Transcription

Mindeststandards zumSchutz von geflüchtetenMenschen in ndard 4: Prävention und Umgang mit Gewaltund Gefährdungssituationen/Risikomanagement

Oktober 2019Titelbild: UNICEF/UN026299/Gilbertson VIHerausgeber:UNICEFRegional Office for Europe and Central AsiaPalais des NationsCH-1211 Geneva 10SwitzerlandTel: 41 22 909 5111E-Mail: [email protected] Informationen:www.gewaltschutz-gu.de

VorbemerkungSeit 2015 haben mehr als 1,48 Millionen Menscheneinen Asylerstantrag in Deutschland gestellt – überein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche. Diese Menschen sind sowohl aufgrund der Situation inihren Heimatländern als auch wegen etwaiger traumatisierender Erlebnisse vor, während und nachder Flucht schutzbedürftig. Die Herausforderung ist,den geflüchteten Menschen die ihnen zustehendenRechte zu gewährleisten.Flüchtlingsunterkünfte sind für viele asylsuchendeMenschen, die nach Deutschland kommen, der zentrale Lebensmittelpunkt. Trotz enormer Anstrengungenseitens Politik, Behörden und Zivilgesellschaft werdendie Bedarfe und Rechte von geflüchteten Menschen inden Unterkünften noch nicht ausreichend beachtet undgewährleistet. Oft leben sie über sehr lange Zeiträumein einem nicht familien- und kindgerechten Umfeld, indem sie nicht immer vor Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung geschützt sind und in dem ihre gesellschaftliche Teilhabe sowie ihre Entwicklungs- und Integrationsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt oder gar nichtgegeben sind.Um den Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften in Deutschland zu etablieren, kooperiert das Bundesministerium für Familie, Senioren,Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit dem United NationsChildren’s Fund (UNICEF) und startete im Frühjahr 2016mit vielen weiteren Partner innen eine gemeinsameBundesinitiative. Als Ergebnis ihrer Arbeit haben dieMitglieder der Bundesinitiative im Juli 2016 erstmalsbundesweit einheitliche „Mindeststandards zumSchutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen in Flüchtlingsunterkünften“ (nachfolgend „Mindeststandards“genannt) veröffentlicht, der Titel wurde in einer späteren Überarbeitung zu „Mindeststandards zum Schutzgeflüchteter Menschen in Flüchtlingsunterkünften“geändert. Im Frühjahr 2017 wurde die Bundesinitiativedurch den Beitritt einer Vielzahl neuer Partner innennoch breiter aufgestellt. In diesem Rahmen wurdendie Mindeststandards erneut diskutiert. Um sie in derPraxis zu erproben, hat das BMFSFJ von 2016 bis 2018in ca. 100 Flüchtlingsunterkünften Gewaltschutzkoordinierungsstellen gefördert. In diesem Zuge habendie Gewaltschutzkoordinator innen bspw. die Erarbeitung von Gewaltschutzkonzepten in den Unterkünftenvorangetrieben. Zudem wurden die Mindeststandardsevaluiert und überarbeitet. Dabei flossen sowohl dieErfahrungen der Mitglieder der Bundesinitiative alsauch die Erfahrungen von bereits tätigen Gewaltschutzkoordinator innen und Bewohner innen vonUnterkünften in die Evaluierung mit ein.Die Mindeststandards dienen als Leitlinien für dieErstellung und Umsetzung sowie das Monitoring voneinrichtungsinternen Schutzkonzepten in unterschiedlichen Formen der Unterbringung von geflüchtetenMenschen, so bspw. auch in der dezentralen Unterbringungsform. Um die Gewaltschutzkoordinator innen,die Unterkunftsleitungen und Mitarbeiter innen beider Entwicklung, Umsetzung, Evaluierung und demMonitoring einrichtungsinterner Schutzkonzepte zuunterstützen, haben die Mitglieder der Bundesinitiativeanhand der Mindeststandards verschiedene Instrumente und Leitlinien entwickelt. Diese sind in einer Toolboxzusammengefasst, die regelmäßig aktualisiert wird.Mehr dazu finden Sie hier.1. In diesem Text wird die bildsprachliche Form des sog. „Gender Gap“ verwendet. Gap ist das englische Wort für Lücke. Mit dem Gender Gap wirdin Worten Raum für diejenigen geschaffen, die sich der Zweigeschlechtlichkeit, also der eindeutigen Zuordnung als männlich oder weiblich, entziehen(wollen).Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften3

