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Fakultät für Kulturreflexion01.04.2020 BIS 30.09.2020STUDIUM FUNDAMENTALESemesterzeitung SoSe 2020Wir sehenRO TLETZTE AUSGABE:GESUNDHEITWIRTSCHAFTKULTUR

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SoSe 20003INHALTVORWORTS. 005SCHWERPUNKTTHEMA: WIR SEHEN ROT„Wir sehen ROT“S. 023Hanna Gottschalk,Reflexion auf die Vernissage und das Projekt „Wir sehen Rot“Lara-Luna EhrenschneiderS. 024Sollten wir uns selbst überflüssig machen?Maximilian BrücherS. 026Kommen & GehenDirk Baecker, Matthias KettnerS. 028„30 Jahre Theater“Sophie Große-WöhrmannS. 030AUS FAKULTÄT UND STUDIUMÖFFENTLICHE VERANSTALTUNGEN & VORTRAGSREIHENKalender öffentliche Veranstaltungen im Sommersemester 2020S. 034Vortragsreihe „Energie und Gesellschaft: Fusion oder Spaltung“S. 037STUDENTISCHE INITIATIVEN DER UNIVERSITÄT WITTEN/HERDECKES. 040SPRACHKURSESprachkurse an der RUB im Sommersemester 2020S. 045LEHRVERANSTALTUNGEN / COURSESS. 048

004DIE FAKULTÄT FÜR KULTURREFLEXION – STUDIUM FUNDAMENTALEStudium fundamentale – Die Schnittstelle zwischen den Fakultäten!S. 082Köpfe der FakultätS. 083Dozent*innen im Sommersemester 2020S. 084Anzeigenkunden dieser AusgabeS. 086ImpressumS. 086Förderer der Fakultät› Deutsche Gesellschaft für Philosophie e.V.› Stiftung Dr. Ausbüttel› Friedrich Wilhelm Moll-Stiftung› Stiftung Die Christengemeinschaft in Deutschland› GLS Gemeinschaftsbank eG› Stiftung Private Universität Witten/Herdecke› HB-Stiftung› Universitätsverein Witten/Herdecke e.V.› innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft gGmbH› Werner Richard-Dr. Carl Dörken Stiftung› Dr. Wolfgang Klemt› Willner Stiftung› Dr. Marcel Mangen› Wittener Universitätsgesellschaft e.V.› Stadtwerke Witten GmbH› Dr. Walter Wübben› Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft› KARL-KOLLE Stiftung

SoSe 20005VorwortZwischen Zeiten und Formenund dem CoronavirusZum letzten Mal sehen wir rot – zumindest als Verbindung der Studiengänge derKulturreflexion mit dem Bereich des Studium fundamentale. Fast 20 Jahre bestanddiese Einheit, wenn auch erst seit 2008 unter diesem Namen. Viel ist in dieser Zeitgeleistet worden nicht nur in Lehrveranstaltungen und der Studierendenbetreuung,sondern auch in Aufführungen, Ausstellungen, Lesungen, Tagungen und der Mitarbeitin den universitären Gremien.Diese letzte fakultäre Ausgabe der Stufu-Zeitung sieht noch einmal rot, in dem siedas gleichnamige studentische Projekt in den Mittelpunkt stellt.Prof. Dr. Claus VolkenandtProdekan LehreBritta Koch, M.A.DekanatsreferentinDas „Kommentierte Vorlesungsverzeichnis für Studium fundamentale und Philosophie“ erschien vor rund 34 Jahren indem noch heutigen signalrot der Fakultät. Die Stadtwappen von Witten und Herdecke schmückten die Titelseitedes schlichten, dünnen DIN A5 Heftchens. Darunter standin großen Lettern „Universität Witten/Herdecke“. Unter derkommissarischen Leitung von Peter Lauer brachte das Institut für Philosophie und Studium fundamentale das ersteVorlesungsverzeichnis heraus. Darin wurde für das Studiumfundamentale noch der Dienstag von 11.00 Uhr bis 13.00Uhr und der Donnerstag von 08.00 Uhr bis 13.00 Uhr vorgesehen. Das änderte sich, als das Institut durch die Förderung der Stiftung Dr. jur. Fritz Meyer-Struckmann in dasStiftungsinstitut für das Studium fundamentale überführtwurde. Unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhardt Habelwurde der „Stufu-Donnerstag“ etabliert und von allen Fa-kultäten wurden für das Studium fundamentale die Zeitenvon 08.00 Uhr bis 13.00 Uhr und von 16.00 Uhr bis 19.15 Uhrfreigehalten.In den gut 66 Ausgaben hat sich das Erscheinungsbildder Zeitung stark gewandelt. Aus dem schlichten DIN A5Heftchen, das lediglich die Lehrveranstaltungen kommentierte, wurde ein richtiges Tageszeitungsformat, in dem neben dem kommentierten Vorlesungsverzeichnis auch derein oder andere Artikel und die „Freien Initiativen“ Platzfanden. Heute hat sich die Stufu-Zeitung der Fakultät fürKulturreflexion – Studium fundamentale zu einem Magazinentwickelt, das neben den Lehrveranstaltungen und öffentlichen Veranstaltungen auch Artikel von Professoren undStudierenden zu einem Schwerpunktthema oder zu Projekten aus der Universität bereitstellt.AnzeigeBenno's BrauhausBier gebraut mitten in WittenIm Wiesenviertel Hammerstr. 4, 58452 WittenÖffnungszeiten:Donnerstag 18:00-22:00 Uhr/ Freitag 18:00-24:00 Uhr/ Samstag 17:00-24:00 Uhr

