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caritasim Rhein-Erft-KreisDie Zeitung für Mitarbeiter, Ehrenamtliche und andere InteressierteIm Begegnungscafé im Caritas-JugendzentrumPOGO ist was los„Einander auf Augenhöhe begegnen“ in der FlüchtlingsarbeitDen Anspruch, einander auf Augenhöhe zu begegnen, löst die ehrenamtliche Initiative des Flüchtlingsnetzwerks Pulheim u.a. mit ihremwöchentlichen Begegnungscafé vollein.Als ich das Caritas-JugendzentrumPOGO in Pulheim in unmittelbarerNachbarschaft einer mit 80 Personenbelegten Flüchtlingsunterkunft am Mittwochmorgen betrete, werde ich sofortherzlich von einer multinationalen Scharbegrüßt. Als erstes serviert mir ein aserbaidschanischer Besucher einen Kaffee, „Möchten Sie Milch und Zucker?“,ertönt gut gelaunt seine Frage in gutemDeutsch mit sympathischem Akzent.Verena Szebel (li), die Ansprechpartnerin im Begegnungscafé, mit einigen Besuchern und Helferndes Treffs.Weitere Themen dieser AusgabeAus den Seniorenzentren:Neues und Geschichten2Ambulante Pflege:Sozialstation seit 10 Jahren inBergheim5Reportage:Caritas-Beratungsstelle – einrettender Strohhalm6Statements:Caritasverband als Ort gelebtenGlaubens8Caritas-Rhein-Erft ForumThema Mediennutzung in derFamilie10Flüchtlinge und Migranten:Unterstützung Ehrenamtlicherund AngeboteNr. 1 / Mai 201612Die Café-Besucher aus einer Vielzahl anLändern helfen hier mit, erzählen vonsich und widersprechen vollständigdem Bild von Menschen mit Migrationshintergrund, die unter sich bleiben wollen.Natürlich gibt es auch diejenigen, dieeinfach nur genießen, die Unterkunfteinmal zu verlassen und hier Billard oderKicker spielen zu können. Der Treff bietet etwas Abwechslung von der Tristesse und Langeweile, die entsteht, weiletwa noch kein Integrationskurs besucht werden kann und ohne Asylstatuskeine Arbeit angenommen werden darf.Außer einigen Männern verschiedensten Alters kommen auch ein paar Frauen mit ihren Kindern vorbei, die das Eltern-Kind-Spielangebot nutzen möchten. Von Seiten des Flüchtlingsnetzwerks und der Nachbarschaft sindregelmäßig rund zehn oder mehr Perso-nen da, die ein offenes Ohr haben, übersetzen, bei Problemen schnelle Hilfeanbieten oder vermitteln und vielesmehr. Sozialarbeiter Hans, der sich seit40 Jahren bei der Kirche engagiert,berichtet von seinem just genehmigtenGarten-Projekt, das die Geflüchtetendemnächst bei sinnvoller Tätigkeit einbinden wird. Viele freuen sich schon,dass sie ein städtisches Grundstück mitNutzpflanzen bewirtschaften dürfen.In allen Sitzecken und an der Theke derOffenen Tür gibt es gemischte Gruppen,die sich lebhaft unterhalten. Ich nehmePlatz in einer Sesselecke, alle stellensich kurz vor, Herkunft, Alter, wie langesie hier sind. So bekomme ich einenersten Eindruck, was diese Menschenvor und auf ihrer Flucht mitgemachthaben, und was sie derzeit beschäftigt.Weiter auf Seite 13

2 Kolumne / Aus den Caritas-SeniorenzentrenCaritas im Rhein-Erft-Kreis 1 / 2016St. Nikolaus in Pulheim-BrauweilerLiebe Leserinnen und Leser,alle vier Jahre veranstaltet der DiözesanCaritasverband für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen im ErzbistumKöln eine Sternwallfahrt zum KlosterKnechtsteden. In diesem Jahr findet sieam Donnerstag, den 7. Juli 2016 unterdem Motto „Barmherzigkeit will ich, nichtOpfer“ statt undgreift damit dasJahr der Barmherzigkeit auf, dasPapst Franziskusausgerufenhat.Auch wir im RheinErft-Kreis sind eingeladen, wie dieEmmausjüngermiteinander unterwegs zu sein und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das aktuelle Mottonimmt Bezug auf ein Jesuswort, das unsbegleiten und zum Austausch ermutigenwill. Gleichzeitig ergeben sich vieleAnknüpfungen an unseren haupt- undehrenamtlichen Dienst.Unser Verband mit über 1.500 Mitarbeiter/-innen ist stark, und seine Arbeit erstreckt sich über zehn Kommunen. In diesen zehn Städten finden sich 19 Seelsorgebereiche, die in Form von größerenPfarrgemeinden oder Pfarreiengemeinschaften caritative Arbeit leisten. Hauptund ehrenamtliche Caritasarbeit ergänzen sich so. Denken wir hier nur an die inden letzten Jahren