DanksagungOhne die Mitwirkung vieler Personen hätte dieserPraxisleitfaden nicht erstellt werden können.Ein großer Dank gilt allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe der „Bundesinitiative zum Schutz von geflüchtetenMenschen in Flüchtlingsunterkünften“, die den vorliegenden Praxisleitfaden strukturiert, inhaltlich gestaltetund geprüft haben. Er ist das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit der folgenden Personen und Organisationen unter Federführung von UNICEF: Stefanie Fried, Save the Children Deutschland e.V. Paula Heinrich, Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt (BAG TäHG e.V.) Conny Hiller, Gewaltschutzkoordinatorin, BonvenoGöttingen gGmbH Ann-Kathrin Jungk, Gewaltschutzkoordinatorin,Regierungspräsidium Gießen Petra Keller, medica mondiale e.V. Matthias Kornmann, Stiftung Deutsches Forum fürKriminalprävention Nicole Kühn, Gewaltschutzkoordinatorin, ArbeiterSamariter-Bund (ASB) Flüchtlingshilfe Hamburg GmbH Louisa Meyer, Plan International Deutschland e.V. Jessica Mosbahi, medica mondiale e.V. Laura Müller, Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V. Karin Nila, Gewaltschutzkoordinatorin, Caritasverband Heidelberg Lena Rother, Save the Children Deutschland e.V. Renate Schwarz-Saage, Stiftung Deutsches Forumfür Kriminalprävention Sinje Vogel, Arbeiterwohlfahrt (AWO) e.V. Steffi Wenig, Gewaltschutzkoordinatorin, Stadt Jena(Fachdienst Soziales) Djamila Younis, Deutsches Rotes Kreuz e.V.4Des Weiteren haben eine Vielzahl an Gewaltschutzkoordinator innen und Unterkunftsleitungen derBundesinitiative mit konkreten Beispielen aus ihrertäglichen Praxis zum Leitfaden beigetragen. Ihnenallen gebührt ebenfalls großer Dank.Die Herausgeber des Leitfadens danken auch demBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen undJugend und allen Mitgliedsorganisationen der sog.Kerninitiative, die zu diesem Leitfaden ihren Beitraggeleistet haben.Für die Ausarbeitung und Überarbeitung des Praxisleitfadens gilt ein besonderer Dank: Vivian GuerreroMeneses (Autorin und Leiterin der Arbeitsgruppe)und Dr. Henrike Zellmann (Autorin), Antonia Lüdeke(Fachaufsicht), Dr. Ceren Güven-Güres (Durchsichtund Auswahl der Praxisbeispiele) sowie Anja Teltschik(inhaltliche Prüfung und Redaktion).

inhaltVorbemerkung. 3Danksagung. 4Inhalt. 51Einleitung. 3.Präventiver Gewaltschutz. 12Qualifikation und Weiterbildung. 14Räumliche Gegebenheiten. 17Kinderfreundliche Orte und Angebote. 19Belegung. 20Kommunikations- und Informationsmanagement. 21Interkulturelle und gewaltfreie Kommunikation. 22Machtmissbrauch erkennen und unterbinden. 23Informationen als Überlebenshelfer. 23Aufklärung über Rechte und Pflichten. 26Informationsmanagement im Team. 27Partizipation, Mitsprache, Inklusion. 27Tagesstrukturierende Maßnahmen und psychosoziale Angebote. 29Kooperation und Netzwerkarbeit. 31Kooperationen mit externen Partner innen. 31Kooperation mit ehrenamtlichen Kräften.34Monitoring und Evaluation des Schutzkonzepts. 35Basisdokumentation. 35Datenschutz. 36Schweigepflicht und Anzeigepflicht. ktiver Gewaltschutz. 38Maßnahmen im Konflikt- oder Gewaltfall (Fremdgefährdung).39Allgemeines Konfliktmanagement und deeskalierende Maßnahmen des Umfeldes im akuten Konfliktfall. 41Spezialfall: Häusliche Gewalt inklusive Kindeswohlgefährdung.46Spezialfall: Sexualisierte Gewalt.53Nachsorge und Nacharbeit im Konfliktfall.58Maßnahmen bei Selbstverletzung und Suizid (Eigengefährdung). 62Zusammenarbeit mit dem Sicherheitspersonal.63Zusammenarbeit mit der Polizei.64Zusammenarbeit mit dem Jugendamt.654Schlussbemerkungen. 685Anhang.69Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften5