006Die Entwicklung der Stufu-Zeitung spiegelt zugleich dasAnliegen und die Entwicklung des Studium fundamentalewider. Wollte man einst mit der Einrichtung eines Zentralinstituts im Rang einer Fakultät die Freiheit der Studierendenstärken, für sich selbst herauszufinden, welche Lehrangebote und/oder Lernziele förderlich und interessant sind, sopartizipieren die Studierenden im Laufe der Jahre immermehr an den Aktivitäten des Studium fundamentale undgestalten es heute maßgeblich mit. Bereits im Verzeichnisdes Sommersemesters 1988 lautet der einleitende Satz unter „Zielsetzung und Aufbau des Studium fundamentale ander Universität Witten/Herdecke“: „Mit seinem Studiumsetzt sich der Studierende selbst sein Ziel. Er will sich aufverantwortliches Handeln im auszuübenden Beruf, in Wissenschaft und Forschung und damit letztlich in der Gesellschaft vorbereiten.“Dazu trugen einst die 25 bis 35 Lehrveranstaltungen in denFeldern› Philosophie, Fundamentaltheorie, Erkenntnistheorie,Ethik› Sinneslehre, Ästhetik, Kunstwissenschaft› Geschichte und Kulturwissenschaft› Künstlerische Übungenbei. Aus ihnen sind in einer deutlichen Weiterentwicklungrund 100 Lehrveranstaltungen geworden, die sowohl diereflexiven und kommunikativen als auch die künstlerischenKompetenzen einer jeden einzelnen Studierenden und eines jeden einzelnen Studierenden stärken sollen. Mit denJahren hat sich die Fakultät für Kulturreflexion und vor allem das Studium fundamentale immer mehr zu einem Ortentwickelt, an dem sich Studierende intensivkritisch mit sichselbst und dem, was sie in Studium und Gesellschaft gestalterisch leisten wollen, auseinandersetzen können undsollen. Dazu gehören, die Perspektive wechseln zu können,sich nicht nur nicht dem fachlich Fremden zu konfrontieren,vor allem aber überfachliche Fähigkeiten zu entwickeln, mitdenen sie gesellschaftlich wirksam handeln können.Die Fakultät für Kulturreflexion und die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft gehen nun zusammen und bekommennicht nur die Chance, von der Denk- und Arbeitsweise desAnderen zu lernen und zu profitieren, sondern auch, dadurch produktiv in Routinen gestört werden. Vielleicht wirdder Blick für zuvor eher als unwichtig und unmöglich gehaltene Möglichkeiten geöffnet und geschult. Das Studiumfundamentale wird hingegen eigenständig und kann odermuss sich auf sich selbst besinnen, kann sich gezielt aufund ausbauen und wiederum weiterentwickeln. Für beideEinheiten ist dies als Chance zu sehen, denn wie die Zeitund die Gesellschaft unterliegt auch die Universität, dieFakultät und das Studium fundamentale dem Wandel. Fürdas Studium fundamentale ist es eine Chance, maßgeblichdazu beizutragen, dass man die Studierenden außerhalbder Universität als UW/H-Studierende wiedererkennt. Wiean der Geschichte des Studium fundamentale dieser Universität selbst deutlich wird, muss diese Entwicklung keineswegs den „Point of no Return“ bedeuten.Aber nicht nur, dass sich zwei Fakultäten auflösen, aus ihneneine neue Fakultät gebildet wird und das Studium fundamentale zu einer eigenständigen akademischen Einrichtung wird – all dieses wäre für ein Semester schon genug,nein, das Coronavirus wirbelt unser Leben zur Zeit ziemlichdurcheinander, auch das universitäre. Es kann gut sein, dassim kommenden Sommersemester keine Präsenzlehre stattfinden wird, wir stattdessen digitale Lehrformate kurzfristigetablieren müssen. Spannende Zeiten, so oder so.Anzeige Direkt am RuhrtalradwegBiergarten, Ruhrstrand 54 mit CocktailbarRestaurant mit Wintergarten und Terrasse117 Zimmer, teils mit BalkonSchwimmbad, Sauna, DampfbadVeranstaltungsräume zum Feiern und TagenRinghotelZweibrücker HofZweibrücker Hof 4D-58313 HerdeckeTel.: 02330 605-0Fax: 02330 [email protected]

