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Anna Kathrin HoltwiescheSoziale Betreuungrichtig dokumentierenDas Dokumentationsinstrument DI-ABBAQualitätsichern –denWohlbefinfördernpflegepraxis

Anna Kathrin HoltwiescheSoziale Betreuung richtig dokumentierenpflegeDas Dokumentationsinstrument DI-ABBApraxis

Anna Kathrin Holtwiesche ist Sozialarbeiterin (B. A.) und seit mehrerenJahren in der Altenarbeit tätig

Mit DI-ABBA können Sie genaudas dokumentieren, was Sie sollen:Ihr Angebot und seine Wirkung aufdas (Wohl-)Befinden eines Bewohners.

pflegebrief – die schnelle Information zwischendurchAnmeldung zum Newsletter unter www.pflegen-online.deBibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der DeutschenNationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttp://dnb.ddb.de abrufbar.ISBN 978-3-89993-960-6 (Print)ISBN 978-3-8426-8925-1 (PDF)ISBN 978-3-8426-8926-8 (EPUB) 2018 Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG,Hans-Böckler-Allee 7, 30173 HannoverAlle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalbder gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden. Alle Angaben erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Autoren und des Verlages. Für Änderungen und Fehler, die trotz der sorgfältigen Überprüfung aller Angaben nicht völlig auszuschließen sind, kann keinerlei Verantwortung oder Haftung übernommen werden.Die im Folgenden verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen stehen immer gleichwertigfür beide Geschlechter, auch wenn sie nur in einer Form benannt sind. Ein Markenzeichen kannwarenrechtlich geschützt sein, ohne dass dieses besonders gekennzeichnet d:Satz:Druck:Groothuis, Lohfert, Consorten, HamburgKerker Baum, Büro für Gestaltung GbR, HannoverKzenon – stock.adobe.comPER Medien & Marketing GmbH, BraunschweigSilber Druck oHG, Niestetal

5InhaltVorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91.1 Ziele der Sozialen Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101.2 Dokumentieren Sie einfach – mit DI-ABBA . . . . . . . . . . . . . . . . 102Unverzichtbar für die Altenhilfe: Soziale Betreuung . . . . . . . . . . 142.1 Wichtig für Ihre Arbeit: § 43b SGB XI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152.2 Betreuungskraft: empathisch, kommunikativ und kreativ . . . 172.2.1 Empathie: Erkennen Sie Bedürfnisse und schätzen Siesie ein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182.2.2 Kommunikationsfähigkeit: Sagen und schreiben Sie,was Sie erleben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222.2.3 Kreativität: Setzen Sie immer wieder neue Impulse . . . 233Dokumentation – die Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263.1 Anforderungen an die Dokumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263.2 Dokumentation der Sozialen Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 273.2.1 Dokumentation der Betreuung von demenziell veränderten Menschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313.3 Dokumentation – mehr als ein Beweismittel . . . . . . . . . . . . . . . 323.4 Basis der Dokumentation: Pflegesysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343.4.1 »Aktivitäten (und Beziehungen) und existenzielle Erfahrungen des Lebens« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 353.4.2 Das Strukturmodell mit der SIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 363.5 Begutachtungsinstrument (NBI) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383.6 Wer dokumentiert was? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393.7 Dokumentation der Sozialen Betreuung – K riterien . . . . . . . . 393.7.1 Erfassung von Lebensqualität: DCM & H.I.L.DE. . . . . . 403.7.2 Was ist eigentlich »Wohlbefinden«? . . . . . . . . . . . . . . . . . 463.8 Warum ist die Biografie eines Menschen so wichtig? . . . . . . . . 503.9 Methoden und Dokumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 524DI-ABBA – leicht und übersichtlich dokumentieren . . . . . . . . . . . 554.1 Soziale Betreuung als Prozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55

