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SARS-CoV-2, COVID-19ZahnarztpraxisEin krankenhaushygienischer Überblick zum Risikomanagement während derCOVID-19-Pandemie in der ZahnarztpraxisAnhang 1: Richtiges An- und Ausziehen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA)Version 2, 14.05.2020Umgebung, Luft (bis zu 1,5 ertePersonUmgebungHände- Händehygiene- Flächendesinfektion- Schutzausrüstung: ze/Schutzkittel,HaubeGesundePersonder Tätigkeit* in Abhängigkeit(textiler oder chirurgischer MundNasen-Schutz oder FFP1/2/3-Maske)** Schutzbrille, -visier oder -schild

1. Kurzinformation zu COVID-19Im Dezember 2019 erstmalig in China (Wuhan, Provinz Hubei) aufgetretene Infektionskrankheit.Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis schwerenPneumonien mit Lungenversagen und Tod.COVID-19 präsentiert sich meist als respiratorische Symptomatik unterschiedlichen Schweregrades einhergehendmit Fieber, Husten, Dyspnoe und Halsschmerzen sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen.Ältere Personen ( 50 Jahre), Raucher, stark adipöse Menschen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen(Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, chronische Lungen- und Lebererkrankungen, Diabetes mellitus,Krebserkrankung) oder geschwächtem Immunsystem zeigen ein erhöhtes Risiko für einen schwerenKrankheitsverlauf. Schwere Verläufe können aber auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten undwerden ebenso bei jüngeren Menschen beobachtet.In den meisten der bisher vorliegenden Studien waren Kinder seltener von einer SARS-CoV-2-Infektion betroffen.Auch wenn bei Kindern schwere Verläufe vorkommen können, ist die Mehrzahl der Verläufe bei Kindernasymptomatisch bzw. eher mild und unspezifisch.Die Höhe des Anteils von asymptomatisch Infizierten ist noch unklar.Zur Letalität liegen aktuell keine verlässlichen Daten vor, aber letale Verläufe scheinen vor allem Menschen mitvorbestehenden v.a. pulmonalen Grunderkrankungen oder Immunsuppression zu betreffen.Die Inkubationszeit von COVID-19 liegt bei 1-14 Tagen, im Mittel bei 5-6 Tagen.Reservoire sind v.a. der infizierte Mensch und ein tierisches Reservoir in China.Als infektiöses Material gelten hauptsächlich respiratorische Sekrete.Derzeit bekannte Hauptübertragungswege des neuen Coronavirus SARS-CoV-2: Tröpfcheninfektion: Niest oder hustet die erkrankte Person, können die Viren direkt auf die Schleimhäutevon Nase, Mund und Augen von anderen Menschen gelangen und dort aufgenommen werden.Kontaktübertragung: Ansteckende Tröpfchen, die durch Husten und Niesen entstehen, können auchOberflächen kontaminieren. Nach dem Berühren dieser Oberflächen kann das Virus über die Hände aufdie Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen gelangen. Oberflächen in der unmittelbaren Umgebung desInfizierten gelten als besonders gefährdet für eine Kontamination.Fazit: der hustende und/oder niesende SARS-CoV-2-positive Patient gilt als „Spreader“ Die meisten Erreger findensich in den Speichel-, Hustenund Nieströpfchen. Beim Husten/Niesenentstehen auch Aerosole.Die wichtigste Maßnahme ist die erweiterte Standardhygiene!verfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 2 von 10

