshalbbestimmt werden, wer zu den ‚Gesunden’ und im Privat- und Berufsleben ‚Zufriedenen’gehört.Kern dieses Berichts ist eine Umfrage, die von Kairos Future in sechs europäischenLändern zum Thema Work-Life-Balance durchgeführt worden ist: die Umfrage ‚GenerationiEhrgeiz’ . Wir konzentrieren uns also auf die Generation der 30- bis 50-Jährigen. Um einbreiteres Bild zu liefern, haben wir auch andere Generationen, Länder und Daten aus einerReihe offener Quellen der EU und der Forschungsgemeinschaften berücksichtigt. KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN4/29

ZUFRIEDENHEIT IST DIEGRUNDLAGEWork-Life-Balance oder Work-Life-Management – was ist das? Besteht eine Beziehungzwischen Work-Life-Balance und Zufriedenheit?Das englischsprachige Wikipedia liefert folgende Definition: „Work-Life-Balance ist daseigentliche Priorisieren zwischen „Arbeit“ (Karriere und Zielsetzungen) einerseits und„Leben" (Vergnügen, Freizeit, Familie und geistige Entwicklung) andererseits. Verwandte,wenn auch umfassendere Begriffe sind „Lifestyle-Balance“ und „Life-Balance“. [ ] hierinliegt eine starke individuelle Komponente. Das heißt, die Bedürfnisse, Erfahrungen und Zielejedes Einzelnen definieren das Gleichgewicht, und es gibt keine Einheitsgröße. Work-LifeBalance hat nichts mit einem exakten zeitlichen Gleichgewicht zwischen Berufs- undPrivatleben zu tun”.iiEs geht also um die Möglichkeiten für die Menschen, ihr Leben unter Berücksichtigungpersönlicher Wünsche, familiärer Bedürfnisse und Ansprüche sowie ihrer beruflichenVerpflichtungen zu führen. Wer in allen drei Bereichen zufrieden ist, ist – wenigüberraschend - mit seinem Leben zufrieden.DIE DREI RÄUME DER ZUFRIEDENHEITZufriedenheit wird hier als die subjektive Wahrnehmung der Zufriedenheit mit dem Leben imAllgemeinen angesehen. Es gibt drei Faktoren, die mit drei verschiedenen Bereichen desUmfelds einer Person in Verbindung stehen: ein persönlicher Bereich – der ‚Innere Raum’,eine Privatsphäre – der ‚Lebens-Raum’ und ein beruflicher Bereich – der ‚Arbeits-Raum’.Um zufrieden zu sein und um mit dem Leben zurechtzukommen, bedarf es einer positivenEinstellung, eines Partners, den man liebt und auf den man sich verlassen kann sowie einesstimulierenden Arbeitsplatzes, der sich durch Einflussnahme, Bestätigung und Engagementauszeichnet. Hinzu kommt noch das Vertrauen in die Vorgesetzten. Die folgende Abbildungillustriert die wichtigsten Schlussfolgerungen.Abb. 1.Der Innere Raum, der Lebens-Raum und der Arbeits-Raum fördern dieBedingungen für ein gutes Leben. KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN5/29

Der Innere Raum: Denkweise und Einstellung sind derSchlüsselAm wichtigsten ist eine positive Einstellung. Dies erscheint zwar selbstverständlich, aber wirdürfen nicht übersehen, dass Empfänglichkeit für positives Denken ein wesentlicher Faktorfür die Zufriedenheit eines Menschen ist. Zu den Eigenschaften von Menschen, die dasLeben positiv betrachten, gehören beispielsweise im Allgemeinen zufriedener undglücklicher sowie stärker und voller Energie zu sein.Aber es gibt zwei Hauptmerkmale, die Menschen mit positiver Einstellung von den anderenunterscheiden: erstens sind sie proaktiver und zweitens sehen sie optimistisch in dieZukunft. Beide Faktoren fließen in dem Ausdruck zusammen ‚Ich bin völlig frei und habemeine Zukunft in meiner Hand’.Der Lebens-Raum: Kann Liebe etwas verändern?Der zweitwichtigste Faktor ist die Zufriedenheit in Beziehungen im Allgemeinen undromantischen Beziehungen im Besonderen. Hier konzentrieren wir uns auf persönlicheBeziehungen