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SK Stiftung Kultur02 15Akademie för uns kölsche Sproch

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FOT O: J ANE T SINIC AVORWORTLeev Fründinne un Fründe vun unsem klaaf-Heff,die fünfte Jahreszeit liegt hinter uns, die Veranstaltungen mit unserenFreunden der »KG Nix im Büggel vun 1823 k.e.V.« im Brauhaus Sion warenein besonderer Höhepunkt der Session, und es ist für mich eine großeFreude, dass meine damalige Idee und Initiative so gut weitergeführtwird und sich zu einem »Kult« im kölschen Fasteleer entwickelt hat. Alsfrischgekürtes Ehrenmitglied der KG auch an dieser Stelle Dank an alleMitwirkenden!Im zweiten Heft dieses Jahres informieren wir Sie über den 3. KölnerAbend, der fast ausverkauft ist, und über den nächsten »Klaaf em Mediapark«, den wir gemeinsam mit dem Heimatverein Alt-Köln e.V. veranstalten.För uns Pänz haben wir uns als Ferienprojekt eine ungewöhnlicheStadterkundung einfallen lassen. Die Grundschülerinnen und Grundschülerlernen das Kölner Rathaus kennen, seine Geschichte und heutige Bedeutung sowie die zahlreichen Kölner Bürgerinnen und Bürger, die mit einerSteinfigur am Rathausturm verewigt worden sind. Zu Beginn der Aktionwerden die Kinder sogar vom Oberbürgermeister persönlich im Hansasaalempfangen.Außerdem stellen wir Ihnen unser neues sprachwissenschaftlichesForschungsprojekt »Op Kölsch gesaht« vor. Vor 16 Jahren haben wir in derBuchveröffentlichung »Alles Kölsch« eine Erhebung der Kölschkenntnissedurchgeführt. Viel Zeit ist seitdem vergangen und vielleicht hat sich aucheiniges geändert? Wo lernt man Kölsch? Welchen Einfluss haben Liedgutund der Karneval? Fragen, auf die wir gerne Antworten hätten.Mit dem Museum Schnütgen empfehlen wir Ihnen eine weitere sehenswerte Kölner Kultureinrichtung.Jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre unseres neuen klaafHeftes und freue mich, Sie bei der einen oder anderen Veranstaltung derAkademie zu treffen, bis dahinIhrProf. Hans-Georg BögnerGeschäftsführer der SK Stiftung Kultur undLeiter der Akademie för uns kölsche SprochVorwortklaaf3

IMPRESSUMINHALTHerausgeber:Akademie för uns kölsche Sproch/SK Stiftung Kultur derSparkasse KölnBonnGeschäftsführer: Prof. H.-G. BögnerIm Mediapark 7 · 50670 KölnTel.: (0221) 888 95 RWORT03AD EXITUM05KÖLNER KÖPFE06Redaktionsteam:Ingeborg Nitt (verantwortlich),Claudia Schlickeiser (Termine),Marcus Cormann undRalf ZimmermannAnzeigen und Gestaltung:MWK Zimmermann & Hähnel GmbHElisenstraße 24 · 50667 KölnTel.: (0221) 8 20 09–10www.mwk-koeln.deWilly KetzerKÖLNER ABEND14»OP KÖLSCH GESAHT«16MUSEUM SCHNÜTGEN20KLAAF EM MEDIAPARK26RÖDSEL30JECK VERZÄLL!32Wortschatz und GrammatikSCHULFERIENPROJEKT34Rathaus KölnTitelfoto:Willy KetzerDruck:Medienhaus Garcia, LeverkusenKeine Haftung für Irrtümerund Druckfehler.Einsendeschluss für TermineJuli bis September 20156. Mai 2015Eigene Texte verwenden dieSchreibweise der Akademie föruns kölsche Sproch. LiterarischeTexte, Gastbeiträge und Veranstaltungshinweise belassen wir in derSchreibweise der Autoren.RARETÄTCHER US DEMBÖCHERSCHAAF40KLAAF BESTSELLERLISTE 43DE KÖLSCHE KÖCH44TERMINE49FRÜNDE56AKADEMIE FÖR UNSKÖLSCHE SPROCH58

FOT O: J OSE R P IZ AR R O / FOT O LIAAD EXITUMEt soßen en nem ahle SchaafZwei Holzwürm deck un fett,Se froßen un se heelte KlaafUn schlossen dann en Wett:Wä hät et deckste Brett vörm Kopp?Wä kütt zoeesch an’t Leech?»Ich!« jederein de Mul reß opUn maht e stolz Jeseech.Se bohrten rösig sich der WäächMet allerhands Buhei –Ritsch, ratsch, do kom en jroße SächUn köppten alle zwei.CHRISTINA BLOCKChristina Block und Heinz Wild stehen im Mittelpunkt unseres »Klaaf emMediapark« (s. S. 26.)Kölsches Lebenklaaf5

