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Protokoll PreisgerichtsprotokollKonzeptvergabe Mannheim SchafweideDatum:22.10.2020Uhrzeit:9:30 Uhr bis 21:00 UhrOrt:Saal Ludwig van Beethoven, Dorint Kongresshotel Mannheim,Rosengartenplatz 2, 68161 MannheimBeteiligteFachpreisrichter- Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister, Stadt Mannheim- Lothar Quast, Bürgermeister Dezernat IV, Stadt Mannheim- Gabriele Baier, Gemeinderat, GRÜNE Fraktion Mannheim- Silke Ruppenthal, Leiterin FB Bau- und Immobilienmanagement, Stadt MannheimStellvertretende Sachpreisrichter- Reinhold Götz, Gemeinderat, SPD-Fraktion Mannheim- Volker Beisel, Gemeinderat, FDP / MfM-Fraktion Mannheim- Dr. Hanno Ehrbeck, FB Geoinformation und Stadtplanung, Stadt MannheimFachpreisrichter- Klaus Elliger, Architekt und Stadtplaner, Leiter FB Geoinformation und Stadtplanung,Stadt Mannheim- Prof. Matthias Hähnig, Architekt und Stadtplaner, Tübingen- Axel Lohrer, Landschaftsarchitekt, München- Kurt Reinken, Projektentwickler, Hamburg- Matthias Schuster, Stadtplaner und Architekt, StuttgartStellvertretende Fachpreisrichter- Thomas Steimle, Architekt, StuttgartSachverständige- Dr. Sabine Mahr, FB Klima, Natur, Umwelt, Stadt Mannheim- Hans Georg Dech, Bezirksbeirat Neckarstadt-Ost SPD- Roswitha Henz-Best, Bezirksbeirat Neckarstadt-Ost CDU- Stefan Rode, FB Bau- und Immobilienmanagement- Leonhard Weiche, FB Geoinformation und Stadtplanung (zeitweise)- Jochen Tölk, FB Geoinformation und Stadtplanung1/19

Vorprüfung, Wettbewerbsbetreuung- Christian Datz, a:dk, Mainz- Christof Kullmann, a:dk, MainzAblaufDie Sitzung beginnt um 9:30 Uhr.Begrüßung / Vollständigkeit des PreisgerichtsOberbürgermeister Dr. Peter Kurz begrüßt die Anwesenden im Namen der Stadt Mannheim underläutert kurz die Erwartungen und Ziele für den Tag des Preisgerichts. Dr. Kurz übergibt dasWort an Herrn Kullmann für die Verfahrensvorbereitung. Herr Kullmann und Herr Datz überprüfen im Rahmen einer kurzen Vorstellungsrunde die Anwesenheit der Preisrichter.Frau Prof. Kerstin Schultz ist als Fachpreisrichterin krankheitshalber verhindert und wird durchHerrn Matthias Schuster vertreten. Frau Carolin von Lintig als stellvertretende Fachpreisrichterin ist ebenfalls erkrankt. Frau Bürgermeisterin Felicitas Kubala ist aus wichtigem Grund verhindert. Sie in der Jury durch die Gemeinderätin Frau Gabriele Baier vertreten. Alle weiteren Sachund Fachpreisrichter sind erschienen. Die Jury ist somit vollständig und beschlussfähig.Herr Kullmann bittet um Vorschläge für die Wahl zum Vorsitz der Jury. Aus dem Kreis der Preisrichter wird Prof. Mathias Hähnig für den Vorsitz vorgeschlagen und in der Folge einstimmig(bei eigener Enthaltung) gewählt. Prof. Hähnig dankt für das Vertrauen und nimmt die Wahl an.Der Vorsitzende erläutert das weitere Vorgehen und weist auf die entsprechenden Rahmenbedingungen hin. Dazu gehört die Versicherung jedes und jeder Anwesenden, dass er bzw. sie-keinen Meinungsaustausch mit Wettbewerbsteilnehmern über dieWettbewerbsaufgabe und deren Lösung geführt hat,-während der Dauer des Preisgerichts nicht führen wird,-bis zum Preisgericht keine Kenntnis der Arbeiten erhalten hat,soweit er nicht an der Vorprüfung beteiligt war,-das Beratungsgeheimnis wahren wird,-die Anonymität aller Arbeiten aus seiner Sicht gewahrt ist und-es unterlassen wird, Vermutungen über den Verfasser einer Arbeit zu äußern.Das Büro a:dk wird um die weitere Protokollführung gebeten. Anschließend bittet der Vorsitzende die Vorprüfung um eine zusammengefasste Erläuterung des Vorprüfungsberichts. Herr Datzund Herr Kullmann berichten über das Ergebnis der Vorprüfung:2/19