entstandene Bewegung „Neue Nachbarn“ oder an die seitJahrzehnten bestehenden Seniorentreffen. An vielen Orten gibt es lebendige Initiativen, wo der „Nächste“ im Blickpunktder Betrachtung steht, und wo durch dasEngagement Einzelner „Werke der Barmherzigkeit“ praktiziert werden. „Barmherzigkeit“ heißt lateinisch „misericordia“und beinhaltet das Wörtchen „cor Herz“. „Miserere“ heißt „sich erbarmen,Mitleid fühlen“. Aus dem Buch „Der kleine Prinz“ wird oftmals der Satz zitiert,„Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Inder Emmausgeschichte heißt es „Branntenicht unser Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete“ (Lk 24,32). „Herzüber Kopf“, singt Joris in seinem Songunserer Tage und verweist auf dasGeheimnis des Herzgefühls. Jesus vonNazareth hat sein Herz sprechen lassenund uns ermutigt, ihm nachzufolgen!Eine herzliche Einladung zur DiözesanCaritas-Wallfahrt 2016: miteinander gehen – sich austauschen – miteinander feiern – sich gegenseitig ermutigen, mitHerz und Seele!IhrKreisdechantDie „Jecke Schlipse vum St. Nikolaus“Von Rosi WintzWie heißt es im Kölner Karneval: „Einmal ist keinmal, was zweimal geschieht,ist Tradition, was dreimal geschieht, istBrauchtum.“ Das gilt natürlich auch inBrauweiler! So traten dieses Jahr zumdritten Mal die „Jecken Schlipse vumSt. Nikolaus“ auf. Eine Gruppe Ehrenamtlicher hatte sich vor drei Jahren zusammengetan, Schlipse gesammeltund daraus Kostüme genäht. Inzwischen sind alle gut mit Schlipskostümenausgestattet und proben im Vorfeld mitgroßem Spaß „Kölsche Lieder“ von WilliOstermann bis Bläck Fööss.Unterstützt wurden die Ehrenamtlichenin diesem Jahr – und hoffentlich weiterhin – von Michael Stamm (links im Bild)mit Gesang und am Keyboard, und AxelNacken übernahm einige Soloparts.Besonders erfreulich war in diesem Jahrdie Teilnahme einer Bewohnerin,Elfriede Rockenfeller. Sie hatte früherlange Jahre in einem Chor in Neuwiedgesungen und sang nun mit Freude mitden Jecken Schlipsen, obwohl sie dafürextra Text und Kölsch lernen musste.Der größte Wunsch der Jecken Schlipsewäre es, im nächsten Jahr mehrBewohner in ihren Reihen zu haben.St. Ursula in Hür th„Sonnengruß und Frische Brise“ – Smoothieshalten Einzug in St. UrsulaVon Ulrike LiebensAm 8. Februar fand ein Workshop zumThema „Unterstützende seniorengerechte Ernährung im Bereich Smoothies“, geleitet von Anette Schuhmacher, Dipl. Oecotrophologin und Ernährungsberaterin DGE, statt.Frau Schuhmacher gab den Mitarbeitern Einblicke in gute Fette, wertvolleKohlenhydrate und hochwertige Proteine. Anschließend konnten die Mitarbeiter unterschiedliche Smoothies selberherstellen und probieren.Warum Smoothies? Smoothies haben wenig Kalorien undviele Nährstoffe Smoothies dienen zur Unterstützungder Gesundheit und liefern einen Präventionsansatz gegen Mangelernährung Smoothies dienen nicht als Ersatzeiner Mahlzeit, sondern unterstützendas tägliche Speisenangebot Smoothies dienen als Ergänzung derempfohlenen zwei Portionen Obst unddrei Portionen Gemüse. Smoothies können schneller konsumiert werden als klassische Rohkostoder Salate und bieten bei Schluck- und

Aus den Caritas-SeniorenzentrenCaritas im Rhein-Erft-Kreis 1 / 2016Kaubeschwerden eine wertvolle undgünstige Alternative zu industriell hergestellten Vitamingetränken.Zwei Smoothie-Maker sind nun auf denWohnbereichen im Einsatz.Sie sind auf den Geschmack gekommen? Hier das Rezept vom „Sonnengruß“ (Chinakohl-Frucht-Smoothie)Zutaten:1 kleine Hand voll Walnüsse1 Apfel oder Birne (reif und süß)1 kleiner Chinakohl oder zwei großehandvoll Eisbergsalat (beides ohneStrunk)1/2 Avokado (essreif!)1 Banane (reif)2 Orangen (Saft frisch gepresst)2 EL Rapsöl (oder Leinöl)200 ml Maracujasaft, alternativAnanassaft300 – 400 ml Wasser (je nachKonsistenzwunsch)Bei zu wenig Süße 4 – 6 getrockneteAprikosen oder DattelnZubereitung:Chinakohl waschen und den Strunk entfernen, Avocado schälen und Kern entfernen, Apfel/Birne waschen und entkernen, Banane schälen, Orangen pressen. Gemüse und Obst grob schneidenund zusammen in der Reihenfolge derZutaten in den Mixer geben und ggf. dieTaste „grüne Smoothies“ betätigen. Beinicht gekühlten Zutaten vor dem Trinkenmind. 