WILLY KEDEUTSCHLANDS BESTERBIG-BAND-SCHLAGZEUGERHerr Ketzer, Sie sind in Bad Kreuznach geboren.Das ist mitten im Hunsrück. Genau genommen bin ich in einem Vorort vonBad Kreuznach geboren, in Guldental. Das ist ein kleines Kaff.Ihre Eltern hatten mit Musik nichts zu tun.Ja, aber sie stellten uns ein Klavier ins Wohnzimmer, um unsere musikalische Seite zu wecken. Das war einer der wichtigsten Momente meinesLebens. Das Klavier und der anschließende Klavierunterricht waren dieBasis, um später die Aufnahmeprüfung für das Musikstudium zu schaffen.Sie haben auch Klarinette gespielt.Ein paar Kumpels spielten in einem Musikverein und wollten, dass ichmitmache. Aber mit welchem Instrument? Der Leiter meinte: »Wir brauchennoch jemanden mit Klarinette.« Er hat mir die Grundbegriffe beigebracht6klaafKölner Köpfe

FOT OS : WI LLY K E T Z E RTZERund so habe ich jahrelang Klarinette gespielt – danach Saxophon in einerTanzkapelle. Letzteres war gut, weil man auch ein bisschen Geld verdient hat.Man kommt ’raus, steht auf der Bühne, wird ein bisschen selbstbewusster,lernt ein paar Mädels kennen – [schmunzelt] das hat ’ne Menge Vorteile.Wo spielt man In Bad Kreuznach-Guldental?Auf Schützenfesten, Beerdigungen, Fronleichnamsprozessionen, überall,wo Musik gebraucht wird. Das war manchmal nicht einfach. Da starbirgendein wichtiger Typ im Winter, und man musste sich mit der Klarinetteauf den eiskalten Friedhof stellen. Alles auf einfachem Niveau, aber solernt man die Musik von der Pike auf. Dann kamen die Beatles und dieJungs in der Kapelle sagten: Hör’ auf mit dem Saxophon, wir machen jetztmehr Popmusik. Eines Tages hatten die sich mit dem Schlagzeuger geprügelt und ihn rausgeschmissen. Plötzlich war ich der Schlagzeuger.Kölner Köpfeklaaf7

Willy Ketzer 1966 in seiner ersten BandWilly Ketzer in seinem ElementIhre Karriere hat mit einer Schlägerei begonnen?[schmunzelt] Irgendwie schon. Ich wusste überhaupt nicht, wie das mitdem Schlagzeug geht. Der Onkel unseres Gitarristen hat mir dann ein paarSachen gezeigt. Es gab einen Grundbeat [trommelt mit den Händen aufden Tisch], wenn man den drauf hatte, konnte man im Grunde jedes Popstück begleiten. Das hatte ich sofort kapiert und dachte schon, ich wäreunheimlich gut. Da wusste ich noch nicht, was alles kommen würde.Erst einmal ging die Schule weiter.Ich bin aufs Gymnasium gegangen, habe Abitur gemacht und zunächstVolkswirtschaft studiert, aber wenn man nur in der Cafeteria sitzt undMädels betrachtet, ahnt man: So funktioniert das nicht. Irgendwann habeich mich doch für die Musik entschieden, bin von heute auf morgen mitdem Zug nach Köln gefahren, habe mich in der Musikhochschule angemeldet und die Aufnahmeprüfung bestanden. Mein Hauptfach war »klassisches Schlagzeug«, Jazz im eigentlichen Sinne gab es da damals nicht.ES GAB KEINEN BEKANNTEN DEUTSCHEN SCHLAGZEUGERJazz gab es vor allem dort, wo Amerikaner stationiert waren.Ja, in Bad Kreuznach und Wiesbaden, in dieser Ecke, dort war einHauptstützpunkt der Amerikaner. Da haben sehr gute amerikanischeBands gespielt. Die Rhein-Main-Airbase war ein wirklich großer Stützpunkt, deshalb kamen da sehr gute Musiker her. Auch Paul Kuhn istals junger Mann da groß geworden. Sehr viele wichtige Leute kamenaus dieser Ecke.Alle guten Schlagzeuger kamen damals aus dem Ausland.Bei Paul Kuhn in der Band, bei Max Greger, bei Kurt Edelhagen, in derSWR-Big-Band, in der RIAS-Band, in der SFB-Big-Band waren die Schlagzeuger Amerikaner oder Engländer. Darüber habe ich aber gar nichtnachgedacht, sondern einfach mein Ding gemacht. Später hatte ich dasGlück, mit allen gespielt zu haben, und das große Glück, dass ich der8klaafKölner Köpfe