Wir sehenSCHWERPUNKTTHEMARO T

008Ich finde Kure-Studenten ein bisschen träumerisch, das ist überhaupt nichtnegativ gemeint, sehr positiv eigentlich und was für die Uni definitiv einen sehr positiven Aspekt hat, ist, dass man mit den PPÖlern und KureStudierenden Paradiesvögel an der Uni hat, die eben ihr Ding machen,Dinge hinterfragen und nicht alles für gegeben hinnehmen.Ich würde sagen, die meisten meiner Kommilitonen in meinem Studiengang sind Freigeister, die die Welt anders sehen, beziehungsweise dabeisind die Welt anders kennenzulernen und auch daran interessiert sind dieWelt oder die Dinge da draußen im Ganzen zu verstehen. Das sind allessehr interessierte und wissbegierige Menschen.Rafael Dietzel, 25studiert Philosophie, Politik und Ökonomik, kommt aus HeidenheimMit dem Stufu, damit steht und fällt alles. Und wo ich wirklich - und mit diesem ganzen neuen Stufukonzept muss man wirklich sehen, dass es gelingt- wo ich wirklich Sorgen hab, ist, dass die Kultur unter die Räder kommt.Von den Kure-Studierenden wünsche ich mir Gelassenheit, eine gute Portion Frechheit, Selbstsicherheit im Einfordern der Möglichkeit des eigenenWegs und dass bis in zwei oder drei Jahren sich so manche Wogen geglättet haben und, je nachdem wie die Struktur dann aussieht, wo dann wieverortet, vielleicht auch wirklich wieder am Stufu, dann richtig spannendeLeute dran zu kriegen und (dass) es irgendwie möglich wird eine interessante Studiengangsform zu finden, die dann auch besser vermittelbar ist.Ideen dazu habe ich.Friedemann Uhl, 41studiert Philosophie und Kulturreflexion im MasterWie mein Kulturbegriff aussieht? Naja, [ ] im Grunde [ist] alles Kultur undin dem Sinne finde ich es auch äußerst schrecklich, dass die Kultur auch beiuns an der Uni derart jetzt in Zukunft vernachlässigt wird. Ich hatte noch vormeinem O-Studium, glaube ich, einen sehr begrenzten Kulturbegriff, dersich ja jetzt ins Unendliche ausgedehnt hat. Ich habe mich, für mich war daseigentlich eine Hochkultur und habe Kultur halt wirklich nur mit Museumund anderen Kulturinstitutionen assoziiert und das ist natürlich falsch.Kunst ist ja einfach dieser Bereich, wo man sich mal frei von den vorgegebenen Richtlinien bewegen kann.Nikolas Middelmann, 21studiert Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis, kommt aus Witten