einleitung1 EinleitungDie „Bundesinitiative zum Schutz von geflüchtetenMenschen in Flüchtlingsunterkünften“ (nachfolgend„Bundesinitiative“ genannt) wurde 2016 gemeinsamvom Bundesministerium für Familie, Senioren,Frauen und Jugend (BMFSFJ) und UNICEF insLeben gerufen. In enger Zusammenarbeit mit denMitgliedsverbänden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. und weiterenPartnern aus der Zivilgesellschaft wurden in diesemRahmen sog. Mindeststandards zum Schutz vongeflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften(nachfolgend „Mindeststandards“ genannt) entwickelt.Die Mindeststandards sind folgendermaßen gegliedertund definiert: Mindeststandard 1:Einrichtungsinternes Schutzkonzept Mindeststandard 2:Personalgewinnung und -management Mindeststandard 3:Interne Strukturen und externe Kooperation Mindeststandard 4:Prävention und Umgang mit Gewalt- und Gefährdungssituationen/Risikomanagement Mindeststandard 5:Menschenwürdige, schützende und förderndeRahmenbedingungen Mindeststandard 6:Monitoring und Evaluierung des Schutzkonzeptes.Die Mindeststandards sind interdependent und geltenals Leitlinien für die Erstellung, Umsetzung, Evaluierung sowie das Monitoring von einrichtungsinternenSchutzkonzepten in unterschiedlichen Formen derUnterbringung von geflüchteten Menschen.Der Praxisleitfaden entstand in Zusammenarbeit mitden Organisationen und Verbänden der Initiative sowieden Gewaltschutzkoordinator innen aus den von derBundesinitiative unterstützten Flüchtlingsunterkünften.Im Rahmen der Bundesinitiative sind verschiedeneInstrumente und Handreichungen für die Leitung6und Mitarbeiter innen in den Unterkünften zurUmsetzung der Mindeststandards entstanden.Diese können auf der Webseite der Bundesinitiative(www.gewaltschutz-gu.de) eingesehen und heruntergeladen werden. Dort finden sich auch Handbücherund Leitfäden von Partnerorganisationen zu verschiedenen Themen der Mindeststandards, wie z. B. zukinderfreundlichen Orten.Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland unterscheidensich häufig erheblich bezüglich ihrer Größe, Belegung,ihrer räumlichen Lage sowie der Personal- und Organisationsstruktur. Zudem variieren je nach Bundeslanddie gesetzlichen Vorgaben. Für die (Weiter-)Entwicklungvon länderspezifischen bzw. kommunalen Schutzkonzepten können die Mindeststandards ebenfalls alsGrundlage dienen.Der vorliegende Leitfaden ist als praktisches Toolgedacht, das Leitungs-, Fach- und Betreuungskräftedabei unterstützen soll Mindeststandard 4 (Präventionund Umgang mit Gewalt- und Gefährdungssituationen/Risikomanagement) umzusetzen und in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Der Leitfaden versteht sich alsonicht als umfassendes Handbuch, sondern vorrangigals kompaktes Nachschlagewerk zu den Inhalten desMindeststandard 4. Eine Bezugnahme auf die anderen Mindeststandards ist hierbei für einen effektivenGewaltschutz unabdingbar. Denn Gewaltschutz kannnicht ohne ein tragfähiges Schutzkonzept, die Qualifizierung von Mitarbeiter innen, die Evaluierung internerAbläufe, strukturelle Rahmenbedingungen und eineffektives Monitoring gewährleistet werden. All dieseFaktoren wirken sich auf den Schutz von geflüchtetenMenschen in den Unterkünften und das Risikomanagement vor Ort aus.Ausgewählte Praxisbeispiele aus verschiedenen Flüchtlingsunterkünften geben Einblick in konkrete Umsetzungsmöglichkeiten der Mindeststandards vor Ort.Die Beispiele zeigen, dass Gewaltschutz in jeder Formder Unterbringung möglich ist. Dazu ist es notwendig,dass jede Flüchtlingsunterkunft eine Analyse spezifischer Gegebenheiten und Bedarfe inklusive Risikound Schutzfaktoren durchführt und darauf basierendein einrichtungsinternes Schutzkonzept entwickelt.