6Inhalt4.2 DI-ABBA als Nachweis von Lebensqualität und Angebots planung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 584.2.1 DI-ABBA: analog und digital . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 594.3 DI-ABBA – die vier Bestandteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 594.3.1 A wie Angebot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 614.3.2 B wie Beobachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 624.3.3 B wie Bewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 644.3.4 A wie Aktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 674.4 Vorteile von DI-ABBA: Qualität, Inhalte und Verbindungen . 684.5 DI-ABBA in der Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 704.5.1 DI-ABBA und die allgemeinen Leistungenzur Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 714.5.2 DI-ABBA und die Betreuung von Menschenmit Demenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 824.6 Berichteblatt – Ressource für Ihre Dokumen tationmit DI‑ABBA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1005Praxistipps für den Umgang mit DI-ABBA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1055.1 Worauf Sie bei »Angebot« achten sollten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1055.2 Worauf Sie bei »Beobachtung« achten sollten . . . . . . . . . . . . . . 1065.3 Worauf Sie bei »Bewertung« achten sollten . . . . . . . . . . . . . . . . 1075.4 Worauf Sie bei »Aktion« achten sollten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1085.5 Dokumentieren Sie mit fest vereinbarten Begriffen . . . . . . . . . 1105.5.1 Formulierungshilfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1115.6 Treffen und deuten Sie Aussagen richtig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1126DI-ABBA – wissenschaftliche Basis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1176.1 Deming-Kreis und PDCA-Zyklus: Denken Sie in Prozessen . . 1186.1.1 PDCA und DI-ABBA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1196.2 Gewaltfreie Kommunikation: Kommunizieren Sie wertfrei . . 1216.3 Kybernetik: Was Sie über das Beobachten wissen sollten . . . . 1246.3.1 Kybernetik erster Ordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1256.3.2 Kybernetik zweiter Ordnung – der Beobachter als Teildes Systems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1276.4 Hermeneutik: Was Sie über Interpretation und Deutung wissen sollten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132

VorwortDie Dokumentation in der Sozialen Betreuung ist keine leichte Aufgabe.Neben den Maßnahmen an sich geht es auch darum, deren Akzeptanz beiden Bewohnern zu protokollieren. Dabei treffen Sie auf die Herausforderung, häufig nur anhand von Mimik und Gestik einschätzen zu können, obIhr Angebot auch wirklich bei den Bewohnern ankommt.Als Betreuungskraft sind Sie also besonders gefordert, denn die Dokumentation Ihrer Arbeit dient gleich mehreren Zwecken: Sie ist eine Absicherung, ein Nachweis für Ihre Tätigkeit. Sie ist eine wichtige Information für das Sie unterstützende Team(Betreuungs- und Pflegekräfte, Pflegedienst- und Bereichsleitungen,Ärzte und externe Kräfte wie z. B. Ergotherapeuten etc.). Sie ist eine wichtige Information für Prüfgremien wie den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung). Sie ist die Basis zur Verbesserung Ihrer Angebote in der Sozialen Betreuung.Ihre Aufgabe als Betreuungskraft ist es u. a., mit Ihren Angeboten dasWohlbefinden der Ihnen anvertrauten Personen zu erhalten oder zu verbessern. Ihre Angebote sollten auch ständig optimiert werden – ob Ihnen dasgelingt, lässt sich nur im Zusammenhang mit einer lückenlosen, vergleichbaren Dokumentation erkennen.Nun betreuen Sie aber sehr unterschiedliche Personen mit verschiedenenVorlieben, Bedürfnissen, seelischen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Sie bewegen sich außerdem zwischen den geplanten Angeboten undden überraschend notwendig werdenden Alternativen, denn Sie müssenbeständig die Tagesform der Ihnen anvertrauten Menschen berücksichtigen. Und all das vor dem Hintergrund, dass viele Ihrer Bewohner durcheine Demenz eingeschränkt sind.7