im Allgemeinen und auf die Beziehung zu einem Partner im Besonderen.Alle Beziehungen sind natürlich nicht gleich. Lediglich einen Partner zu haben, macht einenMenschen nicht zufriedener oder glücklicher. Die Beziehung muss gesund und liebevollsein, damit sie sich positiv auswirken kann. Wesentliche Faktoren für eine funktionierendePartnerbeziehung sind: sich anerkannt und geliebt zu fühlen, sich auf einen Partner bei allenProblemen des Lebens und allen Schwierigkeiten verlassen zu können und schließlich dieBeziehung als gleichberechtigte Partnerschaft zu betrachten, in der häusliche Pflichtenzufrieden stellend geteilt werden.Der Arbeits-Raum: Stimulierung statt StrukturDer letzte kritische Faktor bezieht sich auf Beziehungen am Arbeitsplatz, die sich auf dieberufliche Zufriedenheit auswirken. Selbst wenn die persönlichen Beziehungen völligzufrieden stellend sind, hat Unzufriedenheit am Arbeitsplatz negative Folgen für dieZufriedenheit eines Menschen mit seinem Leben insgesamt.Die Faktoren, die am stärksten mit der beruflichen Zufriedenheit in Zusammenhanggebracht werden, lassen sich mit drei umfassenden Begriffen zusammenfassen:Einflussnahme, Bestätigung und Engagement. Außerdem ist es sehr wichtig fürArbeitnehmer, ihren Führungskräften oder Vorgesetzten vertrauen zu können.WORK-LIFE-MANAGEMENT WICHTIG FÜRZUFRIEDENHEITZufriedenheit hängt in gewissem Grad von Work-Life-Balance ab, aber natürlich führen auchandere Faktoren in den oben genannten drei Räumen zu Zufriedenheit.Laut der Umfrage ‚Generation Ehrgeiz’ macht Work-Life-Balance rund 10 % derZufriedenheit aus. Das heißt, sie ist sehr wichtig, sollte aber nicht als die Lösung angesehenwerden.Liebe und Arbeit beeinflussen sich gegenseitigZusammenfassend können wir sagen, dass eine positive Einstellung und eine guteBeziehung zu einem unterstützenden Partner die Hauptfaktoren für die Zufriedenheit unddas Wohlbefinden eines Menschen sind. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass sich auchdie Arbeit erheblich auf die Lebenszufriedenheit auswirkt. Die Arbeitgeber können einengroßen Einfluss auf die beiden persönlichen Räume ausüben. Sie können ihrenArbeitnehmern zum Beispiel sichere Arbeitsplätze durch Festanstellungen und positivesFeedback bieten. Somit werden die Arbeitnehmer das Gefühl haben, ihr Leben und ihreZukunft in den eigenen Händen zu halten, was ein entscheidendes Element für positive KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN6/29

Zukunftsperspektiven ist. Dies wird sich wiederum positiv auf die Beziehungen derArbeitnehmer auswirken. Wer sich keine Sorgen um die Zukunft machen muss, kann sichstärker auf die Gegenwart und seine Angehörigen konzentrieren. Ein stimulierenderArbeitsplatz ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt für die berufliche Zufriedenheit. Dies ist zwareine scheinbar offensichtliche Schlussfolgerung, aber dennoch muss auf die kritischeBedeutung der Arbeit und ihre enorme Auswirkung auf das persönliche Leben derArbeitnehmer hingewiesen werden.Beziehung des Arbeitnehmers zu Vorgesetzten istentscheidendInteressanter - und auch überraschenderweise ist festzustellen, dass das Vertrauen inVorgesetzte ein wesentlicher Aspekt der beruflichen Zufriedenheit und derWahrscheinlichkeit eines Arbeitsplatzwechsels oder häufiger Krankmeldungen darstellt(siehe Abb. 2).Das heißt, dass die Wahrnehmung einer Führungskraft vom Rest der Arbeitnehmer vielwichtiger ist als ihre Leistungen. Keine Leistung ohne Vertrauen.Dies sollte vielleicht in Anreizsystemen berücksichtigt werden.Abb. 