einleitungHandlungssicherheit wird in Bezug auf Gewalt- undGefährdungssituationen am besten erreicht, wenn alleBeteiligten sich an feste Standards halten. Dass dieMitarbeitenden der Unterkunft in der Lage sind, beiGewaltvorkommnissen angemessen zu reagieren undversuchen, diese zu verhindern, ist auch ein wichtigesZeichen für Bewohner innen.Der erste Teil dieses Leitfadens beschäftigt sich mitpräventiven Aspekten von Gewaltschutz und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen, die für dieErstellung eines einrichtungsinternen Schutzkonzeptsrelevant sind.Im zweiten Teil werden geeignete reaktive Gewaltschutzmaßnahmen erläutert. Konkrete Handlungsempfehlungen für verschiedene vorgestellte Konfliktund Gewaltszenarien sollen die Handlungssicherheitdes Personals in Unterkünften erhöhen und eine sinnvolle Ausgestaltung des einrichtungsinternen Schutzkonzepts unterstützen.In den einzelnen Kapiteln des Praxisleitfadens findensich Links zu weiterführenden Quellen, die zur Vertiefung einzelner Themenfelder geeignet sind.Definitionen von GewaltGewalt weist verschiedene Formen und Facetten auf.Dementsprechend vielfältig und unterschiedlich sind dieBegriffe von Gewalt. In diesem Leitfaden wird v. a. zwischen personaler und struktureller Gewalt unterschieden.Personale Gewalt geht hierbei von einer einem Täter inaus und äußert sich in physischer/körperlicher und/oderpsychischer/seelischer Form.2Beispiele für physische Gewalt: Sachbeschädigung, Vandalismus Diebstahl vorsätzliche Verletzung von Menschen Freiheitsberaubung sexueller Missbrauch, Vergewaltigung.Beispiele für psychische Gewalt: Beleidigungen, Beschimpfungen Erniedrigungen Drohungen, Einschüchterungen, Nachstellungen Diskriminierungen, Ausgrenzungen Erpressung Mobbing.Strukturelle Gewalt3 ist Teil von Systemen und vorhandenen Strukturen. Sie bezeichnet bspw. Abläufe, Hierarchieketten und Vorgehensweisen in Unterkünften, dieden Gewaltschutz behindern oder verhindern. Dies kannzudem Auflagen, Verordnungen und Gesetze umfassen,die die Rechte der Bewohner innen einschränken undaus denen sich ungleiche Machtverhältnisse und folglichungleiche Lebensbedingungen entwickeln.Häusliche Gewalt (siehe Kapitel 3.1.4.) in Unterkünftenist keine Seltenheit und hat vielfältige strukturelle undpsychosoziale Ursachen.4 Menschen, die im Herkunfts-234Vgl. Christ, M., Gudehus, Ch. (2013). Gewalt – Begriffe und Forschungsprogramme, in: Gudehus, Ch., Christ, M. (Hrsg.) (2013). Gewalt. Ein interdisziplinäresHandbuch. J.B. Metzler, Stuttgart. S. 1-15.Zum Begriff der strukturellen Gewalt, vgl.: Galtung, J. (1975). Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung. Reinbek bei Hamburg. S. 9.Vgl. hierzu z. B.: Christ, S., Meininghaus, E., Röing, T. (2017). „All Day Waiting“ Konflikte in Unterkünften für Geflüchtete in NRW. bicc Working Paper 3/2017.bicc/Internationales Konversionszentrum Bonn, Bonn International Center for Conversion GmbH. https://www.bicc.de/uploads/tx bicctools/BICC WP 3 2017web.pdf. Oder auch: Krause U. (2018). Gewalterfahrungen von Geflüchteten. State-of-Research Papier 03. Verbundprojekt „Flucht: Forschung und Transfer.Osnabrück: Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück//Bonn: Internationales Konversionszentrum Bonn(BICC). en-von-Fl%C3%BCchtlingen-Ulrike-Krause-1.pdf. Für einen Überblick über den Stand der Gewaltforschung, siehe: Christ, M. (2017). Gewaltforschung – Ein Überblick. Veröffentlicht am 20.1.2017 auf derWebseite der Bundeszentrale für politische Bildung. -ueberblick?p all.Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften7