8VorwortMenschen mit Demenz – eine wachsende KlientelIn Deutschland leben derzeit rund 1,6 Millionen Menschen, die vonDemenz betroffen sind. Jedes Jahr gibt es ca. 300 000 Neuerkrankte.*Von den Pflegeheimbewohnern sind rund zwei Drittel von einer Demenzerkrankung betroffen.*Deutsche Alzheimer Gesellschaft (o.J.). Informationsblatt 1. Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen. Im Internet: formationsblaetter-downloads.html [Zugriff am 23.10.2017]Sie können das Problem der Dokumentation unterschiedlich lösen: mit Formulierungshilfen, die Sie einfach abschreiben; oder in vier einfachen Schritten: mit DI-ABBA!Ich habe das Dokumentationsinstrument DI-ABBA entwickelt, weil ich inmeiner Praxis in der zusätzlichen Betreuung sehr häufig auf Dokumentationen stoße, in denen sich Beobachtetes und Vermutungen (»Bewohnerinfuchtelte ›aggressiv‹ mit den Händen«) miteinander vermischen. Oder indenen einfach (nur) sachliche Informationen stehen (»Bewohner hat amGesprächskreis teilgenommen«).Tatsächlich gelingt es Ihnen mit DI-ABBA, sehr schnell und einfach genaudas zu dokumentieren, was Sie dokumentieren sollen: das Angebot undseine Wirkung auf das (Wohl-)Befinden eines Bewohners.Crailsheim, März 2018 Anna Kathrin Holtwiesche

1EinleitungWas auch immer Sie in der Sozialen Betreuung tun, Sie müssen es aufschreiben. Genau dafür ist die Dokumentation da – und damit tauchen zwei Fragen auf, die Sie beantworten müssen:1. Was genau soll ich dokumentieren?2. Wie soll ich dokumentieren?Sie kennen vielleicht sogar eine gute Hilfe, die Sie bei dieser Aufgabe unterstützt – die Formulierungshilfe-Bücher für die Soziale Betreuung –, die esin unterschiedlichen Variationen auf dem Buchmarkt gibt. Schauen wirdoch einmal hinein: Zwei Erkenntnisse gewinnen wir sofort:1. Die meisten Formulierungshilfen sind vorformulierte Floskeln (»Herr B.kann seine Position im Bett selbstständig verändern.«).2. Es gibt kein Buch, das für jede Situation und jedes individuelle Verhalteneines Klienten tatsächlich immer die passende Formulierung bietet. (Wasschreiben Sie z. B., wenn Herr B. seine Position im Bett zwar selbstständigwechseln kann, dies aber nicht jeden Tag der Fall ist?)FazitFormulierungshilfen für die Soziale Betreuung lassen sich schnell und einfach abschreiben. Ihre Dokumentation füllt sich fast wie von selbst. Allerdings müssen Sie solche Formulierungshilfen immer noch auf die individuelle Situation anpassen – so wird es von einigen Autoren vonFormulierungshilfe-Büchern auch ehrlicherweise erwähnt. Stefanie Hellmann etwa sagt: »Formulierungshilfen sollen Ihnen Impulse für eigene,individuell an den Bewohner angepasste Formulierungen«* geben.*Hellmann, S. (2015). Formulierungshilfen Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung. Hannover: Schlütersche, S. 70Sie müssen also immer selbst dafür sorgen, dass Ihre Dokumentation derSozialen Betreuung das Verhalten der Ihnen anvertrauten Menschenbeschreibt, aber auch Ihre Leistung als Betreuungskraft wiedergibt: Einegelungene Dokumentation zeigt sich dadurch, dass Sie die Qualität IhrerArbeit einschätzen und erkennen, was Sie damit alles bewirken. Dann hilft9

10EinleitungIhnen die Dokumentation auch dabei, Ihre Arbeit nachvollziehbar zumachen und sie zu verbessern.1.1Ziele der Sozialen BetreuungOberstes Ziel der Sozialen Betreuung ist es, das Wohlbefinden des Kundenzu verbessern. Und zwar in direkter Verbindung mit den Angeboten der Sozialen Betreuung.Sie müssen also nicht nur dokumentieren, dass Sie ein Angebot gemachthaben – und welches es war –, sondern zugleich dokumentieren, wie dieseMaßnahme gewirkt hat und dann noch reflektieren, wie sich das Angebotverbessern lässt.Damit stehen Sie als Betreuungskraft vor der Aufgabe, das Wohlbefindeneinzuschätzen und nach Methoden zu suchen, mit dem dieses beim einzelnen Bewohner ganz individuell verbessert werden kann.Es existieren also vier wichtige Punkte, die Sie dokumentieren müssen:1. Was haben Sie angeboten?2. Wie hat sich der Bewohner verhalten?3. Welches Befinden lässt sich aus seinem Verhalten ableiten?4. Was machen Sie mit Ihren Erkenntnissen?1.2Dokumentieren Sie einfach – mit DI-ABBADamit sind wir bei DI-ABBA, dem Dokumentationsinstrument (DI) ABBA.DI-ABBA verbindet die eben vorgestellten vier Punkte in einem einfachenSystem.1. A – Angebot2. B – Beobachtung3. B – Bewertung4. A – Aktion