1 h kalt stellen. Am besten überNacht im Kühlschrank lassen und amFolgetag verwenden, hier eventuell mitetwas Wasser noch verdünnen, da dieKonsistenz dicker wird.Ergibt etwa einen bis eineinhalb Liter.Tipps:Ist die Konsistenz zu breiig, sollte mitWasser verdünnt werden. Bei zu wenigSüße 2-4 Stück Trockenobst oder max.1 kleines Glas Ananassaft hinzu geben.Seien Sie kreativ, jedoch ohne Zuckerzusatz!!!Soll das Getränk direkt nach der Herstellung verzehrt werden, sollte man alleZutaten gekühlt verwenden oder dieHälfte der Wassermenge durch Eiswürfel ersetzen.3Senior enzentrum PulheimDeutsch lernen im SeniorenzentrumVon Claudia LohmannsSeit 2012 werden wir im Caritas-Seniorenzentrum Pulheim immer wieder vonMenschen aus unsicheren Herkunftsländern angefragt, um ihnen die deutsche Sprache im Alltagsleben zu vermitteln. So kam zuerst ein Familienvateraus dem Iran, Herr Reza Hosseini, zuuns, dann folgten weitere Anfragen.Die Anwesenheit von Menschen, die derdeutschen Sprache nicht mächtig sind,stellte uns vor neue Herausforderungenund Erfahrungen. Wie sollen Menschendie deutsche Sprache in einem Altenheim lernen? Mit den Senioren geht diesnur bedingt. Es finden sich jedoch immer wieder aufgeschlossene alte Menschen. Nicht zu vergessen, dass wir mitSenioren arbeiten, die selber Flüchtlingewaren. Dennoch ist die Verständigungzunächst schwierig. Schnell können wiraber die Sprachbarrieren überbrücken.Wozu gibt es I-Phones und andere technische Geräte, auf denen man schnellVokabeln nachschauen kann. Auch diealten Wörterbücher tun ihren Dienst, undviele Kollegen/Innen sowie Bewohnersprechen Englisch oder Französisch.Herr Hosseini hatte in seiner Heimateinen Dokumentarfilm über ein Seniorenheim gedreht, um zu zeigen, dassman von älteren Menschen viel Erfahrung sammeln kann. Er fragte bei unsan, ob er ehrenamtlich helfen könne unddabei seine Deutschkenntnisse verbessern. Hosseini: „Als ich das erste MalReza Hosseini hilft ehrenamtlich undlernt dabei Deutsch.mit einem Bewohner sprechen konnte,habe ich mich sofort sehr wohl gefühltund hatte das Gefühl, dass ich mich mitmeinen Eltern unterhalte.“Auch seine Frau hat einige Zeit in unserem Haus mitgeholfen, und sein Sohnmacht hier ein Jahrespraktikum. Zusätzlich besucht er eine Seniorin einmalin der Woche ehrenamtlich.Buchempfehlung:Navid Kermani: Einbruch der Wirklichkeit. Auf dem Flüchtlingstreckdurch Europa C. H. Beck, München 2016„Earth without art is just Eh“Von Claudia LohmannsEs ist nicht die sogenannte „Meisterklasse“, die in unserem Seniorenzentrumausgestellt wird. Es sind einfache Bildervon Leuten, denen das Arbeiten mitFarben Freude macht und gut tut.Seit 2006 veranstaltet das CaritasSeniorenzentrum Pulheim Ausstellungen. Gezeigt werden Malerei und Fotografie. Organisiert werden diese Ausstellungen durch den Sozialen Dienst.„Earth without art is just EH“ – Ja, auchich habe etwas Zeit gebraucht, bis ichden Sinn dieses Satzes verstandenhabe. Das ist ja gerade das Schöne an„art“, dass man nicht sofort alles versteht, was Bilder zeigen. Da sagen dieLeute: „Eh, was soll das denn sein? EinWasserfall?“, oder sie sagen: „Das könnte ich auch machen.“ Das muss manaushalten, als Ausstellender, als Bildermacher. Dies lohnt sich um des schöpferischen Tuns und Denkens willen.Bei der Betrachtung der Bilder entstehteine Informationskombination, die fürden Hersteller/die Herstellerin der Bilderebenso wie für den/die Betrachter/Inetwas Neues bewirken kann.Eines der Werke: Regina Schuh 2015Es lohnt sich, immer wieder Kunstausstellungen zu besuchen. In den vergangenen zehn Jahren besuchten wir mitBewohnern des Seniorenzentrums dasWallraf Richartz Museum, die Bundeskunsthalle in Bonn, das KunstmuseumWuppertal, die Kunsttage in der AbteiBrauweiler, die Sammlung Ludwig inKöln und Ausstellungen im WalzwerkPulheim.Eine Ausstellung ist stets ein spannendes Erlebnis für beide Seiten. In diesemJahr zeigen wir in unserem Haus Bildervon Helga Hoffmann, Marliese Hansenund der Malgruppe „Palette“ aus Pulheim.