Das Willy Ketzer QuintettSchlagzeuger von Paul Kuhn wurde. Wir haben 33 Jahre lang zusammengespielt. Ich habe mit Max Greger gespielt und noch mit Kurt Edelhagen.Auch auf frühen Bläck-Fööss-Platten habe ich Schlagzeug gespielt. Bisheute bin ich mit den Jungs befreundet. Im Mai spielen wir zusammen vierKonzerte in der Flora: »usjebomb & opjebaut«. Das freut mich unglaublich,weil ich die Jungs einfach gerne mag.Kann man eine Musikkarriere planen?Nein, die Dinge ergeben sich. Wichtig war, nach Köln zu gehen. Kölnwar eine Metropole und es gab den WDR. Die Zeit damals war unfassbar.[mit Nachdruck] Gigi Campi war ein ganz wichtiger Mann. Der hat siealle nach Köln geholt, die besten Musiker der Welt. Damals habe ich denSchlagzeuger Kenny Clair kennengelernt, der auch im Studio spielte.Nach ihm habe ich zwanzig Jahre lang in allen Produktionen aus Kölngespielt, mit allem, was Rang und Namen hatte. Ich war auf BuddyRich-Konzerten, bei Dave Brubeck, bei der »Mel Lewis Big Band«, habemir alles angesehen, was in Köln stattfand. Ich hab’ mich im Subwayauf die Erde gesetzt und so Elvin Jones erlebt. Ich habe einfach geguckt,wie diese Leute spielen. Der kleine Bub vom Land hat alles aufgesogen,was er kriegen konnte.IMMER HINTER DEN STARSVon der Fachpresse sind Sie mehrfach zum besten Big-Band-Schlagzeuger Deutschlands gewählt worden.Als Schlagzeuger sitzt manimmer hinten in der Band. Wollten Sie nie Frontmann sein?Nein, das hat mich nie gestört. Unsere Plattenfirma hat dafür einen ziemlich guten Ausdruck gefunden: »The Beat behind the Stars«. Einen wiePaul Kuhn zu begleiten ist doch der Hammer. Ich wollte nie vorne stehen.Seit fünf Jahren bin ich der Schlagzeuger von Helge Schneider. Manche meinen, der wäre nur bekloppt, aber das stimmt nicht. Helge ist einunheimlich guter Musiker und auf der Bühne sehr spontan. Ich spieleunheimlich gerne hinter ihm. Genau das ist meine Rolle.Kölner Köpfeklaaf9

Als Musiker braucht man Leidenschaft und Disziplin. Wie ist dasVerhältnis?Ohne eine Menge Disziplin geht überhaupt nichts. Ich bin im Allgemeinenlocker drauf, wenn es um Umgangsformen geht, aber ich hasse es, wennjemand zu spät kommt – auch privat. Ich habe auch Tourneen mit HaraldJuhnke gemacht, auf denen dann ganze Konzerte ausfielen, weil es irgendwelche Saufgelage gegeben hatte. So etwas brauch’ ich nicht. Jeder kannsich die Nächte um die Ohren schlagen, aber wenn ’s drauf ankommt,muss man da sein.PAUL KUHN WAR EIN FREUNDSie haben 33 Jahre mit Paul Kuhn gespielt. Wie haben sie sichkennengelernt?Ich kannte seine spätere Frau Ute aus dem Studio. Sie war mit Paul aufeiner Tournee in Portugal, mit den Ute Mann Singers. In dieser Zeit wurdesein Vertrag mit der EMI und sein Vertrag mit dem SFB aufgelöst. Plötzlichstand Paul ohne Band und ohne Job da. Ute hat dann gesagt, komm erstmal zu mir nach Köln. Paul meinte: »Ja, aber ich brauche eine Band, undvor allem einen Schlagzeuger.« Da hat Ute an mich gedacht und tatsächlich rief Paul bei mir an. Mein Gott: Ich hatte Paul Kuhn am Hörer und erfragte, ob wir uns auf einen Kaffee treffen könnten. Wir haben uns dannim Café Wahlen getroffen. Ich war total nervös. Die Kellnerin kam, ichbestellte eine Cola und Paul sagte: »Ich hätte gerne ein Glas Milch und einMalbuch.« Ich hab’ gedacht, wie ist der denn drauf? Ab diesem Momentwar zwischen uns alles klar. Paul hatte immer einen guten Spruch, immerdie besten Witze. Paul war einfach ein Freund. In 33 Jahren gab es von ihmnie ein böses Wort. Wer kann das von sich behaupten?Sie sind gefragt worden, ob Sie seine Konzerte fortführen könnten.Wir nennen das »The Paul Kuhn Family«. Ich möchte einfach, dass mansich an ihn erinnert, dass seine Musik gespielt wird. Ich habe die Arrangements, ich weiß genau, was er für Stücke gespielt hat und ich erzähleauf der Bühne ab und zu auch kleine Geschichten, wie es so war. Dass dasgemacht wird, finde ich einfach wichtig. Ich mache das zusammen mitdem Originalbassisten Martin Gjakonowski und Martin Sasse am Klavier.Gabi Goldberg singt.Man kann die Orchester kaum aufzählen, mit denen Sie gespielthaben: Klaus Doldingers Passport, Peter Herbolzheimer, das Paul KuhnOrchester, Kurt Edelhagen, Max Greger, Hugo Strasser, Günther Noris.Oder auch nur die Solokünstler: Liza Minelli, Johnny Cash, Tom Jones,José Carreras, Luciano Pavarotti, Plácido Domingo, Lionel Richie,Peter Alexander, Howard Carpendale, Eugen Cicero, Elton John, UdoJürgens, jetzt auch Helge Schneider. Das ist nur ein kleiner Ausschnittund das ist eine riesige Bandbreite. Muss man als Schlagzeuger eherein Genre beherrschen oder sollte man möglichst flexibel sein?Ich will die Vielfalt. Ich steh‘ auf Jazz, mag aber auch Rock- und Popmusik.Mein Sohn ist jetzt 17 und hat eine eigene Band. Dank ihm weiß ich, werNickelback ist, wer Papa Roche ist oder Linkin Park. Als Profischlagzeuger muss ich ehrlich sagen: Wie diese Typen Schlagzeug spielen, ist derWahnsinn. Taylor Hawkins von den Foo Fighters ist eine Legende. Ich sauge10klaafKölner Köpfe