Dokumentieren Sie einfach – mit DI-ABBAMit diesen vier einfachen Schritten verbessern Sie die Qualität Ihrer Dokumentation, halten gesetzliche Anforderungen ein, geben wichtige Informationen gezielt weiter und verfügen gleichzeitig über eine Struktur für Ihreweitere Arbeit.WichtigDI-ABBA verbindet vier feste Inhalte (Angebot, Beobachtung, Bewertung,Aktion), eine feste Reihenfolge und den fachlichen Hintergrund jedesInhalts. Das ist Ihre praktische Anleitung zur Dokumentation.Mit DI-ABBA haben Sie einen Baukasten. Sie folgen einer einfachen Struktur, vergessen nichts und brauchen auch nicht unbedingt eine Formulierungshilfe. Die Inhalte Ihres Angebots werden überprüfbar (für Sie undIhre Kolleginnen und Kollegen) und durch die Struktur hat jeder Punkt,der dokumentiert werden soll, auch schon eine bestimmte Position.DI-ABBA ist mühelos zu nutzen und kann sehr viel für Sie leisten: Dabei istes egal, ob Sie dokumentieren, weil es Abweichungen von der Pflegeplanungnach dem Maßnahmenplan der Strukturierten Informationssammlung(SIS ) gibt, oder Sie speziell das Wohlbefinden von demenziell verändertenBewohnern dokumentieren möchten.Durch den informativen und gebündelten Informationsgehalt eignet sichdiese systematische Dokumentation auch hervorragend für die Evaluationder Maßnahmenplanung nach der Strukturierten Informationssammlung(SIS ). Denn Sie können mit DI-ABBA einfach den routinemäßigen undwiederkehrenden Ablauf der Sozialen Betreuung darstellen, so wie es dieHandlungsanleitung fordert.11Vgl.: Bundesministerium für Gesundheit (2015). Handlungsanleitung (Version 1.1) zur praktischenAnwendung des Strukturmodells (ambulant/stationär), der integrierten Strukturierten Informa tionssammlung (SIS) mit der Matrix zur Risikoeinschätzung, der Maßnahmenplanung und der Evaluation sowie mit Hinweisen zum Handlungsbedarf auf der betrieblichen Ebene. Berlin, S. 1411

12EinleitungFazitSie dokumentieren mit DI-ABBA mit System, profitieren von einem festgelegten Inhalt und einer sinnvollen Struktur. So arbeiten Sie schnell undsicher.Nach der Lektüre dieses Buches haben Sie einen kompletten Überblick, wasdie Arbeit in der Sozialen Betreuung ausmacht und wie Sie mittels DI-ABBAeinfach aber sicher und prüfungsrelevant dokumentieren.So ist dieses Buch aufgebaut:1. Das erste Kapitel leitet knapp ins Thema ein und zeigt die allgemeinenZiele der Sozialen Betreuung und deren Dokumentation.2. Im zweiten Kapitel stelle ich Ihnen das Tätigkeitsfeld und die Anforderungen an eine Betreuungskraft vor. Sie lernen die zwischenmenschlichen Aspekte und Ziele der Sozialen Betreuung kennen. Denn nur sokönnen Sie auch verstehen, warum die Dokumentation der Betreuung sowichtig ist und warum das mit dem Dokumentationsinstrument DIABBA besonders gut geht.3. Das dritte Kapitel vermittelt Ihnen die allgemeinen Grundlagen zurDokumentation der Sozialen Betreuung und Aktivierung. Ich gebe Ihnenin diesem Kapitel einen Überblick über unterschiedliche Methoden, Vorgaben und die gesetzlichen Aspekte der Dokumentation.4. Das vierte Kapitel zeigt Ihnen die Praxis mit dem Dokumentationsinstrument DI-ABBA. Ich stelle Ihnen das Dokumentationsinstrument vor undzeige Ihnen, wie es aufgebaut ist. Sie erfahren, was es mit den einzelnenBestandteilen auf sich hat. Außerdem habe ich Ihnen Beispiele aus derund für die Praxis sowie Tipps und Probleme (natürlich mit Lösungen!)zusammengestellt. Ferner erläutere ich Ihnen, warum die Dokumentationder Sozialen Betreuung anders aufgebaut ist als eine herkömmliche Pflegedokumentation.