Alle 20 nach dem Teilnahmewettbewerb aufgeforderten Büros haben eine vollständige undprüffähige Arbeit eingereicht. Die Einlieferung der Pläne und Modelle erfolgte terminlich so,dass auf einen fristgerechten Versand geschlossen werden kann. Erhebliche Minderleistungenwurden nicht festgestellt. Alle Arbeiten entsprechen im Wesentlichen den formalen Bedingungen der Auslobung.Da pandemiebedingt die Pläne nicht in üblicher Form auf Stellwänden präsentiert werden können, wird allen Anwesenden eine Broschüre im Format DIN A3 mit Verkleinerungen sämtlichereingereichter Pläne sowie eine weitere Broschüre mit Erläuterungstexten zur Verfügung gestellt. Die Originalpläne befinden sich im Saal und können durch alle Beteiligten eingesehenwerden. Das Umgebungsmodell sowie die Einsatzmodelle der Teilnehmer befinden sich ebenfalls – in zentraler Aufstellung – im Saal. Zudem wurden alle Einsatzmodelle innerhalb des Umgebungsmodells durch die Vorprüfung in gleicher Weise fotografiert. Die Rundgänge werdensomit als Beamer-Präsentation der eingereichten Pläne und der Modellfotos durchgeführt.Der Vorprüfbericht wird allen Beteiligten in Form einer Broschüre zur Verfügung gestellt. HerrDatz und Herr Kullmann erläutern kurz den Ablauf der Vorprüfung sowie die Struktur des Berichts. Die Flächenauswertung wurde digital anhand von Prüfzeichnungen der Teilnehmer vorgenommen. Hinzu kommen weitere tabellarische Auswertungen der wesentlichen Kennwerte.Die Vorgaben der Auslobung werden ebenfalls in knapper, stichpunktartiger Form tabellarischfür jeden Beitrag zusammengefasst. Weiterhin enthält der Bericht vergleichende Diagrammeder wesentlichen Kennwerte sowie vergliechende Darstellungen der Lagepläne, Grundrisse undPerspektiven.Das betreuende Büro a:dk berichtet zudem vom Verlauf der Bürgerbeteiligung am Vorabend. Inder ca. 2-stündigen Veranstaltung wurden die Pläne aller Arbeiten interessierten MannheimerBürgern präsentiert. Bedingung hierfür war die Zusicherung absoluter Vertraulichkeit durch dieBürger bis zur Veröffentlichung des Ergebnisses durch den Auslober. Das Angebot wurde von 9Bürgern angenommen. Diese erhielten nach der Präsentation Gelegenheit, Hinweise und Anregungen für das Preisgericht zu formulieren. Diese Anregungen und Hinweise bezogen sich aufdas Feld der Arbeiten insgesamt; Hinweise oder Bewertungen in Bezug auf einzelne Arbeitenwaren nicht zulässig und erfolgten auch nicht.In Bezug auf das Nutzungskonzept sollen folgende Aspekte durch die Jury beachtet werden:- Konfliktpotential Anordnung Kita-Freiflächen im Innenhof (Lärm)- der Umgang mit und der Umfang der Barrierefreiheit sollen beachtet werden- Angebote in Erdgeschossen sollen generationenübergreifend erfolgen3/19

- die Möglichkeit des Mehrgenerationenwohnens wird begrüßt- Nutzungsmischungen sollen gebäudeübergreifend erfolgen, keine »Segregation im Kleinen«- Angebote für Gemeinschaftsnutzungen werden begrüßt- preisgünstiges Wohnen nur in kleinen Wohnungen wird negativ gesehen, stattdessen wirdeine Mischung unterschiedlicher Wohnungsgrößen begrüßt- eine Veränderbarkeit und Anpassungsfähigkeit der Wohnungen wird positiv gesehenIn Bezug auf das Kriterium Städtebau / Architektur sollen insbesondere folgende Aspekte durchdie Jury beachtet werden:- Mut zum »besonderen« Entwurf für den besonderen Ort wird angeregt- nicht der »kleinste gemeinsamer Nenner« soll prämiert werden- markante, besondere Fassaden werden begrüßt- hochwertige Fassaden / Materialien für den Stadteingang werden begrüßt- die Höhenstaffelung und Fassadengliederung wird in vielen Beispielen positiv gesehen- Gliederung und Abwechslungsreichtum der Fassaden werden begrüßt- es soll kein »Klotz« entstehen, die Fassaden sollen bewegt und lebendig gestaltet sein- gewünscht ist ein »Hineinholen« des Neckarraums in den Innenhof- eine Höhenstaffelung von niedrigen Bereichen am Neckar zu höheren Gebäuden an derStraße positiv wird positiv gesehen- Ideen für Modulbauweisen werden positiv gesehen- Konzepte