2.Tatsächliche undwahrgenommeneZufriedenheit: zweiPaar SchuheDie geschlechtsspezifischenUnterschiede waren zwar nicht so großwie erwartet, aber sie warenvorhanden. Hierzu gehörten Faktorenwie Sorgen, Stress, Finanzen undTeilung der häuslichen Pflichten. DieFrage der Teilung der häuslichenPflichten ist besonders interessant. DieVerteilung ist sehr ungleich – Frauenübernehmen den größten Teil derHaushaltsarbeit. Sowohl Männer alsauch Frauen sind trotzdem mit derTeilung der Pflichten zufrieden undglauben, dass ihre Beziehunggleichberechtigt ist. Die Ergebnissezeigten auch, dass Frauen und Männerdie Wirklichkeit unterschiedlichwahrnehmen. Scheinbar nehmenMänner nicht alle Aufgaben wahr, dieihre Partnerinnen zu Hause ausführen.Siehe Seite 15 und folgende.Bei geringem Vertrauen in Vorgesetzte,verdreifacht sich beinahe dieWahrscheinlichkeit einesArbeitsplatzwechsels!Proportion who plan tochange their job among those100%80%60%41%40%20%23%15%0% feel highconfidencein theirsupervisor feelmoderateconfidencein theirsupervisor KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN feel lowconfidencein theirsupervisor7/29

Zufrieden trotz ZeitmangelZeit ist ein entscheidender Faktor für Work-Life-Balance und -Management. Besteht derEindruck eines (großen) Zeitmangels, ist alles aus dem Gleichgewicht. Ein Spitzname fürdie Generation Ehrgeiz ist YUPPLOTS – Young Urban Professional Parents with Lack OfTime (Junge städtische berufstätige Eltern mit Zeitmangel).Es gibt eine Reihe von Faktoren des Berufs- und Privatlebens, die für die Zufriedenheit derMenschen trotz Zeitmangel wichtig sind: Unterstützung (vom Partner zu Hause und von den Arbeitskollegen). Freizeit (Zeit, die weder für die Arbeit noch für familiäre Verpflichtungen verwendetwird, d.h.‚ Zeit für sich selbst’). Flexible Arbeitszeit (über Arbeitszeit bestimmen zu können).Die o. g. Strategien sind für das Work-Life-Management unverzichtbar und gehören lauteiner EU-Umfrage (siehe Seite 20) zu den wichtigsten, insbesondere die dritte Strategie,nämlich die flexiblen Arbeitszeiten und –bedingungen, auf die der Arbeitnehmer Einflussnehmen kann.ZIELE UND IHRE UMSETZUNGERFÜLLUNG HOHER ANSPRÜCHEDie Generation der 30- bis 50-Jährigen hat hohe Ansprüche. 4 von 5 Angestellten gebenzum Beispiel an, dass sie hohe Ansprüche an ihre Arbeitsleistung haben und 82 % habenhohe Ansprüche, wenn es darum geht, sich Zeit für die Familie zu nehmen (siehe Abb. 3).Wichtiger noch: 2 von 3 haben hohe Ansprüche in beiden Bereichen. Und bei denFührungskräften ist die Zahl sogar noch größer: 73 % haben hohe Ansprüche sowohl anihre Arbeitsleistung als auch daran, wie viel Zeit sie mit ihren Familien verbringen.Außerdem hat der typische Vertreter der Generation Ehrgeiz auch hohe Ansprüche inBezug auf die persönliche Entwicklung und auf die Freizeit.Es gibt geringe Unterschiede zwischen Führungskräften und Nicht-Führungskräften. DieFührungskräfte haben höhere Ansprüche an ihre Arbeit, während die Nicht-Führungskräfteoffenbar höhere Ansprüche an ihre Familienzeit haben. Es ist wenig überraschend, dassFührungskräfte erheblich höhere Ansprüche an ihre Karriere stellen. KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN8/29