Die bisher für SARS-CoV-2/COVID-19 bekannten Daten zur Virusätiologie und den Übertragungswegen legenallerdings in der frühen Phase der Infektion eine ausgeprägte Beteiligung des oberen Respirationstraktes nahe. Nachderzeitigem Kenntnisstand erfolgt die Übertragung vor allem über respiratorische Sekrete: in erster Linie Tröpfchendurch Husten und Niesen, sowie Aerosole, die bei bestimmten medizinischen Vorgängen wie z. B. Intubation oderBronchoskopie oder zahnärztlichen Prozeduren entstehen.SARS-CoV-2 konnte auch in Stuhl, Harn, Blut und Konjunktivalproben von Infizierten nachgewiesen werden. DieRelevanz für die Übertragung ist jedoch noch unklar.Basierend auf realen Daten wird bei COVID-19 wird geschätzt, dass eine relevante Infektiosität bereits zwei Tagevor Symptombeginn vorhanden ist und die höchste Infektiosität am Tag vor Symptombeginn liegt. Das Ende derinfektiösen Periode ist momentan nicht sicher anzugeben.Die Beiträge der asymptomatischen und präsymptomatischen Übertragungen spielen beim SARS-CoV-2Infektionsgeschehen eine große Rolle. Studien schätzen den Anteil der präsymptomatischen Übertragungen auf biszu 62%. Übertragungen durch asymptomatisch Infizierte wurden ebenfalls beschrieben. Für den hohen Stellenwertvon asymptomatischen bzw. präsymptomatischen Übertragungen spricht auch die Tatsache, dass sich die Viruslastbei asymptomatischen und symptomatischen SARS-CoV-Infizierten nicht unterscheidet.Vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren konnten in Studien auf unbelebten Oberflächen (z. B. Metall, Kunststoff) 24bis 72 Stunden nachgewiesen werden. Behüllte Viren, deren Erbgut von einer Lipo-Proteinhülle umhüllt ist, und zudenen auch Coronaviren zählen, reagieren empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Alkohole, die inFlächendesinfektionsmitteln enthalten sind, und Tenside.Aktuell steht kein Impfstoff zum Schutz vor COVID-19 zur Verfügung.Erste Studien haben gezeigt, dass Personen nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion spezifische Antikörperentwickeln, es ist aber noch unklar wie regelhaft, robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird.2. Allgemein sinnvolle Hygienemaßnahmen zur Verhinderung einer Infektion (v.a. über Tröpfchen) während derCOVID-19-Pandemie: Zu seinen Mitmenschen nach Möglichkeit einen Abstand von mind. 1 Meter einhalten undMenschenansammlungen meiden.Direkter Körperkontakt sollte möglichst vermieden werden. Dazu zählen beispielsweise Händeschütteln,Umarmungen oder das „Begrüßungs- und Verabschiedungsbussi“.Eine häufige und richtig durchgeführte Händehygiene ist das Um und Auf, da Hände ein Hauptvektor fürÜbertragungen aller Art sind. Die Händehygiene kann mittels Händedesinfektion mit einem alkoholischenHändedesinfektionsmittel für mind. 30 Sekunden (im Gesundheitswesen) oder mittels gründlicherHändewaschung mit Wasser und Seife erfolgen (Schäumen) für mind. 20 Sekunden erfolgen.Ein Berühren des Gesichts mit den Händen sollte möglichst vermieden werden.Einhalten der Husten- und Niesetikette: Beim Husten und Niesen Abstand zu anderen Personen halten undsich dabei wegdrehen. Nicht in die Handfläche husten oder niesen! Stattdessen die Ellenbeuge oder einEinmaltaschentuch verwenden, dieses anschließend entsorgen.Oberflächen und Gegenstände, die häufig berührt werden, sollten möglichst oft mit handelsüblichenHaushaltsreinigern gereinigt werden. Kleidung, Wäsche, Ess- und Küchenutensilien können wie gewohntgewaschen bzw. gereinigt werden. Ein desinfizierendes Waschen von Kleidung sowie eine routinemäßigeFlächendesinfektion sind im Privatbereich in der Regel nicht erforderlich.Das Tragen einer Maske (chirurgischer oder textiler Mund-Nasen-Schutz) dient primär zum Fremdschutz(Zurückhalten von Tröpfchen, z. B. beim Sprechen oder Husten), aber auch zum Eigenschutz (Schutz voreindringenden Tröpfchen).Beim Tragen einer Maske (chirurgischer oder textiler Mund-Nasen-Schutz) sollte folgendes beachtetwerden: die Hände vor dem Anlegen und nach dem Ablegen der Maske gründlich waschen oderverfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 3 von 10