einleitungland oder auf der Flucht Gewalterlebnisse durchlebthaben, können zudem sehr sensibel oder intensiv aufbestimmte Reize (sog. Trigger) reagieren. Risikosituationen, in denen Gewalt aufkommt, können so mitunternoch stärker eskalieren.Gesetzliche GrundlagenFolgende Gesetzgebungen, Völkerrechtsabkommenund Richtlinien sind für den Schutz geflüchteterMenschen in Unterkünften besonders relevant:Völkerrechtliche Ebene UN-Frauenrechtskonvention (https://www.frauenrechtskonvention.de/) UN-Kinderrechtskonvention (https://www.kinderrechtskonvention.info/) UN-Behindertenrechtskonvention (https://www.behindertenrechtskonvention.info/) Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale undkulturelle Rechte (https://www.sozialpakt.info/) Internationaler Pakt über bürgerliche und politischeRechte (https://www.zivilpakt.de/).Europarechtliche Ebene EU-Richtlinie 2013/33/EU zur Festlegung von Normenfür die Aufnahme von Personen, die internationalenSchutz beantragen5 „Istanbul-Konvention“; Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewaltgegen Frauen und häuslicher Gewalt6 Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO)7.567858Bund- bzw. Länderebene Grundgesetz (GG) 49.html) Strafgesetzbuch (StGB) (https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/) Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) (https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/)8 Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG) (https://www.gesetze-im-internet.de/kkg/) Kinder- und Jugendhilfe im Sozialgesetzbuch (SGBVIII) l) Gewaltschutzgesetz (GewSchG) zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt (https://www.gesetze-im-internet.de/gewschg/)9 Asylgesetz (AsylG) (https://www.gesetze-im-internet.de/asylvfg 1992/) Aufenthaltsgesetz (AufenthG) (https://www.gesetze-im-internet.de/aufenthg 2004/) Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) und die jeweiligen Landesnormen i/Psychisch-Kranken-Gesetz) Brandschutzverordnung Gewerbeordnung (bspw. § 34a WachschutzVO).Diese relevanten gesetzlichen Grundlagen geben dennormativen Rahmen, den Betreiber und Länder bei derAufnahme, Unterbringung und Versorgung von geflüchteten Menschen beachten müssen und auf dessenGrundlage erforderliche Schutzmaßnahmen definiertwerden können und sollten.Richtlinie 2013/33/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, dieinternationalen Schutz beantragen (Neufassung). ?uri OJ:L:2013:180:0096:0116:DE:PDF.Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und erläuternder Bericht. Istanbul,11.5.2011. Council of Europe Treaty Series — No 210. https://rm.coe.int/1680462535.Eine übersichtliche Aufbereitung der Verordnung findet sich z. B. auf: https://dsgvo-gesetz.de/.Regelt die Kinderschutzgrundlagen und das Vorgehen bei Entziehung der elterlichen Sorge. Siehe auch das Gesetz über das Verfahren in Familiensachenund in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) auf: nisterium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (Hrsg.) (2017). Mehr Schutzbei häuslicher Gewalt. Informationen zum Gewaltschutzgesetz. Broschüre. Hinweis: Die Publikation ist auch in arabischer, persischer, türkischer undenglischer Sprache abrufbar: /mehr-schutz-bei-haeuslicher-gewalt/81936.