Schwerpunktthema Wir sehen ROTIch dachte, das wäre so eine Floskel mit dem „Du kannst hier alles machenwas du willst, aber du musst halt wissen was du willst und dann wird aberauch geholfen“. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wirklich so ist.Hier werden dir nicht absichtlich irgendwelche Steine in den Weg gelegtund mit dieser Freiheit muss man aber auch erst mal umgehen können.Die Studierenden werden hier mehr als Mehrwert angesehen und nicht alsBallast und das gibt einfach Mut sich auch selbst darüber im Klaren zu sein,was man will. Das hat man hier nicht. Es gibt keine doofen Fragen und dieTüren sind immer offen. Das kaufe ich hier auch jedem ab.Simone Philippen, 24studiert Ethik und Organisation im Master, hat ihren Bachelor inKulturwissenschaften gemacht, kommt aus DüsseldorfIch hatte tatsächlich bisher nicht so super viele Kunstkurse. Eigentlich nochgar keinen an der Uni, aber das ist etwas, was ich schon gerne noch weiterausbauen würde. Ich glaube, dass Kunst auch eine Möglichkeit ist, Dinge anders darzustellen. Man kann Sachen durch Texte darstellen und sagen: „Logisch, das kann man erklären.“ Aber manchmal üben Bilder oderKunstwerke nochmal eine ganz andere Art von Kritik oder weisen auf andere Sachen hin, die jeder für sich interpretieren kann und das ermöglichtnoch mehr Vielfalt.Die Kures haben die Gesellschaft im Blick, aber von einem anderen Punktaus. PPÖ ist eher diese wirtschaftlich-politische Richtung und bei Kure, wasich bisher mitbekommen habe, interessieren sich viele eher für kulturelle,auch künstlerische Sichtweisen und es ist einfach nochmal ein anderer Blickauf die Gesellschaft.Hannah Müller, 22studiert Philosophie, Politik und Ökonomik, kommt aus DarmstadtVermutlich ist es die größte Herausforderung, sich der Freiheiten zu stellen, die eine Universität wie die UW/H bietet. Sich selbst zu finden undmit ganzer Kraft den Zielen nachzugehen, die ich für sinnvoll, wertvoll undrichtig halte.Als Kultur verstehe ich die Ansammlung der gegenwärtig praktizierten Modus operandi, welche sich im gesellschaftlichen Spannungsfeld aus Vergangenheitsbezug und Zukunftsprojektion ermöglichen.Jonathan Harthwissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Soziologie009

010Kultur ist nicht etwas, was wie ein Pfannkuchen schnell gebacken werdenkann, es ist das Gegenteil davon. Es ist etwas, was man über sehr langeZeit, sehr aufmerksam wachsen lässt und um was man sich für sehr langeZeit sehr kümmert. [.] Es muss bewusst gepflegt werden, es muss abernicht unbedingt in Begriffen gefasst werden. Es kann durchaus ohne Begriffe funktionieren, auch ohne Definitionen.Ich verstehe Reflexion als eine Ableitung vom lateinischen Verb „reflectere“. Das bedeutet eigentlich nicht „wiederspiegeln“, sondern „sich(zurück)wenden, zurückbeugen“. Also Reflexion wäre eine Herangehensweise, bei der man an den Gegenstand des Interesses sich nicht frontalannähert, sondern sich mit dem Rücken wendet. Ich hatte allmählich denSchluss gezogen, dass man sehr gut zur Kunst herantreten kann, auf indirekte Weise, durch Quereinstiege oder durch Annäherung von scheinbar voneinander fern liegenden Bereichen. Man erlebt dabei eine ganzspezielle geistige Anstrengung, die zum selbstständigen Denken anregtund eventuell zu äußerst spannenden Einsichten führen kann. Das ist einGegenteil von verschulter Methode, bei der man sich fertigen Wissensinhalte einprägt, und funktioniert häufig viel besser, aber, und das ist daswichtigste, es muss nicht missverstanden werden als einfach ein spaßigesQuatschen. (.) Es ist nicht etwas Leichtsinniges. Genau dieser Gegensatzvon verschulter Didaktik, ist vor allem was mich nach wie vor in Wittenanzieht und warum ich diese Uni schätze.Alexander Jakobidze-Gitmanseit 2012 Mitarbeiter am Lehrstuhl für Phänomenologie der Musik, obwohl derLehrstuhl nicht mehr existiert, aus MoskauFür mich steht die Farbe stellvertretend für Menschen, die voller Überzeugung brennen, in denen es glüht, die Lust haben sich wirklich für etwas zubegeistern. Auch so in Bezug auf unsere Universität, nicht zu allgemein aufdie Farbe Rot gesprochen. Überzeugungstäter. Das ist es für mich, weilgenau das für mich auch diese Fakultät war. Entweder schafft man jetzt,dass der Geist dieser Fakultät weiterhin besteht, wir weiterhin diese Artvon Menschen haben werden oder wir werden uns dann bald nur noch alsein Relikt aus vergangenen Zeiten zurückerinnert.Wir sitzen in einem Container, den ich selbst noch gar nicht von innen gesehen habe. Es ist das erste Mal, dass ich hier bin. Man weiß gar nicht sorichtig in welche Richtung es geht. So eine Ungewissheit. Ich hatte immerdas Gefühl, das eine gewisse Identifikation unter den Studierenden mitder Universität da ist. Zurzeit ist diese Identifikation eben auch im Wandel.Viele haben Angst, dass diese starke Identifikation womöglich im Zuge derRestrukturierung verloren geht. Für mich, als einer der von dieser Fakultätgelebt hat, ist das natürlich erstmal ein immenser Verlust. Ich sehe da erstmal nichts Positives. Das schmerzt. Als ich die Entscheidung mitbekommen habe und diesen ganzen Prozess - war da irgendwie viel Schmerz.Aber wobei - du hast nach Chancen gefragt: Chancen gibt es immer undwir können uns auch jetzt neu erfinden. Wir sind in einer Transformationsphase. Natürlich ergibt das auch gewisse Möglichkeiten. Aber die Richtung, die eingeschlagen worden ist, würde ich von meiner Wahrnehmungher als nicht richtige beschreiben, als eine mit der ich mich nicht identifizieren kann.Flavio von Witzleben, 26studiert Ethik und Organisation im Master, hat zuvor Philosophie, Kulturreflexionund kulturelle Praxis studiert, kommt aus Karlsruhe