4Aus den Caritas-SeniorenzentrenCaritas im Rhein-Erft-Kreis 1 / 2016Anna-Haus in Hür thWenn ich so an Köln denke Sebastianusstiftin Hür th-GleuelVon Anfang an dabeiVon Kerstin Höpfner und Heiko MülfarthVon Andreas LangschIm Februar wurden im Rahmen einesfestlichen Mittagessens die Dienstjubiläen der MitarbeiterInnen des Sebastianusstifts gefeiert. Als besonderen Gastbegrüßten wir Herrn Falterbaum, derunsere langjährigste Jubilarin MartinaWiechers für 25 Jahre im Dienste derCaritas mit der silbernen Caritas Ehrennadel auszeichnete.In seiner Laudatio hob Herr Falterbaumdie vielen Pflegetätigkeiten hervor, diehinter dieser faktischen Zahl von 25Jahren stehen, und gab Einblick in denWerdegang und die Persönlichkeit vonFrau Wiechers.Wenn man an Köln denkt, kommt vielenzuerst der Dom in den Sinn. Unter demMotto „Wenn ich so an Köln denke undsehe den Dom so vor mir stehen “stellten Bewohner, Mitarbeiter undEhrenamtliche des Anna-Hauses ihreBeziehung zum Kölner Dom dar. Diesgeschah in Form von Gemälden, Collagen oder Fotografien. Ergänzt wurdendiese von persönlichen Dom-Erfahrungen, die in Texten die jeweiligen Kunstwerke abrundeten.Die Ausstellung rund um den KölnerDom war im Dezember in der Cafeteriades Anna-Hauses zu sehen. BesondersBewohner und Angehörige bestauntendie Werke, die zu einem regen Erinnerungsaustausch führten.Caritas bildet Altenpfleger aus – Start wieder im Oktober16 examinierte FachkräfteverabschiedetFreudestrahlend und stolz konnten16 frischgebackene examinierte Altenpflegerinnen und Altenpfleger ihreZeugnisse am 28. Januar in einerFeierstunde im Saal des Caritasverbandes für den Rhein-Erft-Kreis entgegen nehmen.2.800 Stunden Praxis, 2.500 StundenTheorie und die Abschlussprüfung imJanuar am Fachseminar für Altenpflegeder Caritas in Hürth haben sie erfolgreich hinter sich gebracht. Alle zur Prüfung angemeldeten Teilnehmer derstaatlich anerkannten dreijährigen Ausbildung haben auch bestanden. Gratulationen dafür kamen von den Leitern undPraxisanleitern der begleitenden Ausbil-dungseinrichtungen, vom Caritas-Vorstandsvorsitzenden Georg Falterbaum,den vielen erschienenen Angehörigen,Lehrgangsleiterin Inge Rheinbach undFachseminarleiterin Marita Menzel-Kollenberg. „Sie haben einen schönen Berufmit viel Zuwendung zu den Menschen ergriffen. Angesichts der demographischenEntwicklung ist es wirklich ein Beruf mitZukunft!“, freute sich Falterbaum. IngeRheinbach (Foto 4.v.r.) war insbesonderestolz auf die Entwicklung, die die Auszubildenden genommen haben.Die nächste dreijährige Ausbildung startet im Oktober 2016. Bewerbungen andas Fachseminar für Altenpflege,Reifferscheidstr. 2-4, 50354 Hürth.Info: www.caritas-rhein-erft.deIn einem Interview, das zu einem späteren Zeitpunkt geführt wurde, erzählteFrau Wiechers, dass sie „damals“ mit17 Jahren das erste Bewohnerbett indas Sebastianusstift schob. Sie sei mitder Einrichtung groß geworden undhabe durch ihre langjährige Tätigkeit,die nur von Elternzeiten unterbrochenwurde, gelernt, die eigene Einstellungzum Leben zu reflektieren. FrauWiechers betont besonders, wie vieleBewohnerInnen ihr aus diesen vielenJahren im Gedächtnis geblieben sind.Als Altenpflegerin, deren Markenzeichen die roten Haare und der „Laufschritt“ sind, ist sie glücklich, geht aberauch in ihren Hobbies auf, die ihren„Akku“ laden. Tanzen, Musik und Lesensind für sie entspannend, aber auch derobligatorische Mallorcaurlaub in CalaMillor.Angesprochen auf ihre Träume sagt sie:„ eine Weltreise, das wär’s “.Wir wünschen Frau Wiechers für ihreZukunft und ihre Träume alles Gute undfreuen uns auf die weitere, gute Zusammenarbeit.