einleitungBesonders schutzbedürftige Personen10Die Europäische Union bestimmt in Artikel 21 der Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU11, dass die Mitgliedstaatendie spezielle Situation von folgenden schutzbedürftigenPersonen zu berücksichtigen haben: Minderjährige unbegleitete Minderjährige Menschen mit Behinderung12 Personen mit schweren körperlichen Erkrankungen ältere Personen über 65 Jahre Schwangere Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern Opfer von Menschenhandel Personen mit psychischen Störungen Menschen, die Folter, Vergewaltigung oder sonstigeFormen psychischer, physischer oder sexualisierterGewalt erlitten haben. LSBTI*-Personen.13Die EU-Aufnahmerichtlinie macht es zur Aufgabe derMitgliedstaaten besonders schutzbedürftige Personenzu identifizieren und angemessen zu versorgen.14Besonders schutzbedürftige Personen spielen einewichtige Rolle bei der Erstellung eines einrichtungsinternen Schutzkonzeptes, da sie zu den Gruppen miteinem erhöhten Risiko für Diskriminierung und Gewaltgehören. Nach deutschem und internationalem Rechtmuss in der Unterkunft ein adäquater Schutz obenbeschriebener Personengruppen gewährleistet sein.Relevante Aspekte sind hierbei bspw.: Beratung der Einrichtungsleitung durch Fachberatungsstellen in Hinblick auf geeignete Wohnlösungen und andere Schutzaspekte Möglichkeiten und Grenzen bei der Betreuungbesonders schutzbedürftiger Personen Vergabe der Wohnräume mit besonderem Augenmerk auf Sicherheitsaspekte Null-Toleranz-Politik der Einrichtung bei Bekanntwerden von diskriminierendem oder gewalttätigemVerhalten gegenüber besonders schutzbedürftigenPersonen Bereithalten adäquater psychologischer, psychosozialer und medizinischer Versorgungsangebotebzw. Überweisung in selbige Anbindung an Fachberatungsstellen Verlegung in besondere Schutzunterkünfte(z. B. Frauenhäuser).10 Siehe hierzu auch die Definition in der dritten Version der Mindeststandards vom Oktober 2018 in der Einleitung auf S. 9: /144156.11 Grundlage ist die Richtlinie 2013/33/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26.6.2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme vonPersonen, die internationalen Schutz beantragen LexUriServ.do?uri OJ:L:2013:180:0096:0116:DE:PDF.12 Zum Schutz von geflüchteten Menschen mit Behinderung konsultiere den entsprechenden Annex in der dritten Version der Mindeststandards vomOktober 2018 und folgende Materialien z. B.: Lebenshilfe Landesverband Hamburg (2017). Schutzkonzept für geflüchtete Menschen mit Behinderung.Fassung, Juli 2017. Hamburg. -06-29 Schutzkonzept finalSI BJ.pdf; Gag, M., Weiser, B. (2017).Leitfaden zur Beratung von Menschen mit einer Behinderung im Kontext von Migration und Flucht. Passage gGmbH - Migration und InternationaleZusammenarbeit (Hrg.). 1. Auflage September 2017. Hamburg, Osnabrück. http://www.fluchtort-hamburg.de/fileadmin/user upload/Beratungsleitfadenweb.pdf; und Grotheer, A. (August 2017). Eine Annäherung an die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung im Asyl und in der Duldung amBeispiel von Hamburg. Universität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft (Hrg.). g-im-asyl-in-hamburg.pdf.13 „LSBTI* steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle bzw. -geschlechtliche und intersexuelle Menschen. Das Sternchen steht für die Vielfaltvon Gender-Identitäten und sexueller Orientierung, also für jene, die sich nicht unter diese Kategorisierungen subsumieren lassen, jedoch auch nichtheteronormativen Vorstellungen entsprechen (wollen). Teilweise werden weitere Kategorisierungen, v. a. ein „Q“ für „queer“, zur Umschreibungder Personengruppe ( ) verwendet.“ Vgl.: Dritte Version der Mindeststandards vom Oktober 2018, S. 33. Für spezifische Materialien zum Schutzvon LSBTI* im Kontext von Flüchtlingsunterkünften siehe auch: http://www.queer-refugees.de/material/ - insbesondere den Leitfaden für LSBTI*Geflüchtete, der in mehreren Sprachen erhältlich ist.14 Vgl. Artikel 21 bis 25 der Richtlinie 2013/33/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26.6.2013 zur Festlegung von Normen für dieAufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (Neufassung).Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften9