Willy Ketzer mit Martin Sasse, Gaby Goldberg, Jens Foltynowicz und Helge Schneiderdas alles auf. Ich fahre in der Gegend herum und in meinem Auto laufenfranzösische Chansons mit Jacques Brel, dann aber auch Papa Roche undweiß der Deivel wer noch – und jetzt im Moment eben diese 24, 25 Nummern von den Bläck Fööss für das Usjebomb-Projekt.BEI HELGE WEISS NIEMAND, WAS PASSIERT.Jetzt sind Sie mit Helge Schneider auf Tour.Helge rief eines Tages an und meinte: »Wir wollen jetzt ein bisschen mehrJazz machen und nur im Trio spielen.« Ich habe Ira Colemann angerufen,den ich noch von früher kannte, weil er mal zwei Jahre in Köln studierthat. Ein Weltmusiker, der noch mit Herbie Hancock und Tony Williamsgespielt hat. Ein unfassbar guter Typ und Bassist bei Sting. Für mich ist dasalles der Wahnsinn. Wenn ich etwas mache, bin ich immer begeistert. Ichkann nie einfach nur »irgendwie« Schlagzeug spielen. Ich will immer, dassdas sehr gut ist. Stilistisch ist das total vielfältig, man muss sich auf alleseinstellen und man muss gut funktionieren. Deshalb lege ich Wert auf einebestimmte Bandbreite.Bei Helge Schneider braucht man »Bandbreite«, offenbar weiß mannie, was am Abend passiert.Wir stehen um acht Uhr hinter der Bühne und wissen nicht genau, wiees losgeht. Bei Helge gibt es keine Setliste. Die einzelnen Stücke fangenirgendwie an und hören irgendwie auf – in der Mitte, irgendwo. Die meisten denken natürlich, hier mal »Fitze, fitze, fatze« und da mal »Katzenklo«,da kommt es nicht so drauf an. Genau das stimmt nicht. Helge spieltzwischendurch einfach mal ’ne Nummer von Thelonious Monk, die musstdu dann ohne Vorbereitung genau so gut spielen – und Helge spieltwirklich gut.Er hat Sie mal alleine auf der Bühne zurückgelassen.[lacht] Ja, am Ende der vorletzten Tour. Die Konzerte endeten immer so,dass Helge die Musiker einzeln verabschiedet. Er blieb dann noch zehnMinuten auf der Bühne und spielt alleine Klavier oder so. An diesem Abendhat er mich nicht verabschiedet. Während er erzählte, sitze ich noch ganzalleine da. Am Schluss sagte er dann zum Publikum: »So, meine Damenund Herren, ich gehe jetzt auch, aber den lass’ ich Ihnen noch ’n bisschenda.« Dann ging der einfach. Vor mir saßen dreitausend Leute und starrtenmich an. Ich hab’ dann ein Schlagzeugsolo hingelegt, zehn Minuten hat esnoch richtig gerappelt, dann hab’ ich die Stöcke ins Publikum geschmissenKölner Köpfeklaaf11