für Holzbauten werden begrüßtIn Bezug auf das Kriterium Ökologie / Freiraum weisen die Bürgerinnen und Bürgerinsbesondere auf folgende Aspekte hin:- eine angemessene Durchwegung des Hofbereichs wird angestrebt- große Innenhofbereiche werden positiv gesehen- eine Fassadenbegrünung wird als positiv und wichtig angesehen,vor allem im Blockinnenbereich- Dachbegrünungen werden als wichtig eingeschätzt, insbesondere nutzbare begrünteDachflächen werden begrüßt- Fahrrad- und Müllräume sollen möglichst in die Gebäude integriert werden- im Außenraum sollen ausreichend Sitzmöglichkeiten angeboten werden- im Außenraum Spielangebote geschaffen werden (nicht nur für kleine Kinder)Prof. Hähnig bedankt sich im Namen der Jury für den einführenden Bericht der Vorprüfung unddie zusammengefassten Hinweise der Bürger. Diese werden als hilfreich und unterstützend fürdie Beurteilungen des Preisgerichts anerkannt.4/19

InformationsrundgangIm Anschluss beginnt der Informationsrundgang. Herr Datz und Herr Kullmann stellen alle Arbeiten anhand der Pläne ausführlich und wertungsfrei vor. Die Pläne werden ausführlich erläutert und durch die Modellfotos ergänzt. Es werden inhaltliche Rück- und Verständnisfragen gestellt, es finden jedoch noch keine wertenden Diskussionen über die Arbeiten statt.Beratung und Diskussion in der JuryDer Vorsitzende bedankt sich nach Abschluss des Informationsrundgangs bei der Vorprüfungfür die sorgfältige Prüfung und den umfassenden und wertungsfreien Überblick über die Arbeiten. Das Preisgericht stellt insgesamt fest, dass eine sachgemäße Beurteilung aller Wettbewerbsarbeiten möglich ist. Das Preisgericht lässt aufgrund der Ergebnisse der formalen Prüfungund des Informationsrundgangs einstimmig alle Arbeiten zur Bewertung zu. Aus Sicht desPreisgerichts ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Spektrum an unterschiedlichen Lösungen, welche die anspruchsvollen Vorgaben der Wettbewerbsauslobung für das an diesem Ortgewünschte Gebäude und seine Nutzungen in vielfältiger Weise interpretieren. Auf Basis derWertungskriterien wird ein Überblick über die Arbeiten resümiert.1. WertungsrundgangDer Preisgerichtsvorsitzende ordnet im 1. Wertungsrundgang jeder Arbeit einen Fachpreisrichter zu, der diese unter Beschreibung der wesentlichen Vorzüge und Nachteile nochmals erläutert und eine wertende Erstmeinung als Ausgangspunkt einer anschließenden Diskussion vertritt. Auf Basis der Beurteilungskriterien werden diese Einschätzungen intensiv hinterfragt unddiskutiert. Folgende Arbeiten werden auf Antrag einstimmig vom weiteren Verfahren ausgeschlossen, weil sie wesentliche Kriterien in Bezug auf Architektur und Städtebau bzw. auf dasNutzungskonzept in Teilbereichen nicht oder nur eingeschränkt erfüllen:1085109010952. WertungsrundgangDer Preisgerichtsvorsitzende bittet im 2. Rundgang erneut die Fachpreisrichter darum, in wechselnder Folge jeweils die wesentlichen Vorzüge und Nachteile der Arbeiten zu benennen und zubewerten. In diesem Rahmen werden die Arbeiten einzeln nacheinander betrachtet und aufBasis der Beurteilungskriterien erneut intensiv und wertend besprochen. Teilweise werden Arbeiten in diesem Rundgang auf Antrag mehrheitlich ausgeschieden, weil sie die Beurteilungskriterien in Bezug auf das Nutzungskonzept, Architektur und Städtebau sowie Ökologie und Freiraum insgesamt weniger gut erfüllen als die verbleibenden Arbeiten.5/19