desinfizieren, die Maske muss Mund und Nase vollständig bedecken und dicht anliegen, ein Nachjustierenbzw. Berühren der Maske sowie ein Rauf- und Runterklappen während des Tragens sollten vermiedenwerden, bei Durchfeuchtung Maske wechseln, beim Abnehmen Maske an den Haltebändern fassen,getragene Masken nicht offen herumliegen lassen und textile Masken nach dem Tragen bei mind. 60 C inder Waschmaschine waschen und anschließend gut trocknen lassen.Als Alternative zur Maske kommen für gesunde Personen auch Gesichtsschilde/-visiere infrage, welcheebenfalls zuverlässig vor infektiösen Tröpfchen schützen. Ein Vorteil der Gesichtsvisiere ist, dass dasunbewusste Berühren von Nase, Mund und Augen verhindert wird, womit auch ein gewisser Schutz gegenKontaktübertragung besteht.Bei Verwendung eines Gesichtsvisiers sollte darauf geachtet werden, dass das Visier die Mund-NasenAugen-Kinnpartie von vorne und jeweils seitlich abdeckt und es nach Gebrauch mit Wasser und Seife oderhandelsüblichen Reinigungsmitteln zu reinigen bzw. mit einem Flächendesinfektionsmittel zudesinfizieren.3. Einschätzung der Gefährdung bei zahnärztlichen BehandlungenDie deutsche Bundeszahnärztekammer (BZAEK) versucht die Gefährdungslage bzgl. Infektionen mit SARS-CoV-2 beizahnärztlichen Behandlungen „realistisch“ einzuschätzen. Informationen aus Wuhan (China), Italien und Südkoreadeuten darauf hin, dass es keinerlei Hinweise auf besondere Infektionsrisiken in Zahnarztpraxen und für daszahnärztliche Behandlungsteam gibt. Demgegenüber stehen Tausende, die sich im allgemeinmedizinischen Bereichinfiziert haben, besonders betroffen waren HNO und Ophthalmologie. Die chinesischen Kollegen führen die äußerstgeringe Infektionsrate im zahnärztlichen Bereich auf die konsequente Umsetzung der klassischenSchutzmaßnahmen zurück. Vor diesem Hintergrund muss die persönliche Schutzausrüstung (PSA) entsprechendder lokalen COVID-19-Prävalenz ausgewählt werden.4. Hygienemaßnahmen in der Zahnarztpraxis während der COVID-19-PandemieDie Übertragung von Viren durch anamnestisch unauffällige, symptomlos erkrankte PatientInnen kann durch dieEinhaltung von Hygienemaßnahmen verhindert werden. Eine Zahnarztpraxis unterliegt strengenHygienevorschriften, die zu einem entsprechend hohen Schutzniveau in den beitragen, auch unabhängig von derderzeitigen Situation. Die Hygienevorschriften gehen davon aus, dass regelmäßig potentiell infektiöse PatientInnen(mit Bakterien und Viren, wie z. B. Masern und HIV), zur Behandlung in die Zahnarztpraxis kommen. DieseVorschriften betreffen jede Praxis, jede/n ZahnärztIn und jede/n MitarbeiterIn gleichermaßen.Darüber hinaus sollte zum Gesundheitsschutz von PatientInnen und MitarbeiterInnen in den Praxen folgendesbeachtet werden, um einer Ansteckung/Übertragung mit SARS-CoV-2 vorzubeugen:Personalspezifische Maßnahmen Jede/r MitarbeiterIn sollte in der Zahnarztpraxis während der ganzen Schicht einen Mund-Nasen-Schutz(MNS) tragen (auch im Gespräch miteinander).Der MNS ist bei Durchfeuchtung oder (vermuteter) Kontamination zu wechseln.Alle MitarbeiterInnen sollten darauf achten, nicht mit den Händen die Maske oder das Gesicht zu berühren,vor allem nicht Mund, Nase und Augen.Jede/r MitarbeiterIn sollte streng auf die persönliche Hygiene achten: lange Haare zusammenbinden, kurzeund unlackierte Fingernägel usw.Alle MitarbeiterInnen sollten regelmäßig eine hygienische Händedesinfektion (mind. 30 Sekunden)durchführen, insbesondere vor und nach Patientenkontakt sowie nach Kontakt mit der unmittelbarenPatientenumgebung.In den Behandlungspausen müssen die Mindestabstände (mind. 1 Meter) ebenfalls zwischen denMitarbeiterInnen eingehalten werden.verfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 4 von 10

Patientenspezifische Maßnahmen Die Anzahl der wartenden Personen sollte durch Behandlungsplanung und Termine möglichst soweitbeschränkt werden, dass der Mindestabstand (mind. 1 Meter) im Rezeptions- und Wartebereicheingehalten werden kann.Jede/r PatientIn sollte im Vorfeld des Zahnarztbesuches telefonisch sowie erneut beim Betreten der Praxisauf COVID-19-Symptome und Kontakte zu COVID-19-PatientInnen (Verdacht oder bestätigt) abgefragtwerden.Zusätzlich kann bei den PatientInnen beim Betreten der Praxis die Temperatur gemessen werden: bei 37,5 C sollte der Patient nach Möglichkeit wieder entlassen und zu einem späteren Zeitpunkt behandeltwerden. Es ist allerdings zu beachten, dass falsch erhöhte Körpertemperaturen beim Temperaturmessenmöglich sind (z. B. nach körperlicher Anstrengung wie Radfahren).Auf jede körperliche Begrüßung (z. B. Händeschütteln) sollte verzichtet werden.PatientInnen sollten dazu angehalten werden, beim Betreten der Praxis einen Mund-Nasen-Schutz zutragen sowie beim Kommen und Gehen die Hände zu desinfizieren.Die PatientInnen sollten beim Betreten der Praxis Informationen bzgl. der Verhaltensregeln erhalten(verbal oder z. B. durch ein Plakat).Es sollten so wenige MitarbeiterInnen wie möglich zur Patientenbehandlung eingesetzt werden.Praxisspezifische Maßnahmen Rezeptionsbereiche können durch eine flüssigkeitsdichte Abtrennung (z. B. Plexiglas) geschützt werden.Der Rezeptions- und Wartebereich sollte mit Händedesinfektionsmittelspendern ausgestattet werden.Spielzeug sollte aufgrund möglicher Speichelkontamination aus dem Wartebereich entfernt werden.Alle Oberflächen, besonders patientennahe im Behandlungsraum (z. B. Speibecken, Instrumententischusw.) und jene die häufig berührt werden (z. B. Türklinken, Lichtschalter, Schalterbereich,Computertastaturen, Telefonhörer usw.) sollten regelmäßig bzw. nach jeder Behandlung wischdesinfiziertwerden. Bei sichtbarer Kontamination ist die Desinfektion umgehend umzusetzen. Die Einwirkzeit derDesinfektionsmittel gilt es unbedingt einzuhalten.Utensilien zur Mehrfachverwendung (z. B. Kugelschreiber bei der Anmeldung) sollten ebenfalls vermehrtwischdesinfiziert werden.Es sollten keine Behandlungen in Praxisräumen ohne Fenster oder ohne automatische Belüftungdurchgeführt werden.Alle Praxisräume sollten mehrmals täglich durchgelüftet werden, nach einer aerosolproduzierendenTätigkeit sollte stets gelüftet werden.Bei den Desinfektionsmitteln für Hände und Flächen ist auf eine suffiziente und rasche Wirksamkeit zuachten (Konzentration und Einwirkzeit). Desinfektionsmittel mit begrenzt-viruzidem Wirkspektrum sindgegen Coronaviren ausreichend.5. Prävention von AerosolbildungLt. der Bundeszahnärztekammer (BZAEK) gibt es keine Evidenz