und bin auch ins Hotel gegangen. Eine Stunde später ruft er an: »Hier istder Helge. Wie endete eigentlich dieses Konzert?« Ich habe gefragt, wo bistDu eigentlich. Da sagt der: »Ich hab‘ keinen Bock auf Hotel. Ich bin schonunterwegs nach Berlin.« Wir waren in Würzburg. Ich hab’ gedacht, dasgibt ’s doch gar nicht. Das ist bekloppt, aber genialJETZT IST DIE ZEIT NACH DEM SUBWAYSie sind international unterweg.Ist Köln als Musikstadt nochattraktiv?Ja, das kann man sagen. Köln hatte immer einen hohen Stellenwert.Die amerikanischen Topstars kommen gerne. Die klassischen, sehrguten Orchester kommen in diePhilharmonie. Im Stadtgarten gehtauch einiges. Jetzt ist natürlichdie Zeit nach dem Subway. Damalswaren alle da, von Horace Silverüber Philly Joe Jones bis OscarPeterson. Ich finde es schade, dasses solche Sachen nicht mehr gibt.Aber ansonsten: Köln hat musikalisch seinen Wert.Willy Ketzer und Liza MinelliSie machen jetzt ein Projekt mit den Bläck Fööss zusammen:»usjebomb & opjebaut«.Es geht um die Musik der unmittelbaren Nachkriegszeit. Wie haben dieLeute gelebt, was wurde da komponiert? Diese Sachen saugen Zeitgeist auf.Das hinzukriegen ist eine Kunst. Zu denjenigen, die das sehr gut machen,gehören auf jeden Fall die Bläck Fööss. Die gucken nicht nur, dass sie mitdem Mittel Musik möglichst große Einnahmen erzielen. Diese Jungs kümmern sich immer auch um das Liedgut und das mag ich unheimlich gerne.Sie spielen auch im Millowitsch-Theater. So schließt sich ein Kreis:Letztlich treten Sie bei Campi auf, der dort das Restaurant betreibt.Mit Paolo Campi rede ich laufend, meine Vorfahren sind ja auch Italiener.Meine Familie – natürlich zig Generationen zurück – kommt aus der Lombardei uns hieß Casari. Im »Millowitsch« spiele ich das Paul-Kuhn-Projektund begleite die neue Talkshow »Kölner Abend«.Sprechen Sie Kölsch?So ein bisschen. Ich verstehe aber alles. Wenn ich in einer Autowerkstattoder beim Bäcker war, stelle ich immer fest, dass ich irgendwie ein bisschen ins Kölsche falle. Ich spreche Hochdeutsch, aber wenn ich mich insAuto setze und zu meinen Brüdern in den Hunsrück fahre, rede ich, sobaldich aus dem Auto aussteige, Hunsrücker Platt. [schmunzelt] Würde ich dasnicht tun, würden die denken: Dä hät se nit mih all.DAS INTERVIEW FÜHRTE MARCUS CORMANN12klaafKölner Köpfe

'DV 6SLHO PLW . EHV %DXHU 3ULQ] XQG -XQJIUDXDas Kartenspiel „Kölsches Blatt“:Köbes, Prinz, Bauer und Jungfrau liebevoll illustriertauf insgesamt 32 farbigen Karten, in echter kölscher Manier.Präsentiert in einer Kartenbox mit „Kölschem Grundgesetz“.Das Spiel für Kölner und alle, die es werden wollen.ZZZ NRHOVFKHVEODWW GHZZZ NRHOVFKER[ GHZZZ NRHOVFKEXFK GH

KOLNERABENDVERZÄLLCHE UNMUSIKHaben Sie am Dienstag, 12. Mai, schon etwas vor? Verschieben Sie es,wenn möglich. Denn dann heißt es wieder: »Herzlich willkommen beimKölner Abend – Verzällche un Musik«. Die Moderatoren Hans-GeorgBögner und Monika Salchert begrüßen erneut interessante Gäste im Hausin der »Volksbühne am Rudolfplatz« (Millowitsch-Theater). Mit dabei istwie gewohnt das wunderbare »Willy Ketzer Jazztrio« als Hausband. Inder noch jungen Veranstaltungsreihe der »SK Stiftung Kultur/Akademieför uns kölsche Sproch« werden Menschen aus unserer Stadt und ihreGeschichten vorgestellt.Die Gäste erzählen etwas über sich, ihren Beruf, ihr Hobby, ihre Ideen, ihreMusik, ihre Pläne und ihr Veedel. Es geht um Köln, die kölsche Sproch undviel Musik. Die Zuhörer erfahren, warum Menschen tun, was sie tun. Was siebewegt und was sie gern bewegen würden. Zu Wort kommen Leute aus Köln,die man kennt, und Leute, die in der Öffentlichkeit nicht so präsent sind.Bei der dritten Auflage des »Kölner Abend – Verzällche un Musik« sindSänger und Sprecher Gerd Köster, der Mundartautor Fritz Häck, die Schauspielerin Annette Frier, der Kabarettist Robert Griess, die Sängerin HeikeSiek und der Mundartsänger Günter Schwanenberg dabei.Robert Griess ist derzeit mit seinem aktuellen Kabarett-Programm »Ichglaub’, es hackt« unterwegs. Der Kölner Komiker bietet großartiges politisches Kabarett. Er ist Mitbegründer des »Schlachtplatte-Ensembles« undkünstlerischer Leiter des Kölner »Streithähne-Festivals«. Dieses Festival despolitischen Kabaretts organisiert Robert Griess gemeinsam mit Vertreternder VHS, des DGB und der Freien Volksbühne.Annette Frier zählt zu den beliebtesten deutschen Schauspielerinnen. Siebegeisterte als taffe Anwältin in der Sat.1 Serie »Danni Lowinski« ebensowie als Frau Annette in dem Sketch »Dinner for One op kölsch«. Demnächstist sie in dem Abenteuerfilm »Rico, Oskar und das Herzgebreche« zu sehen.Der Film kommt am 4. Juni in die Kinos.14klaafKölner Abend