1081 Die Arbeit wird mit 0:9 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1082 Es wird kein Antrag auf Ausschluss gestellt.1083 Die Arbeit wird mit 1:8 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1084 Die Arbeit wird mit 1:8 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1086 Die Arbeit wird mit 0:9 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1087 Die Arbeit wird mit 0:9 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1088 Die Arbeit wird mit 1:8 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1089 Die Arbeit wird mit 0:9 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1091 Die Arbeit verbleibt mit 8:1 Stimmen im Verfahren.1092 Die Arbeit wird mit 0:9 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1093 Es wird kein Antrag auf Ausschluss gestellt.1094 Es wird kein Antrag auf Ausschluss gestellt.1096 Die Arbeit wird mit 1:8 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1097 Die Arbeit wird mit 1:8 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1098 Die Arbeit wird mit 1:8 Stimmen aus dem Verfahren ausgeschlossen.1099 Die Arbeit verbleibt mit 7:2 Stimmen im Verfahren.1100 Es wird kein Antrag auf Ausschluss gestellt.Somit verbleiben folgende 6 Arbeiten im Verfahren:108210911093109410991100Bildung der engeren WahlIn der Folge findet sich die Jury erneut zur Beratung zusammen. Die Arbeiten108210911093109410991100werden in der Folge einstimmig zur engeren Wahl bestimmt. Auf Basis der vorangegangen Diskussionen des Preisgerichts sowie der Beaurteilungskriterien werden folgende zusammenfassende Beurteilungen für die Arbeiten erarbeitet:6/19

Beurteilung der Arbeiten1082Der Entwurf nimmt als Ausgangspunkt den geplanten Neubau des SWR und entwickelt darauseine städtebauliche Figur, die sich als Abfolge rechtwinkliger Kuben darstellt. Konsequent wirddiese »Abfolge von Häusern« auch in der Höhe differenziert und staffelt sich von einem 5- geschossigen Baukörper am SWR über eine 6 Geschossigkeit an der Nordwestecke bis auf 2Geschosse an der angedeuteten Schließung des Hofes. Auf die Biegung der Schafweide wirdder Logik folgend ebenfalls mit rechtwinkligen Rücksprüngen geantwortet. Während der SWRvon einer vertikalen Gliederung geprägt ist, wird der Wohnungsbau konsequent durch horizontale Bänder gegliedert.Die Grundrisse sind klar strukturiert, reagieren gut auf die problematische Lärmsituation undbieten Loggien/ Balkone zum ruhigen Hofbereich. Vermisst wird ein breiteres Angebot unterschiedlicher Wohntypologien. Die Erschließung erfolgt ausschließlich über innenliegende Treppenhäuser, die lediglich über schmale Lufträume natürlich belichtet werden. Der Kindergartenist an der Nordwestecke gut positioniert. Kritisch ist anzumerken, dass die Hol- und Bringfunktion in der Tiefgarage vorgesehen ist. Der Freibereich des Kindergartens ist zum Teil ungünstigdimensioniert. Durch seine Südausrichtung und der Tatsache, dass die Bäume im Hof ausschließlich auf der begrünten Tiefgaragendecke gepflanzt werden, ist davon auszugehen, dasssich der Spielbereich im Sommer stark aufheizt. Im Erdgeschoss ergänzen Coworking-Spacesund ein Restaurant die Angebote für das Quartier.Die Gestaltung des Hofes ist wenig ambitioniert und in weiten Teilen versiegelt. Hier wirkt sichproblematisch aus, dass das Brandschutzkonzept eine Befahrung des Hofes für die Feuerwehrerforderlich macht. Große Teile der Freiflächen sind den Erdgeschosswohnungen zugeordnet.Die verbleibende rechteckige Rasenfläche ist wenig einladend gestaltet.Die Gebäude sollen in Holz- Hybridbauweise erstellt werden. Holztafelelemente werden alsFassadenelemente eingesetzt. Diese ambitionierte Bauweise wird positiv anerkannt, allerdingswird leider nur ein KFW-55-Standard angeboten. Unverständlich ist in diesem Zusammenhangdie dunkle Farbwahl für die Fassade, die eine starke Aufheizung zur Folge haben wird. Begrünungen werden lediglich im Bereich der Brüstungen angeboten. In der Tiefgarage sind nichtgenügend Stellplätze für Räder vorhanden. Es ist daher davon auszugehen, dass viele Räderunter freiem Himmel im Hof abgestellt werden müssen. Weitere Angebote für eine zukunftsweisende Mobilität werden vermisst.7/19