Schwerpunktthema Wir sehen ROTHier versucht man Sinnfragen zu beantworten, was im Jurastudium überhaupt nicht der Fall ist, weil man im Prinzip immer nur die Gesetze anwendet. Man fragt sich nicht, ob die Gesetze sinnvoll sind oder ob die Gesetzegut sind oder ob man sie vielleicht anpassen könnte. Bei PPÖ ist es oft so,dass wir auch darüber sprechen, wie man vielleicht die Wirtschaftsordnungwieder so verändern könnte, dass sie besser wird.Paula Adams, 20studiert Philosophie, Politik und Ökonomik, kommt aus DortmundDieses Studium stellt alles in Frage – auch dich selbst. Eine der größtenHerausforderungen, unter vielen anderen, ist die Selbstorganisation indiesem sehr freien Studiengang, es kann Fluch und Segen zugleich sein.Wenn man die Freiheit hat, das zu studieren, was man will, für das man sichinteressiert und aus einem scheinbar unerschöpflichen Pool an Lehrveranstaltungen auswählen kann, muss man bisweilen aufpassen, dass man sichund seine Ziele (die man mal zu Anfang hatte) nicht aus den Augen verliert.Besonders, wenn man viele Interessen hat, ist die „Gefahr“ groß, zwar vonvielem einiges zu wissen, aber dennoch irgendwie immer das Gefühl zuhaben, bloß an der Oberfläche zu kratzen.Melanie Laskowski, 33studiert Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis, kommt aus Dortmund011