Ambulante PflegeCaritas im Rhein-Erft-Kreis 1 / 20165Caritas-Sozialstation ist seit zehn Jahren in Bergheim„Unverzichtbar für ältere Menschen“Mit zahlreichen Mitarbeiten, Wegbegleitern, dem Kreisdechanten AchimBrennecke und im Beisein des Beigeordneten Klaus-Hermann Rössler feierte die Bergheimer Sozialstation derCaritas am 25. Januar ihr zehnjähriges Bestehen.„Von anfangs sechs Mitarbeitern, dierund 40 Patienten versorgten, hat sichdie Station rasant entwickelt: Inzwischen sind 46 Pflegekräfte für mehr als200 Pflegebedürftige da“, berichteteder Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes, Georg Falterbaum. Nichtnur dass der Bedarf älterer Menschennach häuslicher Pflege gestiegen ist,auch hauswirtschaftliche Hilfen, Alltagsbegleitung und Palliativversorgungwurden immer stärker nachgefragt.Daher war die Niederlassung des Pflegedienstes in der Kreisstadt bereits damals von Bürgermeisterin Maria Pfordtsehr begrüßt worden, die sich auch überden Zuwachs an Arbeitsplätzen freute.„Sie sind eine Bereicherung für Bergheim und leisten für die älteren Mitbür-Das Team der CPS Bergheim hilft Menschen in ihrer häuslichen Umgebung.ger unverzichtbare Arbeit, da Sie ihnenin Alter und Krankheit beistehen“, gabRössler dem Team des Pflegedienstesmit auf den Weg und dankte für das große spürbare „menschliche Engagement“. Die große Akzeptanz der Sozialstation in der Bevölkerung führte Falter-Jürgen Haubold verabschiedetJürgen Haubold, Leiter der Caritas-Sozialstation Bergheim, hat im Februarden Staffelstab an seine Stellvertreterin Natalie Haese übergeben. Am 23.2.fand im Caritassaal seine offizielle Verabschiedung durch den Vorstand statt.Der staatlich anerkannte Krankenpfleger kam nach verschiedenen Stationenbei Pflegediensten anderer Wohlfahrtsverbände und eines privaten Anbietersvor rund zwölf Jahren zum Caritasverband, zunächst in die SozialstationBrühl. 2005 gründete und baute er die Station in Bergheim gemeinsam mitFachbereichsleiterin Marie-Luise Giertz auf. „Offenbar hat es ihm sehr gut hiergefallen, denn er hat trotz Erreichen des Rentenalters noch zwei Jahre drangehängt“, erzählte Georg Falterbaum in seiner Laudatio. Ausgerechnet in dieseZeit fiel die Brandkatastrophe, bei der die gesamte Station vernichtet wurde,und die die letzte Phase seiner Berufstätigkeit noch einmal in ein regelrechtes Abenteuer mit Umzug und Neubauverwandelte. Die Einweihung dersanierten Station konnte er noch mitfeiern.Haubold war nicht nur belastbar, sondern auch äußerst erfolgreich, wieFalterbaum betonte. Nach 40 Patienten in den Anfängen versorgte seinengagiertes Team zuletzt mehr als 200Patienten. „Dies verdeutlicht: Die Menschen vertrauen Ihnen, und es istIhnen gelungen, immer Personal inausreichender Qualität und Zahl zu gewinnen.“ Dankbar ist man beim Caritasverband, dass Haubold mit Frau Haese gleich eine fähige Nachfolgerin aufgebaut hat.baum auf die hohe Fachkompetenz undden starken Teamgeist zurück, die Pflegedienstleiter Jürgen Haubold gemeinsam mit seiner Stellvertreterin NatalieHaese aufgebaut hatte.Dass dieses Jubiläum in komplett neueingerichteten Räumen des Pfarrzentrums an der Kirchstraße 1a stattfand,war dem Umstand zu „verdanken“, dassdie Einrichtung vor anderthalb Jahrendurch Brandstiftung komplett zerstörtworden war. Zweifacher Umzug undWiederaufbau waren Herausforderungen, die Haubold hervorragend gemeistert habe, wie der Vorstand berichtete.Vor der Einsegnung der neuen Räumeerinnerte Kreisdechant Brennecke andie dramatischen Ereignisse, die sehrgut den Zusammenhalt innerhalb derPfarrgemeinde zeigten. Die Pfarrgemeinde hatte nach dem Brand gleichunkompliziert mit Taten und Ausweichräumen geholfen. Ein besonderesHolzkreuz, das aus dem Material desPapsthügelkreuzes von 2002 gefertigtworden ist, machte Brennecke derSozialstation zum Geschenk.KontaktCaritas-SozialstationKirchstraße 1a, 50126 BergheimTel.: 02271/ 56 91 19Mail: [email protected]