1091Die Entwurfsarbeit geht mit einer klaren Haltung an die Aufgabe heran und findet eine fast bestechend einfache Antwort. Alle Bauaufgaben werden in einer durchgehenden Blockrandbebauung integriert. Die fünfgeschossige Bebauung erhält entlang der Schafweide und der Friedrich-Ebert-Straße ein zurückgesetztes sechstes Staffelgeschoss. Nach außen präsentiert sichder Wohnhof mit einer angemessenen städtischen Klinker-Architektur. Die Fassaden werdendurch die leicht zurück gesetzten Treppenhauseinschnitte sinnvoll gegliedert. Wie die hier vorgeschlagene Fassadenbegrünung funktioniert, wird jedoch nicht näher erläutert. Die kleinenAustritte schaffen eine angenehme Auflockerung der ansonsten strengen Fassade. Das Erdgeschoss mit dem durchgehenden Hochparterre stellt eine angemessene Antwort auf die städtebauliche Situation dar.Im Innenhof präsentiert sich der Bau mit schlichten hellen Putzflächen und gestaffelten Gebäudeteilen. Den südlichen Abschluss des Innenhofes bildet ein sogenannter Wolkenriegel, derarchitektonisch etwas unglücklich an die beiden Flanken anschließt. Dieser schafft jedoch einesehr gute Schichtung vom privaten Innenhof über den vorgelagerten öffentlichen Platz zum Neckar hin. Leider ist er etwas zu hoch geraten, sodass der Innenhof und vor allem der Freibereich der Kita stark verschattet werden.Die Organisation des gut durchmischten und pragmatischen Wohngemenges ist schlüssig. DieTreppenhäuser sind kompakt gehalten, die Erschließungsflächen wirtschaftlich. Im Erdgeschoss gibt es direkte Zugänge zu den gemeinschaftlich nutzbaren Freibereichen, die den Bewohnern einen direkten Zugang zum Innenhof ermöglichen. Die Wohnungen im südlichen Gebäuderiegel werden als »experimentell« bezeichnet. Dies kann die Jury nicht nachvollziehen.Die Laubengangerschließung kann als flexibel bezeichnet werden, denn sie ermöglicht die Anordnung von kleinen Wohnungen, die ggf. horizontal oder vertikal gekoppelt werden können.Das ist jedoch abhängig von der Zuordnung von Miet- und Eigentumswohnung. Die Wohnnutzung im Erdgeschoss ist insbesondere zur Schafweide hin trotz der Hochparterre-Lösung problematisch und nur mit Hilfe einer mechanischen Be- und Entlüftung möglich. In den Blockeckbereichen finden sich eine sinnvoll angeordnete Mobilitätsstation und ein Kiosk. Der Kindergarten in der südöstlichen Blockecke ist ebenfalls organisatorisch gut platziert. Allerdings überzeugen die Freibereiche unter dem tiefen Wolkenbügel und im Innenhof nicht. Hier ist es zu dunkelund zu eng, so dass die Nutzungsqualität eingeschränkt ist und Konflikte mit der Bewohnerschaft programmiert sind. Es ist gut, dass die Kinder einige Meter zum Kindergarten laufenmüssen, auch wenn einige Eltern das etwas anders sehen werden. Das Café liegt sehr gut amzukünftigen Platz, dürfte aber etwas zu klein geplant sein. Die Innenhofgestaltung ist ambitio-8/19

niert, wirkt aber zugleich leicht überladen.Dies liegt nicht nur an der hohen Nutzungsdichte, sondern auch an der Zuordnung der Flächenund der wenig aussagekräftigen Durchgrünung. Die Angaben zu Nachhaltigkeit und Energiebeschränken sich auf heute übliche Standards und lassen eine zeitgemäße und dem kostengünstigen Wohnungsbau angemessene Konzeption erwarten. Der Entwurf bildet mit seinerausgesprochenen klaren Haltung in Städtebau und Architektur einen soliden Beitrag zur komplexen Aufgabe. Die Angaben zum preisgünstigen Wohnen entsprechen den Anforderungen.Die Herausforderungen und Chancen der besonderen Lage im Stadtgefüge wurden handwerklich gut gelöst, auch wenn Details in der Organisationsstruktur und Gestaltung nicht gänzlichüberzeugen können.1093In Referenz zur gegenüberliegenden Bebauung an der Straße Schafweide besetzt eine neuearchitektonische Einheit das Baufeld. Gegliedert in zwei lang gestreckte Bauten umschreibendiese mit eleganten Schwüngen einen klar lesbaren