einleitungFür Betroffene des Menschenhandels existierenkonkrete rechtliche Vorgaben zur Unterbringung undUnterstützung. So haben Betroffene ein Recht auf dieUnterstützung durch eine Fachberatungsstelle15 sowieauf speziell geschulte Asylentscheider innen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), sog.Sonderbeauftragte für Opfer des Menschenhandels.Das Recht auf eine sichere Unterbringung außerhalbvon Sammelunterkünften16 ist besonders wichtig fürBetroffene des Menschenhandels. Sie haben zudemein Recht auf eine mindestens dreimonatige Bedenkund Stabilisierungsfrist, um sich über weitere Schrittewie z. B. eine Aussage bei der Polizei klar zu werden.Sollten Mitarbeiter innen einer Unterkunft den Verdacht haben, dass eine Person im Herkunftsland, aufder Flucht oder in Deutschland von Menschenhandelbetroffen war oder gefährdet ist, in eine ausbeuterischeSituation zu gelangen, sollte eine Fachberatungsstelle17hinzugezogen werden.Diejenigen schutzbedürftigen Personen, die sich nichtals solche zu erkennen geben möchten, können z.B.durch das Auslegen und Aushängen von zielgruppenspezifischem Informationsmaterial an diskreten Ortender Einrichtung erreicht werden. Darüber hinaus kannallgemeines Informationsmaterial, welches zielgruppenspezifische Informationen enthält, zur Erreichung dieserGruppe beitragen. Erweisen sich die in der eigenenEinrichtung getroffenen Schutzmaßnahmen als nichtausreichend, kann eine Verlegung in eine geeignetereUnterkunft nötig werden.15 Art. 11 32011L0036. Richtlinie 2011/36/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. April 2011 zur Verhütung und Bekämpfung desMenschenhandels und zum Schutz seiner Opfer sowie zur Ersetzung des Rahmenbeschlusses 2002/629/JI des Rates. RiLi 2011/36/EU Art. .16 Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Aufenthaltsgesetz – Nr. 15a 1.2 Verwaltungsvorschrift zum Aufenthaltsgesetz. Vgl. pdf/BMI-MI3-20091026-SF-A001.pdf.17 Eine Liste der bundesweiten Fachberatungsstellen findet sich hier: ngsstellensuche/.10

Präventiver GewaltschutzMindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften11

Präventiver Gewaltschutz2 Präventiver GewaltschutzZu präventivem Gewaltschutz zählen alle Angeboteund Maßnahmen, die dazu beitragen, Konflikte undGewalt gar nicht erst entstehen zu lassen. Sorgfältige Fallanalysen und gezielte Modifikation vonRisikosituationen erwirken d

(Fachdienst Soziales) Djamila Younis, Deutsches Rotes Kreuz e.V. Des Weiteren haben eine Vielzahl an Gewaltschutz- koordinator_innen und Unterkunftsleitungen der Bundesinitiative mit konkreten Beispielen aus ihrer täglichen Praxis zum Leitfade