6 Reportage: Letzte AnlaufstelleCaritas im Rhein-Erft-Kreis 1/ 2016Die Caritas-Beratungsstelle vor Ortals rettender StrohhalmWenn wir unsere Caritas-Beratungsstellen beschreiben, die wir in allenKommunen vorhalten, sprechen wiroft von einer „ersten Anlaufstelle“.Nach einem Vormittag in der Stelle inBergheim wird mir klar: Für ganz vieleMenschen ist es die letzte.So drückt es auch Karin Ronge aus, diein Bergheim, Bedburg und Elsdorf Ansprechpartnerin der Caritas für Menschen in Not ist. Wenn ihnen das Wasser bis zum Halse steht und keine andere Stelle hilft oder helfen kann, dann stehen Hilfsbedürftige buchstäblich kurzvor zwölf vor ihrer Tür. Außerdem istheute Freitag, und man kann behördlichkeine Hebel mehr in Gang setzen.Neben einer fröhlichen Dame, die zwischen zwei Gesprächsterminen denKopf durch die Tür streckt, um sich füreine begehrte Seniorenreise anzumelden, sehe ich ganz viel Not.Karin Ronge versucht, auch in schwierigsten Situationen eine Lösung zu finden.Weil die Frau keine Auskunft gegebenhat, nicht auf Mahnungen reagiert hat,droht man ihr Beugehaft an. Da bei ihrgar nichts zu holen sei, brauche sie keine Angst zu haben, beruhigt FrauRonge die Frau, die sie bereits aufgrundder Lebensmittelgutscheine kennt, diesie, wenn es eng wird, bezieht. Hierfürmüssen die Besucher der Stelle ihreEinkünfte belegen, damit die Hilfe nurwirklich Bedürftigen zuteil wird. Wennsie Sozialbetrug vermutet, macht KarinRonge das ziemlich wütend. Aber auch,dass wir in Deutschland derzeit Altersarmut produzieren, indem viele Menschenvon ihrer Erwerbsarbeit nicht mehr lebenkönnen, geschweigedenn eine auskömmliche Rente einfahren.Ronge sagt der nervösen, früh ergrautenBesucherin, man könne ihr nichts mehrwegnehmen, selbstder Fernseher könnenicht gepfändet werden. Ihr Rat ist, gleicham Montag eine eiKarin Ronge und ihre Kolleginnen in den anderen Caritas-BeradesstattlicheVersitungsstellen sind für viele die letzte Hoffnung.cherung abzugeben,dass sie nicht bezahlen kann. Außerhat sie eine gesetzliche Betreuung, diedem rät sie angesichts eventueller weiaber offenbar auch nicht über alles imterer offener Forderungen z.B. aus derBilde ist.geschiedenen Ehe dringend zu einerFrau Ronge sichtet nur kurz den mitgePrivatinsolvenz. „Das ist besser für Ihrenbrachten Ordner und weiß, was los ist:Einen Termin gleich um neun nimmt eineängstliche Mutter zweier erwachsenerKinder – eines behindert – wahr. Siekommt in Begleitung einer Betreuerinund hat ein Schreiben ihrer Bank mitgebracht, auf dem das Wort „Zwangsvollstreckung“ und ein Hafttermin stehen.Sie lebt in einer günstigen, ambulantbetreuten Wohnung, und hat nun Angst,wegen ihrer Schulden festgesetzt zuwerden. Weil sie aufgrund psychischerProbleme keine Post mehr geöffnet hat,Seelenfrieden, weil dann die Schreibennicht mehr kommen“, so Ronge. DieBetreuerin vom Netzwerkbüro soll dienotwendigen Schritte einleiten: Siesteht der Klientin normalerweise nur beiEinkäufen und Behördengängen zurSeite, da diese das Haus gar nicht verlassen kann. Für das Finanzielle müsseder gesetzliche Betreuer kontaktiertwerden, so Karin Ronge.Die ausgebildete Industriekauffraukennt die Probleme der einkommensschwachen Haushalte noch aus ihremErstberuf. Vor der Familienphase hattedie Mutter zweier heute studierenderKinder im Mahn- und Klagewesen einesEnergieunternehmens