Block um einen einladenden grünen Hofmit einer deutlichen Öffnung nach Süden. Schlüssig wird an das Höhenspiel des SWR angeknüpft und mit einem schmalen Akzent im Nordosten und einer nachvollziehbar öffnenden Abstufung zur Platzkante ein subtiler Rhythmus in der Längenabwicklung erzeugt. Im Volumenerscheint der mit lediglich einer Wohnung akzentuierte Hochpunkt jedoch etwas kraftlos. Warum die Dachbereiche nicht mit Nutzungsangeboten versehen wurden, erschließt sich der Jurynicht.Die das Haus dominierende Wohnungsnutzung ist mit klar besetzten lesbaren Bildern in zwardurchaus vertrauten, jedoch zugleich qualitätsvollen Ansichten gut ablesbar. Dezent betonengut herausgearbeitet Hauszugänge und ein leichter Rücksprung in den Dachgeschossen dieTeilgliederung des Hauses. Die öffentlichen Nutzungen liegen konzentriert zum Platz, wodurchdie verkehrliche Andienung der Kita entspannt und das öffentliche Leben des Platzes belebtwird. Die gut durchgearbeiteten Wohnungsgrundrisse, meist als kompakte Vierspänner organisiert, lassen eine ansprechende Wohnqualität erwarten. Die Wohnungen öffnen sie sich fastalle mit gut nutzbaren Loggien zum grünen Hof oder mit weitem Blick in Richtung Neckar. Diefast ebenerdigen Wohnungsnutzung zur Straße hin werden insbesondere hinsichtlich der Einsehbarkeit und in Bezug auf die dortigen Emissionen kritisch gesehen.Auch wenn die Kita im Innenraum gut strukturiert erscheint, werden die angedockten eingeschossigen Pavillons hinsichtlich ihrerer Wirkung im Garten kritisch diskutiert. Eine aus Kinderperspektive unnötige gefühlte Enge wird befürchtet. Von atmosphärischer Dicht zeigen sich dieFreiflächen im Block, die in hoher vegetativer Fülle eine einladende Gartenwelt im stimmigenZusammenspiel von privaten Gärten, Spielbereichen und gemeinschaftlichen Treffs entwickeln.9/19

Der vorgeschlagene Klinker als Fassadenmaterial ist hochwertig und dem Ort angemessen.Dagegen zeigen die Vorschläge zum ökologischen wie energetischen Konzept kaum zukunftsorientierte Ansätze. Der angebotene Wohnungsmix überzeugt, wenngleich die soziale Durchmischung im Block stärker ausgeprägt sein sollte. Auch wenn sich die Arbeit für diesen Ort in derErscheinung vielleicht doch zu sehr an bereits bekannten Wohnungsbauten orientiert, so zeigtsie mit ihrer soliden und zeitlosen Durcharbeitung ein belastbares Konzept für die Arrondierungder Neckarstadt.1094Die Entwurfsverfasser sehen eine gestapelte Modulbauweise als Holz-Hybrid-Konstruktion vor,die als hoch innovativ gewürdigt wird und einen zeitgemäßen Wohnungsbau mit differenziertenQualitäten und eigener Identität erzeugt. In den straßenseitigen Erdgeschossen werden größtenteils Sondernutzungen wie Büro-, Gemeinschafts- und Co-Working-Räume angeboten, dieteilweise mit hofzugewandten Wohnbereichen gekoppelt werden können. Hinzu kommt ein kleiner Kiosk im Eckbereich Schafweide/Friedrich-Ebert-Straße. Inwieweit der dortige Durchgangaus Gründen des Emissionsschutzes mit einer Abtrennung versehen werden sollte, müsstegeklärt werden. Die Erdgeschossbereiche im Südwesten zum entstehenden öffentlichen Platzversprechen attraktive öffentliche Nutzungen (Bäckerei, Bistro, Lesecafé); zum Innenhof hinsind die Räume des Kindergartens vorgelagert. Die Gruppenräume des Kindergartens und dessen Freibereich nehmen einen großen Teil der Hofflächen ein. Weitere Teile des Innenhofs sinddurch private Freibereiche der EG-Wohnungen belegt, wodurch insgesamt relativ kleine öffentliche Hofflächen verbleiben. Dies wird kritisch hinterfragt, aus Sicht der Jury aber durch diegroßzügigen öffentlichen Freibereiche im Umfeld (südlicher Platzbereich, Neckarufer), aberauch umfangreiche Angebote an gemeinschaftlichen Dachgärten innerhalb des Gebäudekomplexes kompensiert. Allerdings fehlen innerhalb der Hofbereiche noch die für die