Make time for family82%81%Develop as a person80%82%78%Perform well at workHave time for one's own leisure70%66%Spend time with friends and family65%60%Take care of house and homeNon-manager61%65%Become materially well offManager56%52%Keep in shape52%48%Care for once appearance and looks40%40%Work to create a better world38%Make a career54%20%24%Follow trends0%Abb. 3.86%75%70%10%20%30%40%50%60%70%80%90%100%Anteil der Angestellten, die hohe Ansprüche an verschiedeneLebensbereiche haben. Führungskräfte und Nicht-Führungskräfte. (Quelle:Kairos Future)Glücklicherweise geben einige auch an, dass sie ihren Ansprüchen gerecht werden: 3 von 4erfüllen ihre Ansprüche am Arbeitsplatz und 2 von 3 gelingt dies in Bezug auf ihreFamilienzeit (siehe Abb. 4.Anteil der Angestellten (Führungskräfte und NichtFührungskräfte), die hohe Ziele in verschiedenen Lebensbereichen haben, im Vergleichzum Anteil derer, die ihre Ansprüche in diesen Bereichen erfüllen (Quelle: Kairos Future)Rund die Hälfte der Angestellten (54 %) werden ihren Ansprüchen in beidenLebensbereichen gerecht. Für die andere Hälfte gilt dies jedoch nicht. Und noch wenigerFührungskräfte schaffen es, alle ihre Lebensziele zu erreichen.Make time for family-17%Develop as a person-19%80%74%-6%-19%Spend time with friends and family53%-8%62%54%40%Care for once appearance and looksDifference41%42%1%10% 21% 31%Follow trends-40%Abb. 4.55%40%33%-7%Make a careerManage tolive up toambitions51%45%-6%Work to create a better world64%55%-15%Have highambitions69%-9%Become materially well offKeep in shape74%55%-15%Take care of house and home80%61%Perform well at workHave time for one's own leisure82%65%-20%0%20%40%60%80%100%Anteil der Angestellten (Führungskräfte und Nicht-Führungskräfte), die hohe Zielein verschiedenen Lebensbereichen haben, im Vergleich zum Anteil derer, die ihreAnsprüche in diesen Bereichen erfüllen (Quelle: Kairos Future)Ein Scheitern bei der Erfüllung der eigenen Ziele hat schwerwiegende Folgen für dieLebenszufriedenheit insgesamt: Nur 44 % der extrem ehrgeizigen Menschen, die ihre KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN9/29

eigenen Ziele nicht erreichen, sind mit dem Leben insgesamt zufrieden. Bei extremehrgeizigen Menschen, die ihre Ziele erreichen, liegt die Zahl bei 74 %. Eine entscheidendeFrage ist also: Was hilft den Vertretern der ‚Generation Ehrgeiz’, ihren hohen Ansprüchenan sich selbst gerecht zu werden?Die Ehrgeiz-MatrixLevel of AmbitionWir glauben, dass sowohl Zufriedenheit als auch Work-Life-Management mit Zielen iniiiBeziehung stehen . Deshalb befassten wir uns eingehend mit den Zielen der Befragten inverschiedenen Lebensbereichen. Wir fragten auch, in welchem Maße sie ihrer Ansicht nachihre Erwartungen erfüllten. Ausgehend von diesen beiden Fragen konnten wir vierverschiedene Gruppen bestimmen. Diese vier Gruppen werden graphisch in einer EhrgeizMatrix zusammengefasst, siehe Abb. 5.Niveau der Ziele und der Erfüllung: Istjeder dazu in der Lage?OVER STRETCHEDHIGH ACHIEVERSGood work-lifebalance: 37 %Good work-lifebalance: 61 %RESIGNEDCAMPERSGood work-lifebalance: 35 %Good work-lifebalance: 56 %Satisfied with lifeas a whole: 44 %Satisfied with lifeas a whole: 39 %Satisfied with lifeas a whole: 74 %Satisfied with lifeas a whole: 57 %Fulfillment of AmbitionAbb. 5.Niveau der Ziele und der Erfüllung: Ist jeder dazu in der Lage?DIE LEISTUNGSTRÄGER: Sie werden ihren hohen Ansprüchen gerecht. Sie nehmen sichZeit für sich selbst, treiben regelmäßig Sport, sind gesund, ihre finanzielle Lage ist gut, undsie können sich der Unterstützung der sie umgebenden Menschen sicher sein. Ihre WorkLife-Balance ist gut.DIE ÜBERLASTETEN: Sie werden ihren hohen Ansprüchen nicht gerecht. Die in den1970er Jahren Geborenen sind in dieser Kategorie leicht überrepräsentiert: sie sind häufigangestellt, völlig gestresst und fühlen sich krank. Außerdem treiben sie seltener Sport.DIE RESIGNIERTEN: Den