Dokumentieren Sie einfach – mit DI-ABBA5. Das fünfte Kapitel beschreibt ausführlicher die Theorie, die hinter DIABBA steht und gibt ganz praktische Tipps zur Anwendung. Sie erfahrenGrundlagen zu wichtigen Bestandteilen des Instruments. Zudem gehe ichnoch auf die Probleme und Konflikte bei der Dokumentation ein.6. Das sechste Kapitel vermittelt Ihnen schließlich einen Überblick über diewissenschaftlichen Methoden und Systeme, die ich für die Entwicklungvon DI-ABBA genutzt habe. Sie erhalten so wertvolle, zentrale Hintergrundinformationen, warum DI-ABBA aussieht wie es ist und warum esso gut funktioniert.13

263Dokumentation – die GrundlagenUnter Dokumentation wird z. B. eine strukturierte Sammlung von Belegenverstanden, die die Entwicklung eines Prozesses darstellt. Eine Dokumentation kann in Bild, Ton und Schrift erfolgen, dient als Nachweis, Beweis und als Beispiel, besitzt einen informativen und aufklärenden Charakter, ist ein Instrument zur Qualitätssicherung. Dabei werden Inhalte genutztund ausgewertet, um den Prozess darzustellen.Am bekanntesten ist Ihnen sicherlich die Pflegedokumentation, die u. a. alsLeistungsnachweis abbildet, wie sich der gesamte Pflegeprozess eines Pflegebedürftigen darstellt. Doch auch Ihr Tätigkeitsfeld, die Soziale Betreuung, mussin einer Dokumentation belegbar und nachvollziehbar dargestellt werden.3.1Anforderungen an die DokumentationEine Dokumentation ist ein rechtlich wichtiges Dokument und folgtbestimmten Grundsätzen: »Neben der Wahrheit muss das Dokument auchKlarheit schaffen. Das bedeutet zum einen, die Eintragung muss eindeutigund nachvollziehbar sein, wobei sich ›nachvollziehbar‹ mit ›logisch‹ übersetzen lässt. Zum anderen muss das Handzeichen eindeutig einer bestimmtenPerson zuzuordnen zu sein.Echtheit heißt, dass jeder für sich selbst einträgt und man nichts für andereabzeichnet. Dabei bedeutet Echtheit auch, dass Eintragungen weder mitBleistift noch mit Füller vorgenommen werden dürfen. Auch die Benutzungvon Tipp-Ex ist verboten.Keine Streichung heißt zum einen keine Striche, z. B. für erbrachte Leistungen. Diese Strichlisten sind sehr verbreitet, aber unzulässig. ( ) Wenn Sieeinen Rechtschreibfehler korrigieren wollen, so können Sie das entsprechende Wort mit einem sauberen Strich als ungültig deklarieren. Sofern dasdarunter Geschriebene noch lesbar ist, ist diese Streichung zulässig.