Wohnungsnutzungen erforderlichen Spielflächen.Die innovativen, auf modularer Basis flexiblen und anpassungsfähigen Wohnungsgrundrissewerden sehr positiv bewertet. Die Erschließung über tief eingezogene Laubengänge mit Begrünung und Lufträumen verspricht hohe Qualitäten in Hinblick die Gliederung des Gebäudes undseiner Fassaden sowie auf ihre gemeinschaftliche Nutzung als Kommunikations- und Aufenthaltsbereiche der entstehenden Nachbarschaften. Die städtebauliche Beziehung zum Neubaudes SWR wird positiv gesehen. Die durch die Rasterstrukturen der modularen Konstruktion klargegliederten Fassaden werden durch zeitgemäß eingesetzte Ausfachungen aus Holz- undLehmelementen gegliedert.10/19

Zum Innenhof staffeln sich die aufgehenden Gebäudeteile innerhalb des Rasters kleinteilig terrassiert zurück, wodurch eine besonders lebendige und individuelle Struktur entsteht. Diesewird, insbesondere zum Innenhof, durch eine angemessene Begrünung in Form von Pflanztrögen durchsetzt. Die Anzahl der Wohnungen liegt insgesamt im unteren Durchschnitt der eingereichten Entwürfe. Dies liegt unter anderem am weitgehenden Verzicht auf ErdgeschossWohnungen. Der geforderte Anteil an preiswerten Wohnungen wird gut erfüllt. Besonders anerkannt wird der hohe Anteil von 64 barrierefreien Wohnungen. Die Arbeit adressiert insgesamtund in vielerlei Hinsicht die Anforderungen und Erwartungen der Auslobung an einen innovativen, ökologischen und identitätsstiftenden Stadtbaustein als Ergänzung und Abschluss derMannheimer Neckarstadt.1099Den Verfassern gelingt es, den neuen Stadtbaustein als einen differenzierten Blockrand in dieheterogene Umgebung zu setzen. Die städtebaulichen Fluchten werden durch die Gliederungder Baukörper geschickt gebrochen und neu gelenkt. So entsteht ein ausgewogenes und gutkomponiertes Ensemble mit dem Neubau des SWR. Der Quartiersplatz wird wohltuend erweitert und stärkt in seiner neuen Ausrichtung den Bezug zur Neckaraue. Im Erdgeschoss wird einvielfältiges, gemeinschaftlich nutzbares Flächenangebot geschaffen. Gastronomieflächen, Seniorentreff, Fahrradwerkstatt, Kita und Seniorentreff sind angemessen im Grundriss verortet undermöglichen das Entstehen eines durchmischten und belebten Stadtquartiers.Die Gestaltung der Außenräume bietet aufgrund kluger Setzungen und einer wertigen Ausarbeitung qualitätvolle private und gemeinschaftliche Freiflächen. Folgerichtig werden zur Förderungder gesellschaftlichen Durchmischung die preisgünstigen Mietwohnungen in der Gesamtanlageverteilt und nicht bereichsweise konzentriert. Die 30% des preisgünstigen Wohnraums werdenjedoch nicht vollständigen nachgewiesen – dies müsste ggf. noch korrigiert werden.Die innere Struktur entwickelt sich schlüssig aus der städtebaulichen Setzung. Die vertikaleErschließung ist folgerichtig entlang der Straßenfluchten situiert. Die meisten Wohnungen sinddurchgesteckt oder mehrseitig belichtet und belüftet. Einseitig belichtete Wohnungen sind richtigerweise zur Schall abgewandten Seite nach Osten, Westen oder Süden orientiert.Die Wohnungen werden in der Regel in Dreispännern organisiert und lassen aufgrund ihrerguten Zuschnitte eine hohe Wohnqualität erwarten. Die Anforderungen an den baulichenSchallschutz werden im Wesentlichen gelöst. Der 2. Rettungsweg ist nicht in allen Wohnungennachgewiesen. Das Gebäudevolumen lässt in Verbindung mit der rationalen Wohnungsteilungeine gute Wirtschaftlichkeit in der Erstellung und in Verbindung mit dem Energiekonzept einenäußerst wirtschaftlichen Betrieb erwarten. Die geforderte Stellplatzanzahl wird annähernd erreicht. Die Fassaden spiegeln weitgehend das Innenleben des Gebäudes wieder. Die auskragenden Balkone stärken den Charakter der Wohnarchitektur.11/19