für eine Übertragung durch Aerosole, sie empfiehltdennoch gemeinsam mit der Österreichischen Zahnärztekammer (ÖZÄK) und der Schweizerischen ZahnärzteGesellschaft (SSO) die Entstehung und Verbreitung von Aerosolen durch folgende Maßnahmen zu vermeiden: Einsatz einer wirksamen Absaugtechnik durch eine effiziente, hochvolumige Absaugung (vierhändigesArbeiten).Verwendung von Ultraschallhandstücken, piezoelektrisch betriebenen Ultraschall- und Chirurgie-Geräten,Pulverstrahlgeräten (z.B. „Air-Flow“) und Turbinen vermeiden.Die SSO empfiehlt aerosolgenerierende Arbeitsweisen nur unter Anwendung eines Kofferdams durchzuführen.verfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 5 von 10

6. Behandlung von Nicht-COVID-19-VerdachtspatientInnen – asymptomatische PatientInnen, für die keindringender Verdacht besteht, mit SARS-CoV-2 infiziert zu sein (ggf. mit aktuellem negativem SARS-CoV-2Nachweis)Für die zahnärztliche Behandlung von PatientInnen, für die kein dringender Verdacht besteht mit SARS-CoV-2infiziert zu sein, gilt, dass Schutzbrillen oder –visiere und ein chirurgischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) eineBarrierefunktion gegen eine Infektionsübertragung der Viren oder andere Erreger durch Tröpfchen bieten. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für das Behandlungsteam: chirurgischer MNS, Schutzbrille/–visieroder ggf. –schild, Handschuhe und ggf. SchutzkittelPSA während der gesamten Behandlungsdauer tragenNur durch den ordnungsgemäßen Sitz (v.a. korrekt und dicht sitzende Maske) und die Einhaltung derGreifdisziplin bleibt die Barrierefunktion der PSA gewährleistetDie deutsche Bundeszahnärztekammer (BZAEK), die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) und dieÖsterreichische Zahnärztekammer (ÖZÄK) empfehlen noch folgende weitere Vorsichtsmaßnahmen: Anwendung eines Speichelziehers und einer suffizienten Absaugung (s.o.).Aerosolbildung möglichst vermeiden (s.o.).Anlegung eines Kofferdams bei allen Behandlungen.Sind aerosolgenerierende Arbeitsweisen notwendig und eine Anlegung eines Kofferdams dabei nichtmöglich empfiehlt die SSO das Tragen einer FFP2-Maske anstelle eines chirurgischen MNS.Verwendung von potentiell viruziden Mundspüllösungen: Die 1%-Wasserstoffperoxid-Lösung gilt lautÖZÄK bei diesem Virus als wirksamer als der ansonsten geltende Goldstandard Chlorhexidin.7. Behandlung von COVID-19-PatientInnen – asymptomatische oder symptomatische PatientInnen mitbestätigter oder Verdacht auf SARS-CoV-2-InfektionGrundsätzlich sollte die Behandlung von PatientInnen, die an einer akuten respiratorischen Erkrankung zeigen, aufdie Zeit nach der Erkrankung verschoben werden, sofern es sich nicht um Notfälle handelt. Dasselbe gilt fürPatientInnen, die an COVID-19 erkrankt sind oder unter Verdacht stehen, mit SARS-CoV-2 infiziert zu sein.Für unaufschiebbare zahnärztliche Behandlungen von COVID-19-PatientInnen (Verdacht oder bestätigt) geltenfolgende krankenhaushygienische Empfehlungen: Räumliche und organisatorische Trennung der COVID-19-PatientInnen von den PatientInnen derNormalsprechstunde.Patienten beim Betreten der Praxis mit einem chirurgischen Mund-Nasen-Schutz (MNS) ausstatten und ihndazu anhalten die Hände zu desinfizieren, anschließend den Patienten direkt in den Behandlungsraumführen.Alle nicht zur Verwendung bestimmten Gegenstände und Medizinprodukte sollten vorab aus demBehandlungsraum entfernt bzw. in geschlossenen Kästen verstaut werden.Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für das Personal:o Tätigkeit ohne Aerosolbildung:Chir. MNS (Empfehlung World Health Organization WHO) / FFP2-Atemschutzmaske (Vorgabeösterr. Arbeitsinspektorat), Schutzbrille/-visier/-schild, Handschuhe, langärmeliger Schutzkittelund Haube.o Tätigkeit mit Aerosolbildung:FFP2-Atemschutzmaske (Empfehlung WHO) / FFP3-Atemschutzmaske (Vorgabe österr.Arbeitsinspektorat), Schutzbrille/-visier/-schild, Handschuhe, langärmeliger, wasserdichterSchutzkittelundHaube.verfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 6 von 10

Stellungnahme des österreichischen Arbeitsinspektorats zur PSA im Gesundheitsbereich:o Stehen in diesen (o.g.) Fällen FFP2- oder FFP3-Atemschutzmasken nachweislich nicht mehr zurVerfügung, dann muss auf den in weiterer Folge geeignetsten Schutz zurückgegriffen werden, dassind FFP1-Masken oder in weiterer Folge chirurgischer MNS Typ II und Typ IIR.o Der Kontakt mit erkrankten oder krankheitsverdächtigen Personen (ohne Aerosol-produzierendeTätigkeit) im Patientenzimmer/Untersuchungsraum mit MNS oder FFP1-Atemschutzmaske ist imRegelbetrieb nur dann zulässig, wenn die/der PatientIn auch einen MNS (Typ I) trägt. Ist das nichtder Fall, so müsste das Personal mindestens eine FFP2-Atemschutzmaske tragen.Die PSA ist vor dem Betreten des Behandlungsraumes anzulegen und vor Verlassen desBehandlungsraumes abzulegen.Der richtige und dichte Sitz der Maske (chirurgischer MNS oder FFP-Atemschutzmaske) ist gleich nach demAufsetzen zu überprüfen um ein Nachjustieren und damit eine mögliche Kontamination der Maske bzw.des Gesichts zu vermeiden.Während der Behandlung sich nicht in das Gesicht greifen.Beim Ausziehen der PSA sind die Reihenfolge der Schritte, das richtige Ablegen der Schutzausrüstung unddie hygienische Händedesinfektion (v.a. vor dem Abnehmen der PSA für das Gesicht und nach demkompletten Entkleiden der PSA) unbedingt einzuhalten um eine Selbstkontamination zu vermeiden.Nach dem Ende der Behandlung alle Übertragungsinstrumente vollständig aufbereiten, anderewiederverwendbare Medizinprodukte desinfizieren und ungenutzte Einmalartikel verwerfen.Gründliche Wischdesinfektion aller Oberflächen und des Fußbodens im Behandlungsraum nach derBehandlung.Patienten anhalten, vor Verlassen der Praxis die Hände zu desinfizieren.8. Wiederaufbereitung von Atemschutzmasken der Klasse FFP2 und FFP3Schutzmasken aller Art (chirurgische MNS und FFP-Atemschutzmasken) sind Einmalartikel und für eineWiederaufbereitung nicht vorgesehen. Aufgrund der gesteigerten Nachfrage durch die COVID-19-Pandemie kamund kommt es jedoch zu in den meisten Gesundheitseinrichtungen zur Knappheit bei Schutzmasken und daherkönnen laut einem Erlass des Bundesministeriums für Arbeit, Familie und Jugend vom 24.03.2020Atemschutzmasken der Klasse FFP2 und FFP 3 nach Gebrauch einmalig wiederaufbereitet werden: Dampfsterilisation bei 121 C / 20 Minuten – dafür können in der zahnärztlichen Ordination die DampfKlein-Sterilisatoren verwendet werden.Vorab Kennzeichnung der Atemschutzmasken mit dem Namen des Trägers für eine personalisierteWiederwendung.Keine Aufbereitung von beschädigten oder verschmutzten Atemschutzmasken sowie vonAtemschutzmasken nach Tätigkeiten an infektiösen PatientInnen mit ausgeprägter Exposition durchAerosole, offensichtlicher Kontamination oder bei Durchfeuchtung der Atemschutzmaske.Etablierung einer geeigneten Logistik, mit der die