Dokumentation der Sozialen BetreuungLesbar bedeutet, dass das Geschriebene immer lesbar bleiben muss. Siemüssen Ihre Handschrift also soweit bessern, dass es stets sauber und lesbarist.«6Sie dokumentieren nicht nur für Ihre Kollegen, sondern auch für den MDK,denn der prüft nicht nur die Leistungen der Pflege, sondern auch die derBetreuung – also Ihre Arbeit. Und das tut er regelmäßig: »Die Regelprüfungbezieht sich insbesondere auf wesentliche Aspekte des Pflegezustandes unddie Wirksamkeit der Pflege- und Betreuungsmaßnahmen.«7FazitAuch an die Soziale Betreuung werden gesetzliche Ansprüche gestellt: Siemüssen nicht nur eine Leistung erbringen, sondern auch deren Wirksamkeit nachweisen – und das nachvollziehbar mittels der Dokumentation.3.2Dokumentation der Sozialen BetreuungIn den Qualitätsprüfungs-Richtlinien8 wird genau nachgefragt, wenn es umdie Betreuung geht. Sie sollten sich gelegentlich einmal durchlesen, was dortgefordert wird. Sie sind zwar nicht dafür verantwortlich, dass alle Anforderungen erfüllt werden – das ist Aufgabe Ihrer Einrichtung –, aber Sie tragenals Betreuungskraft auch eine gewisse Verantwortung dafür, dass IhreAngebote mit den gesetzlichen Vorgaben konform gehen, denn gerade dieersten Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR 8.1–8.3) sind sehr wichtig fürIhre tägliche Arbeit.678König, J. (2014). Dokumentationswahnsinn in der Pflege – es geht auch anders. Hannover, Schlütersche: S. 9MDS & GKV Spitzenverband (2017). Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes über die Prüfung der inPflegeeinrichtungen erbrachten Leistungen und deren Qualität nach § 114 SGB XI (Qualitätsprüfungs-Richtlinien – QPR) vom 27. September 2017Gültig ab 1. Januar 2018: Qualitätsprüfungs-Richtlinien Teil 2: stationäre Pflege mit Anlagen(Stand: 27.11.2017), S. 11 Im Internet: rundlagen.html [Zugriff am 25.01.2018]Ebd.27

10555.1Praxistipps für den Umgang mit DI-ABBAWorauf Sie bei »Angebot« achten solltenAchten Sie bei der Angebotsplanung auf eine präzise Wortwahl. Jeder, derdie Dokumentation liest, sollte genau wissen, um welches Angebot es sichhandelt. Sie schreiben keinen Roman, bei dem Sie nie dieselben Wörterbenutzen dürfen. Sie beschreiben ein konkretes Angebot, das immer denselben Inhalt hat. Schreiben Sie dann bitte auch stets dasselbe.Schauen Sie, was passiert, wenn Sie zu kreativ bei der Wortwahl sind,eigentlich einen »Spaziergang« meinen und doch dreimal etwas andersschreiben. Hier sind die drei Varianten:1. Bewohner war bei Ausflug dabei. (Weil sich mehrere Bewohner angeschlossen haben. Aber war es ein Tagesausflug, ein Cafébesuch oder Spaziergang?)2. Mit Bewohner einen Spaziergang gemacht. (Das ist das Angebot, das Sieeigentlich meinen.)3. Mit Bewohner Gangübungen durchgeführt. (Weil Sie den Bewohnerwährend des Spaziergangs stützen mussten. Es wird aber nicht klar, dassSie überhaupt spazieren waren. Es könnten auch Gangübungen im Gymnastikraum, auf der Treppe o. Ä. gemeint sein.)Diese drei Beispiele können alle dasselbe Angebot (Spaziergang) meinen. Siehatten auch durchaus Ihre Gründe, warum Sie jedes Mal eine andere Formulierung gewählt haben. Doch der Spaziergang bleibt ein Spaziergang.Das, was Sie individuell leisten, gehört in den Aktionsteil. Im ersten Fallwäre das die Tatsache, dass sich weitere Personen angeschlossen haben. Imzweiten Fall ist es der »normale« Spaziergang ohne Besonderheiten. Im dritten Fall ist es die Tatsache, dass Sie den Bewohner beim Gehen unterstützenmussten.