Die WDVS-Fassaden werden den Anforderungen des Standorts in ihrer eingeschränkten Wertigkeit nicht ganz gerecht. Darüber hinaus erscheint die dargestellte Fassadenbegrünung nichtglaubwürdig.Die Faltung der Dachlandschaft vermag in dieser Form noch nicht zu überzeugen. Insbesondere ist der Umgang mit dem zusätzlich gewonnenen Raumvolumen nicht nachvollziehbar. Bemerkenswert ist das tiefgründig ausgearbeitete und vielfältige regenerative Energiekonzept.Insgesamt stellt die Arbeit einen guten Beitrag zur gestellten Aufgabe dar.1100Das dargelegt Konzept ist in zweierlei Hinsicht spannend: Zum einen gelingt den Verfassern miteinem Spiel von blockbildenden und zugleich einzeln ablesbaren Häusern in wechselnden Höhen, leichten Knicken sowie dezenten Vor- und Rücksprüngen ein überzeugender städtebaulicher Anschluss an die kubische Gestaltung des SWR-Neubaus. Zum anderen entwickelt derGebäudekomplex aus einer verbindenden Grammatik eine eigenständige Sprache und Ausdruck. Richtig gesetzt ist der Hochpunkt sowohl nach Nordosten wie in Richtung Neckar nachSüdwesten. Der Block bildet eine schöne Öffnung zum Neckar, die mit einem eingeschossigen,teilweise transparenten Gebäudteil auf der Hofebene begrenzt wird.Zum anderen ist der Vorschlag durch eine vollständige öffentliche wie gewerbliche Nutzung derErdgeschossebene gekennzeichnet. Hier finden sich quartiersdienliche Angebote wie KITAoder Tagespflege, CoWorking-Bereiche oder öffentlichkeitsorientierte Galerien und Gastronomien. Das Spiel von öffentlichen und halböffentlichen Flächen in der Abfolge von Platz, Straßeund umgrenztem Innenhof wird subtil differenziert. Ansprechend ist die einladend offene Wirkung dieses Konzeptes nicht nur nach Süden zum Platz, sondern durch die großzügige Verglasung der Erdgeschosse auch nach Norden zum verkehrsreichen Strassenraum. Der Innenhofbereich wird nicht als privater Garten, sondern als halböffentlicher, gemeinschaftlicher Hof fürdie Bewohner und Benutzer des Hauses gestaltet. Er bildet die innere Mitte des Gebäudes –ein angemessenes Konzept, dass vielleicht etwas weniger Versieglung zugunsten eines kraftvolleren Grüns vertragen könnte.Der gemeinschaftliche Hof wird durch privat nutzbare Dachgärten ergänzt, die bedauerlicherweise nur eingeschränkt barrierefrei angebunden sind. Die Wohnungsgrundrisse selbst zeigeneine gute Vielfalt und innere Stimmigkeit. Die Wohnungstypen innerhalb der Häuser könntenstärker durchmischt werden. Hinterfragt werden auch die partiell engen Treppenhäuser mit engem Übergang zu längeren Fluren. Der geforderte Wohnungsmix wird eingehalten. Die Fassaden aus Klinker mit Holz-Alu-Fenstern sind ansprechend hochwertig und bieten mit den großzügigen Fenstern und differenzierten Balkonen/Loggien ein lebendiges wie eigenständiges Bild.12/19

Die Fassadenbegrünung beschränkt sich leider auf nur wenige, schmale Tröge, die zudem inihrer nachhaltigen Funktion kritisch hinterfragt werden. Überhaupt lässt die Arbeit hinsichtlichdes ökologischen wie des energetischen Konzeptes zukunftsorientierte Aussagen vermissen.Mit dem dargestellten skulpturalen Spiel der Gebäudevolumen, der dem Ort angemessen Gliederung und Differenzierung, dem gut gestuften Wechsel von öffentlich, halböffentlich und privatsowie der konsequenten öffentlichen wie gewerblichen Besetzung des Erdgeschosses zeigt dasKonzept einen besonders gelungenen Beitrag für eine städtebauliche wie funktionelle Arrondierung der Neckarstadt.Bildung einer RangfolgeEs wird beschlossen, innerhalb der engeren Wahl eine Rangfolge zu bilden. Hierfür halten diePreisrichter no

Konzeptvergabe Mannheim Schafweide Datum: 22.10.2020 Uhrzeit: 9:30 Uhr bis 21:00 Uhr Ort: Saal Ludwig van Beethoven, Dorint Kongresshotel Mannheim, Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim Beteiligte Fachpreisrichter - Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister, Stadt Mannheim - Lothar Quast, B