Vertretern dieser Kategorie gelingt es nicht, ihre geringen Zielezu verwirklichen. Es handelt sich hierbei häufig um Männer, die in kleinen Unternehmentätig sind, in Kleinstädten leben und eine berufliche Ausbildung absolviert haben. DiesePersonen arbeiten nur selten als Freiwillige in gemeinnützigen Organisationen und leidenunter Schlafstörungen.DIE CAMPER: Die Camper haben zwar nur wenige Ziele, aber sie können sie erreichen.Bei ihnen handelt es sich häufig um Männer, die in der Stadt leben. Sie sind inUnternehmen mit 51-200 Beschäftigten tätig, befinden sich oft in Führungspositionen underleben nur selten Phasen mit extremer Arbeitsbelastung. Ihre Work-Life-Balance ist gut. KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN10/29

Zufriedenheit mit dem Leben, Work-Life-Balance undhohe Leistungen sind miteinander verflochtenDer Status des ‚Leistungsträgers’ ist sicher erstrebenswert, aber es besteht die Gefahr, dassdie Erfüllung der eigenen hohen Ansprüche auch einen Preis hat. Zum Beispiel gab nur dieHälfte der in dieser Untersuchung Befragten (52 %) an, dass sie allgemein eine gute WorkLife-Balance aufrechterhalten können. 45 % leiden unter Zeitmangel – davon sind 55 %Führungskräfte. Glücklicherweise ist ein erheblich größerer Anteil (63 %) mit dem Leben imAllgemeinen zufrieden.Die drei Parameter Erfüllung der eigenen Ziele, allgemeine Zufriedenheit mit dem Lebenund wahrgenommene Work-Life-Balance erweisen sich jedoch als eng miteinanderverflochten. So geben 75 % derer, die eine gute Work-Life-Balance aufrechterhalten, an,dass sie mit ihrem Leben als Ganzem zufrieden sind. Von denen, die keine Work-LifeBalance erreichen, ist nur die Hälfte (51 %) mit dem Leben im Allgemeinen zufrieden. Unddie Leistungsträger (extrem ehrgeizige Personen, die ihre hohen Ziele erreichen) leidennicht unter mehr Stress als diejenigen, die sich weniger Ziele im Leben gesetzt haben.Es ist also vollkommen möglich, ein Leistungsträger zu sein, ohne eine gute Work-LifeBalance zu erreichen und umgekehrt – es ist in der Tat möglich ‚alles zu haben’ – genau wiees die Generation Ehrgeiz will. Allerdings nur, wenn die entsprechenden Voraussetzungengegeben sind.Leistungsträger unterscheiden sich vomdurchschnittlichen BefragtenSowohl die Leistungsträger als auch die Camper geben an, dass sie ihre Ziele erreichenkönnen. Gemeinsam ist diesen beiden Gruppen die Unterstützung durch Familie undFreunde, gutes und deutliches Teilen der häuslichen Pflichten, eine gesunde finanzielleLage mit Ersparnissen und zu guter Letzt eine gute Work-Life-Balance.Was macht die Leistungsträger so besonders? Warum sind sie mit dem Leben zufrieden?Eine gute Beziehung und Unterstützung vom Partner sind die wichtigsten Faktoren für dieErmutigung ehrgeiziger Personen, gute Leistungen zu erbringen und ihre Ziele zu erfüllen.Die Vertreter dieser Gruppe unterscheiden sich vom Rest, weil sie eher Prioritäten setzen,indem sie regelmäßig Sport treiben, sich Zeit für sich selbst nehmen, ihrem Aussehen undder Fitness einen großen Stellenwert beimessen.Sie scheinen in der Lage zu sein, ihr Leben in verschiedenster Hinsicht im Griff zu haben.Sie können ihre eigene Arbeit mit guten Unterstützungssystemen in Kombination mit klarerVerantwortungsverteilung und Autorität am Arbeitsplatz bewältigen.Sie haben auch keine Probleme damit, um Hilfe zu bitten. Anstatt alles selbst zu können undzu machen, bitten sie bei Bedarf um Unterstützung und Hilfe, sowohl in ihrem Privatlebenals auch am Arbeitsplatz. KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN11/29