FO T O : SC HÖ N HA US E R P ROM OT I ONGerd KösterFritz HäckAnette FrierFOT O: FE R NFOT O: R OLAND B R E IT SC HU HHeike SiekGünter Schwanenberg ist ein echtes Multitalent. Er betätigt sich unter anderemals Liedermacher, Buchautor und Stadtführer. Bei diesen Führungen verknüpft erStadtgeschichte(n) und kölsche Lieder miteinander. Ende 2014 erhielt der Mundartsänger den Severinsbürgerpreis.Das mit dem Multitalent gilt ohne Einschränkung auch für den Sänger undTheaterschauspieler Gerd Köster. Er war Sänger in der Band »SchroederRoadshow« und »The Piano has been drinking«. Seit vielen Jahren tritt der Sängerhäufig gemeinsam mit Frank Hocker auf. Gerd Köster ist zudem ein gefragterHörbuchsprecher. Er hat zum Beispiel die Doppel-CD »Kölsch-Stunde« mit Liedtexten und Gedichten von Robert Pütz gelesen.»Dat gitt et doch nit!« ist der Titel des aktuellen Hörbuchs des Mundartautors FritzHäck. Er erzählt Geschichten und Alltagserlebnisse aus Köln in authentischemKölsch. Der Autor und Sprecher ist Mitglied im Heimatverein Alt Köln, im Arbeitskreis Kölner Mundartautoren und im Ehrenfelder Arbeitskreis Mess op kölsch.Die Sängerin Heike Siek ist Mitglied der Band »Rubbel die Katz«. Die fünf Musikerinnen und Musiker der 2003 gegründeten Band möchten kölsche Lieder zuhandgemachter Gitarrenmusik auf die Bühne und in die Kneipen Kölns zurückbringen. »Rubbel die Katz« begeistert mit einer musikalischen Zeitreise, die im Kölnder Nachkriegsjahre beginnt und bis in die Gegenwart führt. Heike Siek ist seiteinem Jahr bei »Rubbel die Katz« dabei. Sie sang zuvor in der Band »De Famillich«.Ihre musikalischen Wurzeln hat die Sängerin mit der markanten Stimme imJugendchor St. Stephan.Karten für den nächsten »Kölner Abend – Verzällche un Musik« amDienstag, 12. Mai, 19 Uhr, Volksbühne am Rudolfplatz (MillowitschTheater) gibt es zum Preis von 15 Euro, ermäßigt 12 Euro, am Empfangder SK Siftung Kultur im MediaPark 7, bei www.offticket.de und an allenKölnTicket-Vorverkaufsstellen. Dort gibt es auch schon Karten für die»Kölner Abend«-Veranstaltungen am 15. September und 3. November.MONIKA SALCHERTKölner Abendklaaf15