Atemschutzmasken gesammelt, zwischengelagert,gereinigt und für die Verwendung wieder bereitgestellt werden.Protokollierung der Prozessschritte der Wiederaufbereitung und Kontrollen.Wiederaufbereitete Atemschutzmasken sind gut sichtbar zu kennzeichnen, z. B. durch einen sichtbarenroten Strich als Markierung für eine erfolgte Sterilisation.Die Masken müssen vor und nach der Aufbereitung trocken und kontaminationsfrei gelagert werden.Durchführung einer Sichtkontrolle durch die/den MitarbeiterIn vor Verwendung wiederaufbereiteterMasken – keine Wiederverwendung bei offensichtlicher Beschädigung (z. B. kaputte Bänder, verbogeneDrähte).Die aufbereiteten Atemschutzmasken können wir folgt wiederverwendet werden: Sterilisierte FFP3-Maskeals FFP2-Maske, sterilisierte FFP2-Maske wieder als FFP2-Maske.verfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 7 von 10

9. Wiederwendung von Mund-Nasen-Schutzmasken und FFP-AtemschutzmaskenLaut dem Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend ist gemäß der Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts(RKI) eine Wiederverwendung von FFP-Atemschutzmasken als Maßnahme zum Ressourcen-schonenden Einsatz vonPSA bei Lieferengpässen möglich: FFP-Atemschutzmasken können max. eine Arbeitsschicht lang getragen werden.Die Wieder- bzw. Weiterverwendung der FFP-Atemschutzmaske während einer Schicht erfolgt nur durchdie-/denselben MitarbeiterIn.Sofortiger Wechsel und keine Wiederverwendung der FFP-Atemschutzmaske bei Durchfeuchtung,(vermuteter) Kontamination sowie ausgeprägter Exposition zu Aerosolen.Die Außenseite getragener Masken ist als erregerhaltig anzusehen, deshalb muss eine Kontamination von Gesichtund Händen beim Wiederaufsetzen vermieden werden und somit gilt es bei der Wiederverwendung von FFPAtemschutzmasken folgendes zu beachten: Die Durchführung der hygienischen Händedesinfektion vor und nach dem Ab- und erneuten Aufsetzen derMaske unbedingt einhalten.Beim Absetzen der Maske die Maske an den Haltebändern anfassen um eine Kontamination der Innenseiteder Maske bzw. des Gesichtes zu verhindern.Nach dem Absetzen sollte die Maske mit der an einem sauberen, trockenen Ort an der Luft (z. B. hängend)zwischengelagert werden, keinesfalls in geschlossenen Behältern bzw. Manteltaschen.Für die Zwischenlagerung ist ein abgegrenzter Bereich festzulegen.Gebrauchte Masken dürfen keinesfalls desinfiziert werden, bei Durchfeuchtung der Maske ist dieSchutzwirkung nicht mehr gewährleistet.Gebrauchte Masken sind so zu kennzeichnen (z. B. an den Haltebändern), dass sie eindeutig einer/einemMitarbeiterIn zuordenbar sind.Beim erneuten Aufsetzen der Maske darauf achten, eine Verschleppung von Erregern der möglicherweisekontaminierten Außenfläche auf die Innenfläche der Maske zu verhindern (keine Berührung derInnenseite)Der Ort der Zwischenlagerung ist nach der Entnahme der Maske zu desinfizieren.Ein wiederholtes Auf- und Absetzen von FFP-Atemschutzmasken ist kontaminationsfrei nur schwer möglich undkann daher nicht generell empfohlen werden.verfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 8 von 10