gearbeitet. Beider Caritas ist sie seit 2005. Ohne schulmeisterlich zu klingen, gibt sie nochgute Tipps mit auf den Weg, um etwaStromkosten zu verringern. Sie erarbeitet immer wieder mit Klienten hilfreicheHaushaltspläne.Der nächste „Fall“ erscheint nur auf denersten Blick einfach. Die berufstätigeMutter zweier Kinder, die nach der vorgeschriebenen Frist erneut eine MutterKind-Kur beantragen möchte, hat keineLuxusprobleme, aber jammert nicht. Aufkonkrete Nachfragen durch Frau Ronge,die den Erstantrag studiert, erfahren wir,dass ihr krebskranker Ehemann einenRückfall hatte. Die Kinder sind nochklein, und die Sorgen der Eltern sollensie möglichst nicht mitbekommen. Dasmacht seelischen Stress. Zudem leidet

Reportage / Schuldnerberatung 7Caritas im Rhein-Erft-Kreis 1 / 2016die Frau seit der letzten Schwangerschaft stark unter Wasser in den Beinen.Sie nimmt Präventionsangebote wahrund geht regelmäßig zur Lymphdrainage. Das gibt Pluspunkte beim Antrag,sagt die in der Kurberatung erfahreneKarin Ronge. Auch, dass sie nicht wiemanche Frauen auf die schöne Jahreszeit für die Durchführung der Maßnahme fixiert ist. „Daran sieht man, wiemotiviert die Antragstellerin ist, und wiegroß der zu erwartende Kurerfolg“, weißsie. Freundlich spricht sie eine Empfehlung für ein medizinisch passendes Kurhaus aus, schnell und routiniert erledigtsie alle Formalia, reserviert telefonischeinen Platz und druckt die Formulareaus, die vom Arzt und der Frau auszufüllen sind.Der Nächste bitte. Eine Frau mit Migrationshintergrund und zwei Kindern, dieum einen Zuschuss zur Wohnungsrenovierung bitten will, muss sie abweisen. Sie hat zwar Verständnis für ihrenWunsch, verweist aber darauf, dass sieversuchen solle, dies mit den gerade amVortag erhaltenen Leistungen vom Jobcenter umzusetzen, denn es ist Monatserster. Im Flur sitzt ein recht verzweifeltwirkender Syrer. Er spricht so gut wiekein Deutsch. Mit Hilfe der Übersetzungeines befreundeten Klienten arabischerAbstammung kann dessen Anliegenkurzfristig per Telefon geklärt werden.Ali spricht sieben Sprachen und istKarin Ronge für ihre Hilfe in einer Krisedankbar. Die Frau und das Kind desSyrers sitzen noch in Griechenland fest.Frau Ronge nennt dem Asylbewerbereinen kurzfristigen Termin, an dem dieFlüchtlingsberaterin der Caritas insHaus kommt.Tragisch ist auch die Situation einer Farbigen mit Arbeitserlaubnis. Ihr Verdienstaus regelmäßiger Arbeit in einem Hotelhat nicht ausgereicht, um die Miete fürsich und die Tochter zu bezahlen, liegtaber über dem Satz, bei dem sie Hilfevom Jobcenter bekäme. Bereits amDienstag wird die Wohnung geräumt.Ein von ihr kontaktierter Anwalt hattenur mit den Schultern gezuckt. KarinRonge verspricht, in dieser aussichtslosen Lage am Montag mit ihr das Amtsgericht für eine einstweilige Verfügungaufzusuchen. Sie muss ihr dennochraten, ihre Sachen zu packen und beiihrer Freundin unterzustellen. „WärenSie doch früher gekommen “ Es istnicht das erste Mal, dass Ronge einesolch brenzlige Situation wieder gewendet hat. Wenn die Caritas anruft, sichhinter den Klienten stellt und verspricht,an einer Verhaltensänderung mitzuarbeiten, lässt sich meist noch das Blattwenden. Nun droht der Alleinerziehenden und ihrer Tochter die Unterbringungin einer Obdachlosenunterkunft, wasKarin Ronge keine Ruhe lässt.Als wir uns ins Wochenende verabschieden, sagt die engagierte Beraterin:Aber zuerst besuche ich noch ehrenamtlich eine Witwe in der Nachbarschaft. Die braucht mich Kontakt :Caritas-Beratungsstelle BergheimKarin RongeKirchstraße 1a , 50126 BergheimTel.: 02271/ 99 25 76Mail: [email protected] Adressen und