106Praxistipps für den Umgang mit DI-ABBA5.2Worauf Sie bei »Beobachtung« achten solltenDas Wichtigste ist: Vertrauen Sie Ihren Augen und Ohren. Machen Sie sichgegebenenfalls Notizen, wenn Sie etwas Besonderes beobachten, z. B. wenneine ansonsten aktive Person plötzlich sehr müde wird oder umgekehrt.Werfen Sie vor einer Betreuungsrunde auch immer einen Blick in die Dokumentation und ins Berichteblatt, um sich auf den neuesten Stand zu bringen.Besprechen Sie Ihre Beobachtungen auch mit Ihren Kollegen: Haben diese etwas Ähnliches beobachtet? Worauf achten diese eigentlich? Benutzen Sie dieselben Worte, wenn Sie Ihre Beobachtungen notieren? Beachten Sie auch immer die Tagesform der Bewohner. Nutzen Sie – wenn möglich – Beobachtungsinstrumente wie H.I.L.DE.oder DCM. Achten Sie auf Ihre Wortwahl, um wertfrei zu dokumentieren.Was bedeutet es, wertfrei zu dokumentieren? Sehen wir uns das Beispiel vonFrau M. (Kap. 3.2) noch einmal an. Im Speziellen ging es ja darum, eineFormulierung wie »boshaft« o. Ä. zu vermeiden:Beobachtet (und dokumentiert) wurde, dass Frau M. nach einer anderenFrau geschlagen hat. War diese Beobachtung korrekt? Oder hätte es auchsein können, dass Frau M. eine Biene verscheuchen wollte und ihre Handbewegung nur zufällig so aussah, als würde sie nach ihrer Sitznachbarinschlagen? Gegen diese Annahme spricht aber, dass auch beobachtet wurde,dass die Nachbarin Frau M. zuvor die Buntstifte verweigert hatte undFrau M. entsprechend ärgerlich war.Versuchen Sie Ihre Beobachtungen so genau und dabei aber als das reinWahrgenommene (in der Regel als das Gesehene, Gehörte) zu dokumentieren. Besprechen Sie die Einschätzungen im Zweifel. Einfach Floskeln ausFormulierungshilfen zu übernehmen, bringt Sie nicht weiter, da Menschenin ihrem Verhalten eine sehr große Vielfalt an den Tag legen.

1176DI-ABBA – wissenschaftliche BasisDa DI-ABBA einen fachlichen Hintergrund hat, soll dieser auch erläutertwerden. Denn auch die fachliche Argumentation stellt bereits ein Qualitätsmerkmal von DI-ABBA dar. Wer die Hintergründe eines Systems kennt, derkann argumentieren, warum er es einsetzt. Er kann Inhalte hinzufügenoder weglassen oder schlimmstenfalls Logiklücken finden. Der fachlicheHintergrund sollte daher sehr deutlich erklärt werden.Die Wurzeln von DI-ABBA finden sich im Deming-Kreis und in einemKommunikationsverständnis, das die Kommunikation bewusster und vorallem gewaltfrei gestalten soll. Da Kommunikation in Schrift und Spracheerfolgt, ist es einfach, diesen Kommunikationsstil zu übertragen.Zwei andere Punkte stammen aus den Grundlagen der Sozialen Arbeiten.Da ist zum einen die Kybernetik. Hinter dem Fachbegriff Kybernetik versteckt sich das »systemische Beobachten«.Zum anderen gibt es auch noch die Hermeneutik. Dieser Begriff steht fürdas methodische Deuten. Die Kybernetik wie auch die Hermeneutik alsMethoden unterstützen uns dabei, bewusster zu beobachten und zu be werten.FazitDie Betreuungskraft mit ihrem Arbeitsauftrag der professionellen Beziehung, aber auch mit ihrer Persönlichkeit und Wahrnehmungsfähigkeitdarf sich als das Instrument verstehen, das das Befinden des Bewohnerserfasst. Mit diesem Hintergrundwissen lässt sich dann Instrument schärfen und die Angaben werden genauer.