012Kulturreflexion: Damit identifiziere ich mich irgendwie total, weil es einDiskussionsthema ist. Wenn ich das anspreche, dann stehen erstmal überall Fragezeichen in den Gesichtern und dann muss ich darüber reden unddann habe ich die Möglichkeit, das rüber zu bringen, was es für mich bedeutet [ ]. In Kulturreflexion – da ist eine Diversität inbegriffen und einbreites Spektrum, das so viel sein kann und wo ich das Gefühl habe wirklichmeinen individuellen Weg gehen zu können.Ich bin der Fakultät unglaublich dankbar für das, was sie mir ermöglicht,das was ich hier studieren kann und weil ich das Gefühl habe, das ist einStudium, das ich allein für mich mache. Immer wieder komme ich an einenPunkt, wo ich überlege: „Okay, mache ich noch das was ich will? Ist dasirgendwie noch das richtige für mich gerade hier zu studieren oder überhaupt zu studieren?” Und jedes Mal komme ich wieder an einen Punkt, woich merke: „Ja.”Was bräuchte die Uni, damit ich mich nochmal dafür entscheide? DieseOffenherzigkeit, ich glaube, das ist, was ich durch die Kulturreflexion gekriegt habe. Dieses: offen für alle und alles und jeden. Das ist das, was dieKulturreflexion irgendwie für mich bedeutet. Also, dass es kein Wenn undAber (gibt) und jeder komische Kauz ist herzlich willkommen und auch Leute, die denken, sie sind normal. (lacht).Wo ich auch traurig bin oder enttäuscht, das ist so, dass ich das Gefühlhabe, die Fakultät oder die Universität ergibt sich so ein bisschen und folgteinem Impuls der Angst statt einem Impuls der Liebe.Jette Wolf, 21studiert Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis, kommt aus RostockKultur kann man doch zum Beispiel der Natur gegenüberstellen, begriffich.Dieser Unterscheidung möchte ich, unter dem Risiko einer Polarisierung,eine Wertigkeit beigeben. Unter Zuhilfenahme der Erfahrung spreche ichmich hiermit für die Kultur aus. Letztens zum Beispiel, als ich aus dem Hause trat, wurde mir kalt. Da lob ich mir meine Jacke, die mich nicht nur vorWind, sondern auch vor Regen schützt. Zumindest die eine, die andereschützt nur vor Wind. Naja und nochmal eine andere weder noch, vielleichtein wenig vor Kälte. Trotzdem ziehe ich sie manchmal an, ich finde die siehtgut aus. Für den Winter ist die aber zu kalt. Welche Jacke ich wähle, liegtalso zum einen daran, wie sehr ich mich der Natur (in dieser Geschichtealso dem Regen und dem Wind) anpassen will und zum anderen, wie ichmich in Gesellschaft geben will (nur von der besten Seite!). Und das würdeich Kultur nennen. Glücklich darf ich anfügen, dass ich die Geschichte miteinem Happy End schließen kann. Ich entschied mich für erstere Jacke undbezwang so die Kälte, zumindest für den Moment.Ich denke bei der Farbe Rot an Paprika (die roten!).Hannes Schulz, 27studiert Philosophie und Kulturreflexion im Master, hat zuvor den gleichnamigenBachelor gemacht

Schwerpunktthema Wir sehen ROTKlar, ich kann verstehen, dass man als Uni wachsen muss, um sich wirtschaftlich tragen zu können, aber ich denke mir: „Ist stetiges Wachstumnötig oder ist es nicht auch gerade diese Uni, die verstehen könnte odersollte, dass man nicht immer größer werden muss, sondern irgendwannauch sagen kann: ‚Wir haben eine Größe erreicht. Wir wollen gar nicht größer werden, weil sonst Qualität für Quantität flöten geht.‘“ Suffzient sein,das rechte Maß einhalten, das fände ich wichtig für die Uni.Johanna Hofmannstudiert Philosophie, Politik und Ökonomik, kommt aus BerlinHerausfordernd war für mich das Gefühl, dass die Uni, was progressive,kritische Sozialwissenschaften angeht, gerade feministische und postkoloniale Theorie, nicht gut aufgestellt ist. Das ist eigentlich essenziell für einenPPÖ Studiengang, finde ich. Aber da tut sich inzwischen immer mehr.Es ist bereichernd, wenn Dozierende Erfahrungen von anderen Universitäten mitbringen können. Andere Forschungsschwerpunkte, ein anderesKollegium – da kommen neue Impulse.Jolinde Hüchtker, 21studiert Philosophie, Politik und Ökonomik, kommt aus BerlinDie Universität, beziehungsweise die Studierenden stellen mich immer wieder vor die Herausforderung, nicht in eine Routine zu verfallen, sondern demZeitgeist so nah wie möglich zu sein, will heißen, dem Noch-Nicht-Vorhandenen Raum zu geben, damit es sich entwickeln kann. Insofern versteheich mich als Entwicklungshelfer für das Neue, Noch-Nicht-Bestehende Ich verstehe unter Kultur etwas immer wieder neu Im-Entstehen-Begriffenes, etwas Prozessuales, Lebendiges. Sobald das Leben entweicht, ist auchdie Kultur weg und es erstarrt, wird museal und letztlich tot.Kultur ist für mich die Fähigkeit, Gesetz und Leben, Gewordenes undWerdendes, Sinnliches und Geistiges so zu verbinden, dass es eine neueEinheit vor Augen bringt und das sonst Getrennte als Ganzheit erscheint.David Hornemann von LaerWissenschaftlicher Projektmitarbeit an der Professur für Kunstwissenschaft013