Quellen:-------SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19), Robert-Koch-Institut iges Coronavirus/Steckbrief.html (Stand 07.05.2020)Perencevich et al., Moving Personal Protective Equipment Into the Community Face Shield andContainment of COVID-19, 29 April 2020Coronavirus disease 2019 (COVID-19) in the EU/EEA and the UK – ninth update, ECDC, 23 April ovid-19-pandemic-ninth-updateInterims Vorsorgemaßnahmen in Spitälern für einen hospitalisierten Patienten mit begründetem Verdachtoder mit einer bestätigten COVID-19-Infektion, Bundesamt für Gesundheit /Dokumente/5 Forschung und Entwicklung/6 AktuelleErreignisse/200505 Vorsorgemassnahmen COVID-19 Spital V7.2 DE.pdf (Stand 05.05.2020)Rational use of personal protective equipment for coronavirus disease (COVID-19) and considerationsduring severe shortages, WHO, 6 April 2020, reshortagesBundesinstitut für Risikobewertung, http://www.bfr.bund.deRisikomanagement, Bundeszahnärztekammer, id19/risikomanagement.html#c10136 (Stand 21.04.2020)Positionspapier Covid-19 Vorgaben zum Betrieb einer Zahnarztpraxis während der chaft,https://www.sso.ch/fileadmin/upload sso/5 Newsletter/2020/Covid-19-Positionspapier3-7.pdf (Stand17.04.2020)Einschätzung der Corona Gefährdungslage und aktualisierte Empfehlungen, ehlungen fuer zahnaerztliche Ordinationen 300420.pdf (Stand 30.04.2020)Atemschutz und PSA im Gesundheitsbereich bei COVID-19, Österreichische Arbeitsinspektion ,https://www.arbeitsinspektion.gv.at/Gesundheit im Betrieb/Gesundheit im Betrieb 1/Gesundheitsbereich Atemschutz PSA.html (Stand 04.05.2020)Persönliche Schutzausrüstung, Wiederaufbereitung von Atemschutzmasken für Krankenhäuser(Geschäftszahl 2020-0.196.661), Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend, 24.03.2020Persönliche Schutzausrüstung Wiederaufbereitung von Atemschutzmasken für den Gesundheitsbereich(Geschäftszahl 2020-0.210.591), Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend, 31.03.2020Stellungnahme des Fachausschusses Prüfwesen der ÖGSV zur Aufbereitung von Einmal-Schutzmasken inder Corona-Krise, Österreichische Gesellschaft für Sterilgutversorgung (ÖGSV), me-Aufbereitung-von-Einmalmasken 5.pdf (Stand 30.03.2020)verfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 9 von 10

Anhang 1:Richtiges Anziehen der PSA:Schritt 1 Händedesinfektion (mind. 30 Sekunden)Schritt 2SchutzkittelSchritt 3Maske (FFP2/3-Atemschutzmaske oder chirurgischer MNS)Sofort richtigen und dichten Sitz überprüfen (später nicht mehr möglich)Achtung BartträgerSchutzbrille/-visier/-schildSchritt 4Schritt 5Schritt 6Kopfbedeckung (Haube)Haare müssen vollständig bedeckt seinEinmalhandschuheHandschuhe über den Ärmelbund des Kittels ziehenRichtiges Ausziehen der PSA:Schritt 1 SchutzkittelAn der Außenseite ergreifen und über die Ärmel nach vorne ziehenSchritt 2Schritt 3EinmalhandschuheHandschuhe von innen nach außen ziehenKittel und Handschuhe sofort in den roten Müll entsorgenHändedesinfektion (mind. 30 Sekunden)Schritt 4HaubeSchritt 5Schutzbrille/-visier/-schild Desinfektion nach GebrauchSchritt 6Maske (FFP2/3-Atemschutzmaske oder chirurgischer MNS)Nur an den Haltebändern anfassen, die Außenseite der Maske könntekontaminiert seinFFP-Atemschutzmaske: zuerst das untere Band fassen, dann das obere und überden Kopf ziehenMasken sofort in den roten Müll entsorgen oder ggf. aufbereiten (nur FFP2/3Atemschutzmasken)Händedesinfektion (mind. 30 Sekunden)Schritt 7verfasst von: B. Kuppelwieser, A. Mayr, G. Hinterberger, C. Lass-FlörlSeite 10 von 10

Zahnarztpraxis Ein krankenhaushygienischer Überblick zum Risikomanagement während der COVID-19-Pandemie in der Zahnarztpraxis Anhang 1: Richtiges An- und Ausziehen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) Version 2, 14.05.2020 Erkrankte/Infizierte Person Speichel-Nies-Husten-tröpfchen