118DI-ABBA – wissenschaftliche Basis6.1Deming-Kreis und PDCA-Zyklus:Denken Sie in ProzessenDer Deming-Kreis bzw. PDCA-Zyklus58 beschreibt einen Prozess, der vierPhasen beinhaltet und zum Qualitätsmanagement gehört. Urheber diesesSystems ist Walter E. Shewart, verbreitet wurde dieses System von William E. Deming.59Die vier Phasen sind zyklisch aufeinander aufgebaut und haben eine festeReihenfolge. Die Bestandteile sind:1. Plan/PlanungSoll ein großer Prozess bzw. die Änderung von bestimmten Abläufenumgesetzt werden, braucht es eine genaue Planung.2. Do/Handlung/Ausprobieren/TestenDiese Phase beschreibt die Testphase, die dazu dient, Fehler und Problemstellungen zu ermitteln, bevor ein Prozess komplett in ein Systemintegriert ist. Auf diese Weise sollen Probleme bei der Integration desProzesses vermieden werden.3. Check/ÜberprüfungIn der Prüfungsphase wird der Prozess auf Inhalt und Ablauf kontrolliert, um Fehler oder Möglichkeiten zur Verbesserung abzuleiten.4. Act/Übertragung auf den allgemeinen ProzessDiese Phase beschreibt dann die Umsetzung des Prozesses nach der Integration.Das Besondere an diesem System, Zyklus oder Kreis ist der verlässlicheAblauf sowie die Reihenfolge der Inhalte, die erst durch die zusammenhängende Nutzung ihre Wirksamkeit beweisen können.In der Praxis beweist dieses System, dass Verbesserungen kontinuierlichweiter entwickelt werden können. Dies setzt aber ein prozesshaftes Vorgehen voraus. Ein Plan muss genau und plausibel sein, damit man die Schritteund Teilschritte klar erkennt und zuordnen kann. Dann kann in der Praxisausprobiert werden, ob die Planung funktioniert und ob weitere Schritte5859Vgl. Kostka, C. & Kostka, S. (2013). Der Kontinuierliche Verbesserungsprozess – Methoden desKVP. München: Hanser, S. 14–26Ebd.

130LiteraturArbeitsgruppe technischer Implementierungsleitfaden, FINSOZ e.V., ProjektbüroEin-STEP und DVMD e.V. (2017). Anforderungsprofil für die Abbildung desStrukturmodells in Dokumentationssystemen (Version 1.4). Im Internet:www.ein-step.deBecker, S.; Kaspar, R. & Kruse, A. (2011). H.I.L.DE. Heidelberger Instrument zurErfassung der Lebensqualität demenzkranker Menschen (H.I.L.DE.). Bern:HuberBeushausen, J. (2013). Gesundheit und Krankheit in psychosozialen Arbeitsfeldern. Göttingen: Vandenhoeck & RuprechtBundesministerium für Gesundheit (2015). Handlungsanleitung (Version 1.1) zupraktischen Anwendung des Strukturmodells (ambulant/stationär), der integrierten Strukturierten Informationssammlung (SIS) mit der Matrix zur Risikoeinschätzung, der Maßnahmenplanung und der Evaluation sowie mit Hinweisen zum Handlungsbedarf auf der betrieblichen Ebene. BerlinDeutsche Alzheimer Gesellschaft (o. J.). Informationsblatt 1. Die Häufigkeit vonDemenzerkrankungen. Im Internet: formationsblaetter-downloads.html [Zugriff am 23.10.2017]GKV-Spitzenverband (2016). Richtlinien nach § 53c SGB XI zur Qualifikationund zu den Aufgaben von zusätzlichen Betreuungskräften in stationären Pflegeeinrichtungen (Betreuungskräfte-RL) vom 19. August 2008 in der Fassungvom 23. November 2016Greb-Kohlstedt, B.; Kammeyer, U. & Rücker, R. (2017). Dokumentation in derBetreuungsarbeit: Chancen nutzen mit PSG, Strukturmodell und NBI. Hannover: VincentzHellmann, S. (2015). Formulierungshilfen Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung. Hannover: Schlütersche VerlagsgesellschaftHoltwiesche, A.K. (2016). Dem Bewohner geht es gut. In: pflegen: demenz39/2016. Velber: FriedrichInnes, A.; Müller-Hergl, C. & Herrmann, M. (2004). Die Dementia Care MappingMethode – Anwendung und Erfahrungen mit Kitwoods person-zentriertemAnsatz. Bern: HuberInstitut für Gerontologie der Uni Heidelberg & Sekti

Nach der Lektüre dieses Buches haben Sie einen kompletten Überblick, was die Arbeit in der Sozialen Betreuung ausmacht und wie Sie mittels DI-ABBA einfach aber sicher und prüfungsrelevant dokumentieren. So ist dieses Buch aufgebaut: 1. Das erste Kap