014Die Uni, und die UW/H im besonderen Maße, stellt mich vor allem vordie Herausforderung, an ihren eigenen Herausforderungen mitzuarbeiten.Was es heißt, an einer Universität zu studieren, ist ja ganz offensichtlichnicht bloß den Studierenden unklar geworden.Ich arbeite vor allem seit 1,5 Jahren im Wuppertaler Skulpturenpark, denTony Cragg gegründet hat. Dort erlebe ich ebenfalls eine Institution, dasMuseum, im Wandel, auch wenn dies nicht derart explizit gemacht wirdwie an der Universität. „Wer kommt da eigentlich warum hin? Und wererzählt dort eigentlich warum was?“ sind aber Fragen, die an beiden Orten gleichermaßen interessieren. Im Museum wird man allerdings andersund bisher weniger mit der Frage nach der Funktion seines Gegenstandskonfrontiert. Man kann dort im Gegenteil den Verzicht auf zumindest eineexplizite Antwort erproben.Maximilian Brücher, 31studiert Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle PraxisEigentlich mache ich das, was ich auch vor, beziehungsweise zwischenmeiner Zeit an der UW/H gemacht habe, denn auch die Tätigkeit jetztbringt immer neue Facetten mit sich, immer neue Situationen, auf die ichreagieren und eingehen muss. Das macht die Arbeit für mich so interessantund spannend. Nicht zuletzt sind es die unterschiedlichen Menschen undCharaktere, die das Arbeiten gerade im Studium fundamentale so reizvollmachen. Angefangen von den verschiedenen Studierenden bis hin zu denLehrenden und Künstlerinnen und Künstlern. Es wird einfach nie langweilig!Britta KochDekanatsreferentin in der Fakultät für Kulturreflexion - Studium fundamentale

Schwerpunktthema Wir sehen ROTMeine größte Herausforderung war es sicherlich, zusammen mit meinenKollegen die Fakultät zu erhalten. Leider ist uns das nicht gelungen. DieZahl der Bewerber um unsere Studiengänge hat nicht genügt. Meinezweitgrößte Herausforderung war es, die Fakultät als eine Fakultät zu profilieren, die im Vergleich alter und neuer Medien einzigartige Arbeit leistet.Auch das ist mir nicht gelungen.Die Studierenden an der Fakultät für Kulturreflexion sind einzigartig. Sieverbinden eine große Neugier mit einer wunderbaren Fähigkeit, sich aufungewisse Projekte und ungewisse Berufsziele einzulassen. Unsere Studiengänge haben aus der beruflichen Praxis immer sehr viel Zuspruch erfahren.Es ist schade, dass wir die Einsätze, um die es uns in unseren Studiengängen geht, nicht für Bewerber attraktiv machen konnten.Kultur ist für mich die Art und Weise, wie eine Gesellschaft ihren eigenenSinn beobachtet, vergleicht und pflegt. Man kann auch von den Wertensprechen, die eine Gesellschaft sich selbst zuspricht. Das hat einiges mitden Künsten zu tun, lässt sich darauf jedoch nicht beschränken. Die Künste liefern dort einen Beitrag zur Kultur, wo sie den Menschen sinnlich zurReflexion auf sein eigenes Leben herausfordern. Aber jede Kultur, aucheine Esskultur, Arbeitskultur oder Gesprächskultur, stellt die Frage, ob ichso, genau so, leben möchte.Dirk BaeckerLehrstuhlinhaber für Kulturtheorie und Management, Dekan der FakultätEine Sache, die ich an unserer Uni sehr schätze, ist die Vielseitigkeit undes ist auf jeden Fall eine große Angst meinerseits, dass diese Vielseitigkeit in irgendeiner Art und Weise weniger wird und dass dadurch wichtigePerspektiven - sei sie von den Studierenden, die hier nicht mehr Kulturreflexion anfangen können - wegfällt. Sei es dadurch, dass vielleicht Profsaufhören, die für sich hier nicht mehr den richtigen Platz finden oder auchaltersmäßig bedingt nicht mehr in Witten sind. Aber auch dadurch, dassandere Menschen nicht wieder angezogen werden, anderen Profs wiederangezogen werden, die vielleicht mit einer ähnlichen Perspektive denkenund dass dadurch ein wichtiger Teil verschwindet, der unsere Uni enormbereichert. Mein Studium war immer mit der Fakultät für Kulturreflexionverbunden. Ich kann es mir gerade nicht so gut vorstellen, wie es ohne seinwird. Die Chancen hängen stark von der jetzigen Ausgestaltung der neuenFakultät ab. Sie vielleicht eine Chance in dem Bilde, das ich mir in unsererUni wünsche, dass die Fakultäten mehr zusammenarbeiten und das, wasdie Studis zumindest annähernd im Stufu versuchen auch mal von institutioneller oder professoraler Ebene kommt.Yanika Meyer-Oldenburg, 24studiert Philosophie, Politik und Ökonomik, kommt aus Mainz015