WORK-LIFE-BALANCEGibt es ein Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben? Wie können wir diesesGleichgewicht beschreiben?ivDieMichael Kastner illustriert das Gleichgewicht durch eine Wippe (siehe Abb. 6.Dynamik zwischen persönlichen, situativen und organisatorischen Faktoren zum Ausgleichvon Druck und Ressourcen (übernommen von Michael Kastner)Jeder Mensch unterliegt Druck und Anforderungen, sowohl von innen als auch von außen.Auf der anderen Seite der Wippe befinden sich einige Ressourcen, um diesen Druckauszugleichen. Und schließlich gibt es einige Puffer, die das Schaukeln abschwächen. Auchdiese haben persönliche, situative und organisatorische Perspektiven.Abb. 6.Die Dynamik zwischen persönlichen, situativen und organisatorischen Faktorenzum Ausgleich von Druck und Ressourcen (übernommen von Michael Kastner)Die Ressourcen und Puffer werden auch in der Work-Life-Management-Karte aufgegriffen.Die Work-Life-Management-KarteWichtige Maßnahmen zur Erreichung der Work-Life-Balance stellt die Work-Life-BalanceKarte von Angestellten dar (Abb. 7, Quelle: Kairos Future). Die vertikale Achse zeigt denAnteil der Befragten an, die verschiedenen Äußerungen zu ihrem Arbeitsplatz und ihrerberuflichen Situation zustimmen. Die horizontale Achse zeigt den Zusammenhang zwischenjeder Äußerung und der wahrgenommenen Work-Life-Balance der Befragten. KAIROS FUTURE AB 2008 P.O. BOX 804 SE–101 36 STOCKHOLM, SWEDEN12/29

Abb. 7.Wichtige Maßnahmen zur Erreichung der Work-Life-Balance (Quelle: KairosFuture)Zeit für Überlegung und Reflexion hat erheblich positive Auswirkungen auf die Work-LifeBalance. An den temporeichen Arbeitsplätzen von heute hat weniger als ein Drittel derAngestellten das Gefühl, über diese Zeit zu verfügen. Andere wichtige Voraussetzungen fürWork-Life-Balance sind ausreichende Unterstützung, Wertschätzung und Bestätigung.Zwischen 1/3 und 2/3 der Angestellten meinen, dass sie diese Bestätigung und diesesFeedback von ihren Führungskräften erhalten. Über 2/3 von ihnen meinen, dass sie eingutes Gleichgewicht zwischen Verantwortung und Autorität sowie eine gute Atmosphäre amArbeitsplatz erreicht haben. Dies macht Hoffnung darauf, dass sie mit dem Arbeitsleben undsomit mit dem Leben im Allgemeinen zufrieden sind.Die Mehrheit der Angestellten hat außerdem den Eindruck, dass sie ihre Arbeitssituationund ihre Arbeitszeit beeinflussen können. Dies bedeutet, dass sie über einige Maßnahmenverfügen, um Work-Life-Balance zu erreichen. Somit verfügen sie in gewissem Maße überdie Mittel, die für die Bewältigung ihres Berufs- und Privatlebens erforderlich sind.vEine Studie aus dem Jahr 2008 an 8.000 schwedischen Stellenanzeigen ergab, dass diegefragtesten Eigenschaften der Bewerber ‚strukturiert’, ‚gute Leistungen unter Druck' und‚selbständig' waren. Anders ausgedrückt: Da der Arbeitsplatz nicht ausreichend Strukturoder Unterstützung und Coaching bieten wird, muss der Arbeitnehmer sich um sich selbstkümmern und den Stress, der sich häufig daraus ergibt, bewältigen können.Wie wir gesehen haben, ist es jedoch keine gute Idee zu versuchen, Superman oderSuperwoman zu sein. Um Hilfe zu bitten, macht das Leben leichter, auch - oder gerade - fürdie Leistungsträger. Wenn es in der Organisation jedoch keine Kultur der Unt

berufliche Zufriedenheit auswirken. Selbst wenn die persönlichen Beziehungen völlig zufrieden stellend sind, hat Unzufriedenheit am Arbeitsplatz negative Folgen für die Zufriedenheit eines Menschen mit seinem Leben insgesamt. Die Faktoren, die am stärksten mit der beruflichen Zufriedenheit in