OPKOLSCHGESAHTEIN NEUES SPRACHWISSENSCHAFTLICHES PROJEKTDie Akademie för uns kölsche Sproch startet 16 Jahre nach Abschlussdes Projekts »Alles Kölsch« wieder ein empirisches Projekt mit dem Titel»Op Kölsch gesaht«. Diesmal wollen wir uns ein Bild davon machen,wer heute noch gut Kölsch spricht und wie. Sind es nur die älterenLeute, die noch Kölsch reden, oder wird Kölsch auch noch bzw. wiedervon jüngeren Kölnern gesprochen? Sprechen die älteren Leute unddie jungen Leute das selbe Kölsch oder hat es sich über zwei bis dreiGenerationen hinweg verändert? Selbstverständlich sind hier keineVeränderungen gemeint, die allein aufgrund von Nichtwissen oderdurch die Beeinflussung z.B. kölscher Liedtexte, deren Urheber keinrichtiges Kölsch können und singen, in das Kölsch der Sprecher Einzuggehalten haben. Für unsere Untersuchungen ist es erforderlich, dass wirerfahren, wie die Sprecher ihre Kölschkenntnisse erworben haben, obin der Familie von den Eltern oder Großeltern, von Freunden, im Verein,auf der Straße oder erst später in Kölsch AGs oder Kölsch-Kursen. Ganzbesonders ansprechen möchten wir die jüngere (16-30) und mittelalteGeneration (30-60), aber natürlich auch die 60 plus-Generation. EinHighlight des Projekts wäre es, wenn wir Kölsch sprechende Kölner mitMigrationshintergrund in unsere Untersuchung einbeziehen könnten.Was hat uns dazu gebracht wieder ein empirisches Projekt zu starten?Häufig rufen Vertreter der Presse bei uns an und wollen wissen, wie viele Menschen in Köln noch Kölsch sprechen, ob auch junge Leute nochKölsch können oder ob unsere schöne kölsche Sprache vom Aussterbenbedroht ist. Diese Frage können wir mit den uns zur Verfügung stehenden - insbesondere personellen - Mitteln natürlich nicht befriedigendbeantworten.16klaafSprachwissenschaft

FOTO: ING EBORG NITTWillkommen im MediaparkUm überhaupt etwas über den Ist-Zustand und den Erhalt des Kölschenaussagen zu können, wollen wir möglichst viele Kölsche aus verschiedenen Stadtvierteln und aus verschiedenen Alters- und Berufsgruppenbefragen. Zu diesem Zweck haben wir einige Testbögen erstellt, mitdenen wir bestimmte kölsche Merkmale erfragen und testen wollen. DieProbanden sollen dafür einen kölschen Text laut vorlesen, ein weiterer deutscher Text soll ins Kölsche übersetzt werden (mündlich oderschriftlich), in einem Lückentext sollen die fehlenden Wörter eingefügtwerden, außerdem sollen ein paar Fragen zur Bedeutung von Wörternund typisch kölschen Ausdrücken und Redensarten beantwortet werden.Jeder Sprecher bekommt die gleichen Texte vorgelegt. Die AufnahmenSprachwissenschaftklaaf17

und Texte werden von Sprachwissenschaftlern hinsichtlich bestimmterMerkmale ausgewertet und statistisch erfasst. Bei der Auswertungwerden die Namen der Sprecher nicht genannt, so dass niemand bloßgestellt wird.BUCH UND HÖRBUCH MIT DENWITZIGSTEN ERZÄHLUNGENAbgesehen von diesem eher »formalen« Teil, der der sprachwissenschaftlichen Untersuchung dient, sollen uns die Sprecherinnen undSprecher spontan und ohne Vorbereitung oder vorherige Beeinflussungeinige kurze Erzählungen ins Aufnahmegerät sprechen, die lustig,spannend und/oder unterhaltsam sind. Hierbei können beliebige Ereignisse aus ihrem Leben frei erzählt werden. Eine Auswahl an möglichenThemen zu Lebenssituationen werden wir hilfestellend anbieten, diesesind aber nicht bindend. Natürlich kann sich jeder vorab schon überlegen, über was er gern etwas erzählen möchte, bloß der zu erzählendeText sollte nicht vorbereitet oder auswendig gelernt sein.FO T O : I N GE BO R G NI TTAus sämtlichen Erzählungen werden wir die lustigsten und unterhaltsamsten aussuchen und später in einer leserfreundlichen Form in einemBuch veröffentlichen. Zusätzlich werden die Erzählungen als Hörbuchpubliziert und parallel auch auf unsere Homepage gesetzt. Selbstverständlich werden auch die Ergebnisse der sprachwissenschaftlichenUntersuchungen in dem Buch nachzulesen sein und die wichtigstendaraus gewonnenen Erkenntnisse kann man auch auf unserer Homepage nachlesen.Publikationen der Akademie för uns kölsche Sproch18klaafSprachwissenschaft

Um dieses Vorhaben umsetzen zu können, benötigen wir die Hilfeder Kölner Bürger - auch wenn sie inzwischen vielleicht nicht mehr inden Stadtgrenzen Kölns zu Hause sind. Wer meint, dass er gut Kölschspricht — ob natürlich erworben oder später erlernt —, soll sich bittebei Alice Herrwegen melden: [email protected] mit Angabe derTelefon- oder Handynummer. Frau Herrwegen wird sich dann nach einemkurzen Gespräch auf Kölsch einen Eindruck verschaffen und ggfs. einenTermin für die Aufnahme mit den Bewerbern vereinbaren. Dies kannallerdings auf Grund der hohen Bewerberzahl einige Wochen dauern.FO T O : I N GE BO R G NI TTCHRISTA BHATTHier geht es zur Akademie för uns kölsche SprochSprachwissenschaftklaaf19