Sprechzeiten:www.caritas-rhein-erft.deAktionswoche Schuldnerberatung vom 6. bis 10. JuniSCHULDEN MACHEN KRANKheit macht SchuldenMit einer Aktionswoche wollen dieSchuldnerberatungen in NRW auf einen oft noch unbekannten Zusammenhang aufmerksam machen: Nichtnur Arbeitslosigkeit oder zu großeKonsumwünsche führen in die Verschuldung.Immer öfter sind Erkrankungen die Ursache. Etwa jeder zehnte Betroffene istdurch Erkrankung, Unfall oder Sucht ineine Überschuldung geraten, so dieZahlen des Statistischen Bundesamtes.Umgekehrt sind überschuldete Menschen aber auch überdurchschnittlichhäufig in ihrem Wohlbefinden und ihremGesundheitszustand beeinträchtigt. Esbestehen also starke Wechselwirkungen. Als Reaktion auf die finanzielleKrise kommt es zu psychischen, physischen und psychosomatischen Leiden.Überschuldete sind oft nicht ausrei-chend informiert überkostenloseGesundheitsleistungen, Härtefallregelungen und Vorsorgeuntersuchungen,und: Sie lösen oft Rezepte wegen fälliger Zuzahlungen zu verordneten Medikamenten garnicht ein.Aufklärung tut also not.Die Schuldnerberatungen im Rhein-Erft-Kreisvon ASB, Caritas undDiakonie planen einePressekonferenz, um aufdie Problematik aufmerksam zu machen.Ein Infoflyer für Senioren- und Schuldnerberatung ist in ung.deKontakt: Josef Uhler, Tel.: 02233/ 7990 9160

8 CaritaspastoralCaritas im Rhein-Erft-Kreis 1 / 2016Der Caritasverband für den Rhein-Erft-Kreisist für mich ein Ort gelebten Glaubens, weil S TAT I O N Ä R E P F L E G EIn diesem Jahr wurde das Leitbild unseres Verbandes zwanzig Jahre alt.Das bedeutet u.a., dass sich die Einrichtungsleitungen unseres Verbandes mit Grundlagen des Glaubensbeschäftigen und mit der Frage, wieOrganisation und Christlichkeit zusammen zu bringen sind. Nicht immer ist die Verbindung von Wirtschaftlichkeit,FachlichkeitundChristlichkeit spannungsfrei, vielmehr ist das Verhältnis dieser Aspekte Tag für Tag neu auszutarieren.Gleichzeitig nehmen wir wahr, dassauf diesem Weg in den letzten Jahrenviele schöne Ideen, Projekte und Rituale entstanden sind, die inzwischenzum normalen Tages- oder Jahresablauf in der Einrichtung oder zumUmgang mit Klienten und derenAngehörigen gehören. Ein Austauschdarüber findet fachbereichsübergreifend im Arbeitskreis „Evangelium undOrganisation“ statt. In einer verbandsweiten Umfrage wandten sichnun die Mitglieder des AKs an dieEinrichtungsleitungen, um zu erheben, mit welchen Aktivitäten, Aktionen, Projekten, Traditionen undHaltungen für sie bzw. in der Einrich-tung deutlich wird, dass dort christlicher Glaube gelebt wird. Mehr als 75Prozent der Erhebungsbögen wurdenzurückgesandt. Die Auswertung hatuns zum ersten Mal in dieser Breitevor Augen geführt, in welcher Intensität unsere Einrichtungen ein„Begegnungsort des Glaubens“ fürdie Einrichtungsleitungen, die Klienten oder KollegInnen, für Angehörigeoder Externe sind.Stellvertretend möchten wir einigeder Kolleginnen und Kollegen zu Wortkommen lassen.Frau Gabriele Mehlem,Leiterin des Caritas-Altenzentrums Sebastianusstift in Hürth-Gleuel:Schon bei der Auswahl einer Pflegeeinrichtung achten die zukünftigen BewohnerInnen und ihre Angehörigen auf „den Geist des Hauses“. Dieser wird häufigmit dem Gefühl des Angenommen-Seins und des sich Zuhause-Fühlens erklärt,beim näheren Nachfragen werden aber auch die Atmosphäre im Haus, derUmgang der Mitarbeiter

Deutsch lernen im Seniorenzentrum Von Claudia Lohmanns Seit 2012 werden wir im Caritas-Senio-renzentrum Pulheim immer wieder von Menschen aus unsicheren Herkunfts-ländern angefragt, um ihnen die deut-sche Sprache im Alltagsleben zu vermit-teln. So kam zuerst ein Familienvater aus dem Iran, H