016Ich glaube, Kunst ist ein Fertigkeit, die man der Fertigkeit wegen tut undnicht um irgendeinen anderen Zweck zu erfüllen und deswegen fällt fastalles unter Kunst, was ich gerne mache und intrinsisch motiviert, wo ich dasauch zu einer gewissen Meisterschaft bringen möchte, und das ist tatsächlich eben nicht nur bildnerische Kunst, sondern eben auch die Kunst desDenkens, würde ich es nennen, Kunst der Rhetorik und des Alltags.Richard Ulrich, 22studiert Philosophie, Politik und Ökonomik, kommt aus ArnsbergHerausfordernd ist für mich die Freiheit nicht nur ideell, sondern auch realzu konfrontieren. Grenzen auszutesten. Vernünftig und unvernünftig zusein: im besten und im dümmsten Sinne.Florian Kämpfstudiert Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis, kommt aus HerdeckeIch finde die PPÖler sind schon alle sehr ähnlich, von ihrer Herangehensweise auch. Bei den Management Studierenden merkt man das oft an denUhren. Die PPÖler haben oft bescheidene, oft sehr flache Uhren. Und beiManagement haben die oft dickere Uhren. Und die Kure Studierenden tragen entweder gar keine Uhren oder ganz feine, ein bisschen andersartig.Und wenn es dann aber in Seminaren zusammenkommt und das Seminarrichtig miteinander arbeitet, dann schätze ich das, wenn alle drei da sind.Das war der Grund, warum ich nach Witten gekommen bin, weil es ebenStudium Fundamentale gibt. Für mich ist jedes Semester Stufu eigentlichdas, was die Sache rund macht. In meinen Kursen geht es immer ums Lesen, Lesen, Lesen noch mehr Lesen und dann manchmal auch ein bisschenRechnen und andere Dinge, aber das wäre nie rund, weil es eben auf diereflexive Komponente ankommt. Im Stufu mehr Künstlerisches zu habenoder Kurse zu haben, wo es wirklich um persönliche Weiterentwicklunggeht, da freue ich mich jedes Semester drüber und denke mir: „Ein geileshalbes Jahr.“Florian Mende, 21studiert Philosophie, Politik und Ökonomik, kommt aus Würzburg

Schwerpunktthema Wir sehen ROTDie größte Herausforderung war gewiss, den 8-semestrigen BA kurzfristigund überraschend bereits nach 7 Semestern abschließen zu müssen, weilsonst keine Möglichkeit mehr bestanden hätte, den zugehörigen Masterzu studieren, denn der Studiengang wurde eingestellt. Ohne die immenseUnterstützung meiner Dozenten hätte ich das nicht geschafft.Lara Venghaus, 32studiert Philosophie und Kulturreflexion im Master, hat zuvor den gleichnamigenBachelor gemacht, kommt aus BielefeldRot ist Rot und nicht Blau. Kultur wirkt wie die Aushandlung und Konventionalisierung von Setzungen zum Gewinn von Lebens- und Handlungssicherheit. Die Kunst durchschlägt dieses Anliegen immer wieder.Ich erlebe die Studierenden im Zusammenhang der Lehre, meiner Tätigkeit als Prodekan und in den Gremien von Fakultät und Universität. Ich erlebe sie vor allem in der Lehre für meine Vorstellungen als wenig neugierig.Claus VolkenandtProfessor für Kunstwissenschaften, Prodekan für Lehre017

018Ich habe erst in der Charité in Berlin angefangen Medizin zu studieren, habeaber ganz schnell gemerkt, dass ich nur mit Medizin da nicht überlebe [ ].Es war auch mit Grund nach Witten Herdecke zu wechseln, dass ich dortneben Humanmedizin auch kulturelle Inhalte haben und wahrnehmen kann.Kultur ist alles, was durch den Menschen bewusst und kreativ geschaffenwird, in eine

Studium fundamentale – Die Schnittstelle zwischen den Fakultäten! S. 082 . tierte, wurde ein richtiges Tageszeitungsformat, in dem ne- . finden wird, wir stattdessen digitale Lehrformate kurzfristig etabliere