COLLIGITEFRAGMENTA NEPEREANTFO T O : RB ADAS MUSEUM SCHNÜTGENLeopold Graf von Kalkreuth, Portrait Alexander Schnütgens in Chorkleidung, 191020klaafStadtkultur

»Sammelt die Überbleibsel, auf dass sie nicht zugrunde gehen!«so lautete der Wahlspruch Alexander Schnütgens, dessen Sammlung kirchlicher Kunst den Grundstock für das nach ihm benannteMuseum bildet.Wer die ständige Ausstellung des Museum Schnütgen betritt, wird vomTod empfangen, von einem »Tanzenden Tod«, der triumphierend denBesucher in seinen Bann zieht.Die ausgemergelte Gestalt mit einem Totenkopf hat sich ein Lakenflüchtig um den Körper geschlungen und hebt mit der linken Handeine Schlange als Zeichen für die Erbsünde hoch. In der rechten hieltsie ursprünglich einen Speer, mit dem sie auf ein am Boden liegendesOpfer zielte. Dabei scheint sie zu tanzen. Diese schwungvolle Bewegungerinnert an die im Mittelalter verbreitete Vorstellung, dass die Toten umMitternacht aus ihren Gräbern steigen, um einen Totentanz zu beginnen. Die Verbindung der Gegensätze Tod und Tanz sollte die Menschennachdrücklich beeindrucken.Die filigrane Figur aus Elfenbein ist um 1680 von Joachim Hennengefertigt worden und gehört zu einer Gruppe von Kunstwerken, die andie Allgegenwärtigkeit des Todes erinnern und die Menschen ermahnensollen, ein christliches Leben im Sinne der Kirche zu führen. Sie werden»Memento Mori« genannt und sind im Museum zahlreich und in verschiedenen Variationen vorhanden.GLAS UND STEINDie Wände des ersten Ausstellungsraumes bieten einen provozierendenKontrast: auf der einen Seite beeindrucken große Fenster mit wunderbaren Glasmalereien, an der gegenüberliegenden Wand sind Werke ausStein angebracht, wie Kapitelle oder Skulpturenfragmente. Im zweitenRaum setzt sich diese Zusammenstellung fort, ergänzt um wenigeHolzskulpturen.Die Glasmalereien ziehen die Blicke sofort auf sich. Sie kommen in denneuen, in weiß gehaltenen Räumen besonders gut zur Geltung, strahlengeradezu. Die Glaskunst-Sammlung des Museum Schnütgen gilt als eineder bedeutendsten in Europa und stammt überwiegend aus kölnischenWerkstätten. Sie umfasst den Zeitraum vom 13. bis zum 19. Jahrhundert.Als 1802 viele Kölner Kirchen und Klöster der Säkularisation zum Opferfielen, versuchten Sammler wie Wallraf und DeNoël die Glasfensterzu retten und für Köln zu bewahren. Nur wenige sind heute kompletterhalten. Aber selbst die Fragmente zeugen von der Kunstfertigkeit undder Akribie der Glasmaler. Zunächst wurden nur Kirchen mit Glaskunstausgestattet, wobei die Gotik mit ihren hohen Fenstern besondereAnsprüche an sie stellte, ihr aber auch zur Blüte verhalf. Im 15. und16. Jahrhundert schmückten auch die Bürger ihre Wohnhäuser mit Glasmalereien, häufig in Form von Kabinettscheiben, aus.Der Gegensatz zu dieser strahlenden Helligkeit könnte nicht größersein, wenn der Besucher den nächsten Raum betritt. In diesem abgedunkelten Teil befinden sich besonders lichtempfindliche Stücke wieHandschriften oder Textilien, denen die besondere Vorliebe AlexanderSchnütgens galt. Liturgische Gegenstände ergänzen die Ausstellung,darunter ein Perlziborium aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.Stadtkulturklaaf21

FOT O: R B A / W. ME IE RAcht Propheten aus dem Kölner Rathaus, Köln, um 1430/40, Leihgabe aus demHistorischen RathausDas mit einem Deckel versehene Holzgefäß ist über und über mit kleinen,farbigen Perlen bestickt, die u. a. die Krönung Mariens darstellen.Wer das Museum aus früheren Zeiten kennt, kann sich kaum vorstellen,dass dieser Raum einmal das funktionale Foyer war. In ihm findet sichauch ein großes Porträt des Stifters.SCHNÜTGEN UND SEINE SAMMLUNGJohann Wilhelm Alexander Schnütgen wurde 1843 im

die fünfte Jahreszeit liegt hinter uns, die Veranstaltungen mit unseren Freunden der »KG Nix im Büggel vun 1823 k.e.V.« im Brauhaus Sion waren ein besonderer Höhepunkt der Session, und es ist für mich eine große Freude, das